Puff auf Autobahnen

14. Juni 2017 05:52; Akt: 14.06.2017 05:52 Print

«Den Verkehrs-Kollaps haben wir heute schon»

von Stefan Ehrbar - Im Kampf gegen die Verkehrsüberlastung empfiehlt Experte Timo Ohnmacht einen Ausbaustopp – und dass Firmen Leute aus der Nähe einstellen.

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Herr Ohnmacht, der Verkehr auf den Autobahnen hat letztes Jahr zugenommen und die Zahl der Staustunden steigt. Wann ist das System ausgereizt?
Das Problem ist, dass auch die Belastung auf den Zubringerstrassen zunimmt. Überall, wo verkehrsintensive Einrichtungen wie Shopping-Center entstehen, wird die Zufahrt zur Autobahn erschwert. Diese Einrichtungen führen dazu, dass noch mehr Autos unterwegs sind und man nur noch schleppend vorankommt.

An neuralgischen Stellen wie vor dem Gubrist-Tunnel stockt der Verkehr schon heute mehr als neun Stunden pro Tag. Wann kollabiert der Verkehr auf den Autobahnen?
Den Kollaps haben wir heute schon – etwa auf der erwähnten Zürcher Nordumfahrung. Mit Ausbauten kann man Abhilfe schaffen. Die Autobahn durchs Knonauer Amt hat das gezeigt. Das erzeugt aber neue Bedürfnisse und erhöht die Nachfrage. Das System schaukelt sich hoch. Das ist seit den 60er-Jahren der Fall. Ich empfehle, keine Ausbauten mehr zu tätigen. Dann überlegen sich die Menschen, ob sie ihre Fahrten auf Nebenzeiten verlagern oder auf den ÖV umsteigen.

Umfrage
Würden Sie gerne näher bei der Arbeit wohnen?
36 %
42 %
10 %
12 %
Insgesamt 1862 Teilnehmer

Die Schweizer Bevölkerung wächst seit Jahren. Mehr Verkehr scheint unausweichlich.
Natürlich macht es einen Unterschied, ob 8,4 Millionen Menschen unterwegs sind oder 11 Millionen. Zudem nehmen auch die Distanzen zu, die zurückgelegt werden.

Und trotzdem würden Sie auf Ausbauten verzichten?
Es braucht Alternativen. Die Leute sollen wohnen, wo sie arbeiten. Dieser Lebensstil muss von der Politik unterstützt werden. In Nebenzeiten haben Strassen zudem genug Kapazitäten. Deshalb braucht es vermehrt Heimarbeit. Meetings kann man über Skype abhalten. Und Hochschulen können mit einem späteren Vorlesungsbeginn Studenten aus überfüllten Zügen halten.

Der Lebensstil der kurzen Wege tönt toll. Aber die Wirtschaft verlangt nach mobilen Arbeitskräften. Und viele finden in Städten keine Wohnung.
Deshalb muss die Politik für bezahlbaren Wohnraum sorgen. Wohnen, Arbeit, Freizeit und Einkauf sollten im nahen Umfeld verfügbar sein. Die Wirtschaft steht auch in der Pflicht. Firmen sollten bei gleicher Qualifikation Leute anstellen, die näher beim Arbeitsplatz wohnen.

Ist Autofahren zu billig?
Autofahren ist in den letzten 50 Jahren immer billiger geworden. Vor dem Hintergrund der negativen externen Effekte wie Lärm, Flächenverbrauch in Städten und Luftverschmutzung ist Autofahren tatsächlich zu günstig.

Die Schweiz hätte einen gut ausgebauten öffentlichen Verkehr. Dessen Marktanteil stagniert aber seit Jahren. Wieso?
Er stagniert auf hohem Niveau – auch weil Velos in Städten immer beliebter werden.

Die Preise sind in den letzten Jahren stark gestiegen.
Ein GA für die zweite Klasse kostet 3800 Franken. Dafür können Sie in allen Städten die Verkehrsbetriebe nutzen. Damit ist das GA noch viel zu günstig. Man sollte das Pendeln zwischen den Städten nicht auch noch fördern.

Werden selbstfahrende Autos die Probleme bald lösen?
Die Diskussion ist zu technikoptimistisch. Das elektrifizierte, selbstfahrende Auto ist Zukunftsmusik. Hochautomatisiertes Fahren kann aber mit Abstands-Haltesystemen helfen, die Kapazitäten auf den Strassen besser zu nutzen.

Wie sind Sie selbst unterwegs?
Ich habe das Glück, in Luzern zu wohnen und zu arbeiten. Hier bin ich mit dem Velo unterwegs. In der Schweiz nutze ich den ÖV. Wenn ich zu meinen Eltern in den Schwarzwald fahre, nehme ich den Skoda Roomster, den ich mit meinem Schwiegervater besitze. Da hat auch meine Familie Platz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Evan C. am 14.06.2017 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Personen benötigen Mehr Platz

    Mehr Personen benötigen mehr Platz. Dafür muss nicht Jahrelang Studiert werden. In vielen Familien Arbeiten mittlerweile beide, weil ein Einkommen oft nicht mehr reicht. Dann ist es noch so, das Wohnraum In der nähe des Arbeitsplatzes einfach nicht bezahlbar ist... aber eben mehr Personen benötigen mehr Platz. Die Politik kann davor die Augen verschliessen, bis Sie überrannt wird oder die Wirtschaft sucht sich ein Standort mit einer intakten Infrastruktur ausserhalb der Schweiz.

  • Point Man am 14.06.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Begrenzt

    Auch der ÖV hat begrenzte Kapazitäten. Irgendwann werden es Leute wie dieser Ohnmacht auch merken.

  • Schlitzöhrli am 14.06.2017 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschlafene Politik

    Das ganze Kaos hat uns die Politik von Ex Bundesrat Leuenberger eingebrockt! Mit seiner Politik förderte er vor allem die Bahnen welche heute ebenfalls teilweise an ihre Kapazitätsgrenze gelangen. Baut endlich die Autobahnen aus!!! Das Geld ist durch die Abgaben der Benzinpreise vorhanden. Hört mit der Zweckentfremdung der Gelder auf!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Baumann am 14.06.2017 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ich schon seit 1974 sage

    Interessanterweise wird immer wieder von Staus, Energiesparen und Unfällen gesprochen, ohne diese Probleme auch nur ansatzweise ernsthaft und pragmatisch angehen zu wollen, zumal halt immer wieder auch die Emotionen eine wichtige Rolle zur Diskussionsvermeidung zu spielen scheinen. Würde man beispielsweise endlich die Tempolimiten homogenisieren (z. B. Tempo 100, aber für alle), hätte dies folgende Vorteile: Ruhigerer Verkehrsfluss, weniger Staus (deswegen werden ja Tempi bei Staugefahr herabgesetzt), weniger Emotionen, weniger Treibstoffverbrauch, weniger und weniger schwere Unfälle, usw.

  • Karl Karli am 14.06.2017 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich sage es seit Jahren

    Seit Jahren predige ich das gleiche. Die Firmen müssen dezentralisiert werden. Es kann doch nicht sein, das die meisten Firmen am gleichen Ort sind. Ist ja klar das es so ist! Zudem sind die Mieten einfach zu hoch in der Stadt Zürich. Nicht jeder kann sich eine teure Wohnung in Zürich leisten. Und somit wird dann hät gependelt was das Zeugs hält. Dann kommt noch dazu, das die Firmen sich nicht an die Infrastruktur finanziell beteiligen.

  • Demokrat am 14.06.2017 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    steuer

    stau auf Autobahn bringt dem Bund viele Einnahmen... das umsonst verbranntes Benzin.

  • Falena am 14.06.2017 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stadt/Land

    Die Züge und die Strassen sind überfüllt und wer in Zürich arbeitet, will nicht umbedingt noch in der Stadt wohnen.

  • A.wegmann am 14.06.2017 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Stau

    Nur noch fahrzeuge auf den strassen die Bezahlt sind. Dan ist der Vehrkeher um 60%. Reduziert so ein Fach