Berufswechsel

11. November 2016 14:51; Akt: 11.11.2016 14:51 Print

«Das Yoga holte mich aus dem Burn-out»

von B. Zanni - Agnieszka Obrecht-Grundbacher hat sich für einen ruhigeren Job entschieden. Zuvor strampelte sie sich bis zur Erschöpfung als Altenpflegerin ab.

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Von der Altenpflegerin zur Yogalehrerin: Agnieszka Obrecht-Grundbacher fand in ihrem Hobby eine neue Berufung (Symbolbild). Ruhe und Entspannung statt Stress und Druck: Yogalehrerin oder Yogalehrer ist zurzeit ein gefragter Beruf. «In den letzten drei Jahren haben wir rund 30 Prozent mehr Schüler, die unsere vierjährige Ausbildung zum Yogalehrer besuchen», sagt Reto Zbinden, Vorstandsmitglied des Schweizer Yogaverbands. Darunter seien KV-Angestellte, Manager und Selbständigerwerbende. «Oft sind sie durch den Stress besorgt um ihre Gesundheit und streben als Yogalehrer einen ruhigeren und gesünderen Berufsalltag an.» Margrit Meier, Gründerin von Meditation Schweiz und Meditationslehrerin: «Die meisten suchen einen Ausstieg aus der Hektik, indem sie sich in der Meditation ein zweites berufliches Standbein aufbauen.» Life Coach Sabina Hediger stellt fest, dass viele Menschen ausgelaugt oder gestresst sind und sich fremdgesteuert fühlen. «Die Sehnsucht nach mehr Ruhe und Gelassenheit im Berufsalltag ist bei meinen Klienten über alle Branchen verteilt sehr gross.» «Diese Entwicklung mag eine Flucht vor dem verschärften Stress in der Arbeitswelt sein», sagt Pepo Hofstetter, Sprecher der Gewerkschaft Unia. Aber die grosse Mehrheit könne nicht einfach auf solche «entspanntere» Tätigkeiten umsteigen. «Arbeitnehmende, die beispielsweise im Detailhandel oder Gastgewerbe tätig sind und dort strenge und überlange Arbeitstage haben, können sich solche Umschulungen kaum leisten.» Daniella Lützelschwab, Ressortleiterin Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht beim Schweizerischen Arbeitgeberverband: Die Unternehmen müssten darauf achten, die Arbeitsbedingungen so auszugestalten, dass sie die Gesundheit der Arbeitnehmenden nicht gefährden. Auch SVP-Nationalrätin Natalie Rickli steht auf Yoga. «Ich gehe nach Möglichkeit ein- bis zweimal pro Woche ins Yoga.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Frau Obrecht-Grundbacher, Sie sind seit kurzem Yogalehrerin mit einem eigenen Yogastudio. Wie geht es Ihnen dabei?
Sehr gut. Ich kann den Menschen etwas weitergeben, das ihnen gut tut. Dadurch habe ich endlich auch die Möglichkeit, jeden Tag für mich selbst etwas Gutes zu tun: für meine Seele, meine Gesundheit und mein Wohlbefinden.

Umfrage
Gehen Sie ins Yoga?
42 %
1 %
5 %
18 %
31 %
3 %
Insgesamt 1182 Teilnehmer

Konnten Sie dies vorher nicht?
In meinem früheren Beruf als Altenpflegerin in einem Altersheim war ich immer für andere da und bekam nichts zurück. Anfangs hatte ich noch sehr viel Freude an meinem Job und besuchte auch Weiterbildungen. Doch die Arbeitsbedingungen wurden immer schwieriger.

Inwiefern?
Druck und Stress nahmen nur noch zu. Es mangelte ständig an Mitarbeitern, ich musste immer mehr Überstunden leisten. Obwohl ich immer mit ganzem Herzen dabei war, erhielt ich von meinen Vorgesetzten kein Lob. Ich wurde behandelt wie ein Automat, von dem man auf Knopfdruck alles verlangen kann. Irgendwann konnte ich nicht mehr.

Was passierte?
Ich erlitt Depressionen und fiel in ein Burnout. Die Ärzte behandelten mich mit Antidepressiva. Aber aus dem Burnout hat mich das Yoga geholt. Ich besuchte in meiner Freizeit Yogastunden und fühlte mich immer besser. Zunehmend entwickelte sich dabei der Wunsch nach einem Job, der von der Ruhe bestimmt wird. Eine Umschulung als Yogalehrerin war der richtige Weg.

Ist ihr Alltag heute immer so entspannt, wie Sie es sich erhofft haben?
Mehrheitlich schon. Aber ganz relaxt kann ich auch jetzt nicht durch den Alltag gehen. Yoga-Studios schiessen wie Pilze aus dem Boden. Der Konkurrenzdruck ist gross. Ich möchte, dass mein Stil den Kunden gefällt – und das stresst mich manchmal.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geht Raus in die..... am 11.11.2016 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Natur und setzt Euch .....

    ganz bewusst hin, horcht den tönen der Tiere, lernt in diesem Moment abzuschalten und dann ...... ja dann brauchts keine weiteren Ablenkungsmanöver, ist erst noch Gratis und ihr lernt das Wesen der Schöpfung kennen, ein Gut das durch nix zu ersetzen ist :-)

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  • Luna am 11.11.2016 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohlbefinden

    Egal ob Yoga, Tanz oder sonst etwas - ein Ausgleich ist so wichtig! Ich mag es ihr gönnen, dass sie das für sich selbst auch erkannt hat und nun auch dafür lebt. Ohne dass ich für mich Ballett entdeckt habe, hätte ich an meinem vorherigen Arbeitsplatz wahrscheinlich nicht durchgehalten. Liebe Leute - sucht euch etwas, dass euch Spass macht und dem ihr mit ganzer Leidenschaft hinterhergehen könnt. Das ist wirklich wichtig für unser Wohlbefinden!

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  • Roger Jakobs am 11.11.2016 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wertschätzung

    Es ist wichtig das wir Menschen schätzen was der andere an Arbeit leistet. Öfter darf man auch mal sagen das man sein Gegenüber mag.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sara am 12.11.2016 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glück gehabt

    Schön und Recht. Aber die Meisten finden trotz Umschulung keinen Job.

  • Tatjana. am 12.11.2016 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hab die dvds

    Yoga mach ich lieber allein, dann kann ich mich viel mehr entspannen. Yoga ist wirklich super für den geist und körper. Auch autogenes training ist hilfreich, vor allem wenn man probleme hat zum einschlafen.

  • marko 31 am 11.11.2016 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yoga

    Yoga hilft mir sehr

  • Hobbydoktor am 11.11.2016 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Spazieren gehen

    und das jeden Tag und nicht nur 5 Minuten. Am besten solang wie möglich, d.h. stundenlang. Ist auch gut, bei allen Krankheiten, egal ob psychisch oder pysisch.

  • OliverD am 11.11.2016 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So geht es auch

    Heute darf ich sagen: "Ich HATTE einen Burnout." Mein Tipp: Nehmt keine Medikamente, der Psychologe heilt euch auch nicht, höchstens sein Bankkonto. Steht früh auf, dann ein herzhaftes Frühstück und danach einen ausgedehnten Spaziergang in der schönen Natur. Viel schlafen, kein Alkohol und verbringt viel Zeit mir euren Allerliebsten. Ganz wichtig: Lasst euch Zeit und entschleunigt euer Leben. Verabschiedet euch von Luxus und zu vielen materiellen Dingen.

    • Wenn's So Einfach Wär am 11.11.2016 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @OliverD

      Bei einem richtigen Burn Out genügt das nicht!

    • Sensenmaa am 12.11.2016 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @OliverD

      Stimmt genau, so ähnlich kam ich auch aus meiner jahrelangen Depression. Aufhören sich immer hohe Ziele zu stecken und immer allem nach zu rennen und einfach glücklich sein im hier und jetzt mit dem was man hat.

    • OliverD am 12.11.2016 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wenn's So Einfach Wär

      Dann definieren Sie doch bitte, was ein "richtiges" Burn-Out ist. Meines hat etwa 2007 begonnen und damals kannte kaum jemand den Begriff "burnout". Und weil Sie so gut Bescheid wissen, können Sie mir sicher auch gleich noch definieren, was und wie ein "normaler" Mensch ist. Ich freue mich sehr auf ihre ausführlichen und klärenden Worte.

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