Connyland gibt auf

03. Juni 2012 01:03; Akt: 03.06.2012 12:45 Print

«Das ist das Ende des Delfinariums»

Das beschlossene Importverbot für Delfine in der Schweiz trifft das Connyland hart. Trotz Kampfansagen gibt Geschäftsführer Erich Brandenberger nun auf. Er plant ohne die Meeressäuger.

Bildstrecke im Grossformat »
Schocknachricht aus dem Connyland in Lipperswil: Der achtjährige Delfin Angel ist am 3. November 2013 gestorben. Mit ihm sind seit 2008 neun Delfine gestorben. Im Jahr 2007 war Angel getauft worden - von der Musicstar-Siegerin Fabienne Louves. Das mittlerweile achtjährige Delfinmännchen hätte nach Jamaika umgesiedelt werden sollen. Am Dienstag, 8. November 2011, ist im Freizeitpark Connyland das achtjährige Delfinmännchen Shadow verendet. Mit Shadow sind seit 2008 sieben Delfine im Connyland gestorben. ProWal und Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) kritisieren darauf das Veterinäramt. Dieses habe eine Technoparty vom 29. Oktober nicht verboten. Diese sei Schuld am Tod des Delfins. Der Kantonstierarzt widerspricht: Die Technomusik sei im Delfinarium kaum zu hören gewesen. Ausserdem sei nur der Tod des jungen Shadow aussergewöhnlich. Zwei der früher gestorbenen Delfine seien 27 und 28 Jahre alt geworden, die anderen seien Babys gewesen. Die Todesursache von Shadow wird noch untersucht. Die Tierschutzorganisationen bezeichnen das Connyland hingegen als Todestrakt. Sechs Tage nach Shadow stirbt am 14. November 2011 ein weiterer Delfin im Connyland. Der Verdacht wird laut, beide Tiere könnte vergiftet worden sein. Doch die Staatsanwaltschaft Thurgau teilte am 05. Juli 2013 mit, dass die Delfine an einer Hirschädigung gestorben sind. Dies durch die Überdorsierung von Medikamenten. Laut Tierschutzorganisationen ist artgerechte Haltung nicht möglich. Ein Becken könne nie die Standards eines Meeres bieten. Delfinarien verunmöglichten ein natürliches Sozial- und Jagdverhalten.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach den tödlichen Zwischenfällen im Connyland hat die Politik schnell reagiert und mit der «Lex Connyland» ein Importverbot für Delfine in der Schweiz verfügt. Trotz anfänglicher Kampfansage gegen das Gesetz wirft der Geschäftsführer des Connylands, Erich Brandenberger, nun aber die Flinte ins Korn, wie gegenüber der «SonntagsZeitung» und dem «Sonntag» bestätigt.

«Das bedeutet das Ende des Delfinariums. Wir werden es wahrscheinlich nach dieser Saison schliessen müssen», sagt Brandenberger. Ein Referendum gegen das Importverbot wird es definitiv nicht geben. Zwar würden sie genügend Unterschriften zusammenbringen, ist er überzeugt. Doch der Abstimmungskampf wäre ohne Partner zu kostspielig.

Das bedeutet: Die drei verbleibenden Connyland-Delfine werden nun weggegeben oder verkauft. «Die Suche nach geeigneten Plätzen hat oberste Priorität», sagt Brandenberger – und sie Zeit drängt. Das siebenjährige Männchen Angel ist bald geschlechtsreif und wird sich deshalb mit der Mutter Chicky paaren wollen, dem letzten verbleibenden Weibchen. Angel soll deshalb bis Jahresende ein neues Zuhause finden. Ganz anders ist es hingegen beim einjährigen Secret. «Bevor ein Delfin zwei Jahre alt ist, sollte man ihn nicht transportieren», sagt Brandenberger.

Neue Pläne

Der finanzielle Aspekt steht laut Brandenberger im Hintergrund – obwohl ein Delfin zwischen 100 000 und 300 000 Franken einbringen kann. «Lieber geben wir unsere Delfine an einen Ort, an dem sie sich wohl fühlen», sagt er dem Sonntag. Geld will das Connyland aber vom Bund. «Wir wurden durch das Verbot enteignet und haben deshalb Anrecht auf eine angemessene Entschädigung.»

Trotz dem Aus für das Delfinarium gibt sich das Connyland aber kämpferisch. Der Bau einer neuen Achterbahn anstelle der Lagune soll in Zukunft Gäste anlocken. Mit der 2010 eröffneten «Cobra» konnte das Connyland bereits ein jüngeres, erlebnisorientiertes Publikum anlocken. Das erhofft sich Brandenberger auch durch eine neue Bahn.

(aeg)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lukas K. am 03.06.2012 02:02 Report Diesen Beitrag melden

    ....

    Wird auch Zeit. Einen Freizeitpark konnte man das noch nie nennen. Freizeitparks sind und werden auch in den nächsten Jahren keinen wirtschaftlichen Stand fassen können.

  • Ja zu den delfinen am 03.06.2012 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schämt euch fleischessende tierschützer!

    Es gibt tausende schlimmere tierhaltungen in der schweiz als das connyland!!!! und alle die gegen die connyfine sind geben sich doch nur dem rummel hin anstatt ne eigene meinung zu haben!!

  • Enttäuschter Delphinfreund am 03.06.2012 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Existenzvernichter

    Leider haben selbsternannte "Tierschützer" wieder einmal mehr gewonnen. Es wird eine weitere Existenz zerstört. Das gleich Spiel wurde schon mit der Fischzucht im Rheintal gespielt. Auch dort haben sich selbsternannte "Experten" leider durchsetzen können. Dass das Connyland sehr vorbildlich zu den Delphinen geschaut hat wird geflissentlich ignoriert, da das nicht ins Beuteschema dieser Unwissenden passt. Hoffentlich verzeichnet das Connyland im letzten Jahr der klassen Delphinshows noch einen Besucherrekord der selben. Ich jedenfalls werde diese noch so oft es meine Zeit erlaubt besuchen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Shorty75 am 03.06.2012 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz dieser Entscheid!

    Es haben es schon einige geschrieben. Was ist dann mit den Zoo Tieren? Also entweder seit ihe konsequent oder ihr last es gleich bleiben, mit sollchen unnötigen Einzel Entscheiden. Das wäre in etwa das gleiche, wie wenn es Aussschaffungen geben würde, aber nur für eine Nation. Das ist schlicht ein Witz so zu entscheiden. Leider passt es aber zu unserer momentanen Regierung.

  • Alessia C. am 03.06.2012 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Find ich gut.

    Meiner Meinung nach sollte man Zoos und Ähnliches auch gleich verbieten. Ich bin Vegetarier und kaufe meine restlichen Tierischen-Produkte bei unserem Nachbar einem Bio-Bauern. Wer es sich leisten kann soll die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachte. Wer nicht, sorry, ich würde auch gerne das Meer vor der Haustüre haben, muss auch warten bis ich es irgendwann wieder besuchen kann.

  • Sven Samenström am 03.06.2012 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aktivisten  

    Eifach krank das Ganze! Die Japaner schlachten Jahr für Jahr tausende Delfine auf abartigste Weise ab, um sie zu essen. Bei uns wird ein Riesenaufstand wegen ein paar Delfinen gemacht, die zwar nicht ganz artgerecht gehalten werden, denen es aber sonst gut geht. Ziel erreicht. Jetzt haben die Delfinaktivisten Zeit, sich gleich stark für tausende von Nutztiere in der Schweiz einzusetzen, welche vielfach unter tierquälerischen Bedingungen gehalten werden.

  • Sereina Gasser am 03.06.2012 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich :)

    Ärgert euch doch alle schwarz!!! Das Importverbot ist ein weiterer kleiner Erfolg! Der weitere Import von neuen Tieren aus anderen Betrieben und der Wildnis ist somit in unserem Land gestoppt. Wir folgen somit Ländern wie Costa Rica, Chile, England, Luxemburg oder Kroatien. Delfinarien sind vom Aussterben bedroht, und das zu Recht! Danke an alle aktiven Tierschützer und involvierte Tierschutzorganisationen. Der viele Jahre anhaltende Kampf gegen Delfinarien findet nun im 2013 in unserem Land ein Ende.

  • Remo am 03.06.2012 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geeignetes Zuhause

    In Florida oder in Elat am roten Meer gibts riesige Delfinarien die im Meer sind statt ein Becken.