Einreiseverbot für Illi

26. Dezember 2013 20:02; Akt: 27.12.2013 09:30 Print

«Das sollte der Schweiz eine Warnung sein»

Der Pressesprecher des Islamischen Zentralrats darf nicht nach Kanada reisen. Jetzt müsse auch die Schweiz ihre Haltung zur Organisation überdenken, fordern Experten.

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Qaasim Illi wird am Flughafen Zürich Kloten abgewiesen. (Bild: IZRS)

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Die «Reviving the Islamic Spirit»-Konferenz in Toronto wird ohne den Schweizer Abdel Azziz Qaasim Illi stattfinden. Am Flughafen Zürich Kloten war am ersten Weihnachtstag nämlich Schluss für den konvertierten Ostschweizer und Sprecher des Islamischen Zentralrats der Schweiz. Das Bodenpersonal der Swiss teilte ihm mit, dass seine Einreise in Kanada unerwünscht sei.

In der Schweiz zeigen sich Experten und liberale Moslems wenig überrascht von der Einreisesperre. «Wir warnen schon lange vor den extremen Ansichten des IZRS», sagt beispielsweise Saïda Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam. «Ich hoffe, dass die Einreisesperre in Kanada nun auch in der Schweiz die Sicht auf den IZRS verändert. Denn dessen Ideologie ist mit einer demokratischen Gesellschaft nicht kompatibel.»


«Schweiz ist für lasche Haltung bekannt»

Auch Strategie-Experte Albert A. Stahel hält die Schweizer Behörden für «blauäugig», was den Umgang mit islamistischen Organisationen angeht. «Die Schweiz ist in diesen Fragen international eher für eine lasche Haltung bekannt.» Kanada und auch die USA hingegen würden seit den Anschlägen vom 11. September sehr strenge Bestimmungen kennen. «Die Schweiz muss jetzt bei den kanadischen Behörden nachfragen, aufgrund welcher Verbindungen und Aussagen Qaasim Illi auf der Schwarzen Liste gelandet ist – und dann überlegen, ob man diese Einschränkungen auch bei uns einführen müsste.» Sollte die Schweiz sich hier anpassen, hätte das laut Stahel Konsequenzen für den IZRS. «Beispielsweise wäre mit schärferen Kontrollen der Auftritte und Aussagen der Exponenten zu rechnen.»

Der in der Schweiz lebende marokkanische Islamkritiker und Blogger Kacem El Ghazzali fordert gar ein Verbot des IZRS: «In einer Gesellschaft wie der schweizerischen hat eine Gruppierung, die extremistisches Gedankengut verbreitet, nichts zu suchen.» Die Schweizer Behörden seien naiv, was den IZRS angeht, kritisiert der Präsident des Vereins der Ex-Muslime Schweiz. «Es handelt sich nicht um einen kleinen Schweizer Verein, sondern der IZRS ist Teil eines internationalen Netzwerks von Extremisten.» Dass Kanada Qaasim Illi sperre, bevor die Schweiz selber dessen Gefährlichkeit erkannt habe, sei bedenklich. «Es sollte den hiesigen Behörden eine dringende Warnung sein.» Die Haltung des IZRS schade auch vielen Muslimen, die seit Jahren perfekt in der Schweiz integriert seien.


Qaasim Illi will sich einen Anwalt nehmen

Illi weist jegliche Verbindungen zu Terroristen und Extremisten von sich – und zeigt sich nach wie vor überrascht über das Einreiseverbot. Am IZRS alleine könne es nicht liegen: «Eine zweiköpfige Delegation von uns konnte problemlos einreisen.» Während der Feiertage seien ihm die Hände in dieser Sache gebunden. «Bisher habe ich nur auf der Homepage des Immigration Office von Kanada schriftlich Beschwerde erhoben.» Als nächsten Schritt will der IZRS-Pressesprecher einen Anwalt einschalten: «Ganz Nordamerika nicht bereisen und damit an Tagungen nicht teilnehmen zu können, ist ein Verstoss gegen die Meinungs- und Reisefreiheit.»

Dass der Konvertit es schafft, von der Schwarzen Liste wieder gestrichen zu werden, glaubt Albert A. Stahel nicht. «Solche Listen werden etwa unter den USA, Kanada, Grossbritannien und Australien ausgetauscht. Wer einmal drauf ist, hat verschwindend kleine Chancen, seinen Namen wieder löschen zu lassen.» Dennoch hat Illi noch eine Hoffnung: «Mein Name ist sehr häufig in der arabischen Welt. Es könnte deshalb sein, dass nicht mein Engagement für den Islam, sondern eine Verwechslung dahintersteckt.»

(nj)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Samu am 26.12.2013 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedroht

    Bin hier geboren und aufgewachsen... Bin gebürtiger moslem... In der moschee die ich besuche wurden wir von den herren des izsr besucht... Weil wir sie nicht akzeptieren wollten wurden wir von ihnen bedroht mit dem tod. Was können wir tun? Nichts! Auch die polizei konnte nicht helfen da hiess es aussage gegen aussage... Sagt doch liebe mitmenschen was können die liberalen moslems unternehmen wenn nicht einmal die schweiz hinter uns steht?

    einklappen einklappen
  • Tobias Kossmann am 26.12.2013 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sofort verbieten

    Was beaucht es eigentlich so eine "Organisation" wie den Zentralrat in der Schweiz? Aber unsere Justizvorsteherin Frau Sommaruga hat ja bekantlich Angst hier ein Machtwort zu sprechen und diese Extremisten zu verbieten.... Es ist nicht das erste Mal dass dieser Zentralrat mit Extremisten in Verbindung gebracht wurde. Muss erst eine Bombe bei uns explodieren bevor wir erwachen??

  • Dave am 26.12.2013 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht habe sie!

    Auch aus meiner Sicht haben die Amerikaner recht. Freue mich morgen auf ein Bier mit unseren kanadischen Freunden beim Spengler-Cup :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Moses François am 28.12.2013 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    leider ist es so

    Ich bin auch Muslim geworden, aus theologische Gründen. Und muss aber klar sagen, dass ich mich von den islamische Organisationen nicht vertreten fühle,von keiner. Der Zentralrat schreckt viele Menschen ab, auch Muslime, auch mich. Mir ist er sogar suspekt und zuwider. Es gibt etliche Islamische Organisationen und Vereine, die den IZRS meiden und ihm keine Plattform bieten. Mehr kann nicht getan werden. Der Staat tut noch weniger, also: nichts.

  • Arthur Müller am 27.12.2013 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Herr Illi, lesen Sie die Beiträge hier

    und überlegen Sie sich, was bewegt die Menschen so über Sie zu schreiben? Vielleicht war Ihre Vergangenheit etwas unvorteilhaft. Es ist an der Zeit, lieber Herr Illi, sich etwas an die Umgebung anzupassen oder sich nach einer passenden Umgebung umzuschauen.

  • zeta am 27.12.2013 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    beschämend

    schlimm das ein schweizer so eine Organisation anführt!!

  • Ben Sadr am 27.12.2013 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Illi, Auswandern

    Richtig gehandelt von Kanada. Die Schweiz verharmlost alles und hat auch keinen Mut zum Handeln. Bei solchen konvertierten Extremisten sind wir blauäugig. Soll doch Herr Illi so schnell wie möglich in ein im vertrautes Umfeld auswandern. Seine Frau dazu! Leider machen sie es nicht.

    • mark rey am 28.12.2013 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      Lachhafte demokratie

      Die sind ja schweizer, und die wollen in Ihre heimatland bleiben, tztztzt lachhafte Demokratie

    • Antoni S am 28.12.2013 14:12 Report Diesen Beitrag melden

      @ mark rey

      Auswandern in ein vertrautes Umfeld (von Extremen) findet sich im Ausland genügend!!! Vielleicht würden sie ja dort ihr "Heimatland" finden? Ist aber auch möglich, dass diese Leute auch dort unerwünscht sind!

    einklappen einklappen
  • Break am 27.12.2013 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen

    Es sind so viele Menschen und Kulturen in diesem Land willkommen, ich denke man kann im Namen der Mehrheit sagen, dass die meisten Mitglieder des IZRS nicht dazugehören. Es wäre für uns also wünschenswert, wenn ihr einfach geht und eure Propaganda wo anderst verbreitet.