Littering

23. April 2018 05:45; Akt: 25.05.2018 11:48 Print

«Der Abfall wird ja eh weggeräumt»

von Stefan Ehrbar - Nach dem ersten warmen Wochenende türmen sich die Abfallberge auf den Wiesen. Der Abfall hat fatale Folgen, warnen Experten.

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Die Sommertemperaturen locken ins Freie. Zurück bleiben Abfallberge. «In Basel hat der Sommer begonnen», schreibt ein Twitter-Nutzer zum Foto des vermüllten Rheinufers. Ein ähnliches Bild zeigte sich auf der Zürcher Chinawiese, wie der Journalist Peter Hossli festhielt.

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Wie sollte mit Littering umgegangen werden?

Bilder eines Leser-Reporters zeigen die idyllische Emme – eingerahmt von Plastik. «Ich werde nie verstehen, weshalb Leute jene Orte zumüllen, an denen sie sich gerne aufhalten», schreibt ein Nutzer auf Facebook.

Abfall bleibt jahrhundertelang

Ruedi Bösiger, verantwortlich für den Bereich Gewässer beim WWF, sagt: «Am frühen Morgen liegen zum Teil Berge von Abfall am See.» Ein grosses Problem sei Plastik, der in die Gewässer gelange. Rund 80 Prozent des Plastiks im Meer gelange über die Flüsse dahin – und bleibe dort Jahrzehnte, wenn nicht jahrhundertelang.

Giftstoffe können so in die in der Umwelt, in die Nahrungskette und auf unsere Teller gelangen, sagt Bösiger. «Die Menge an Konsumgütern ist ein grosses Problem.» Man müsse sich häufiger fragen, was notwendig sei. «Brauchen wir Plastikverpackungen, die nur einmal genutzt werden, oder können wir darauf verzichten?»

Innert Stunden 34 Abfallsäcke

Die Schäden, die an der Umwelt entstünden, verursachten grosse Kosten – auch für nächste Generationen. Der WWF hat deshalb die App «Marine Litterwatch» angepasst und mit Freiwilligen die Studie «Swiss Litter Report» lanciert. «Wir müssen dafür sorgen dass Abfälle nicht in die Umwelt gelangen. Das fängt bei der Produktion an und hört beim Wegwerfkonsum auf. Das Problem Littering muss auf vielen Ebenen angegangen werden», so Bösiger.

Einer, der sich dem Kampf gegen Littering verschrieben hat, ist Roman Peter, Geschäftsführer der Non-Profit-Organisation «Trash Hero World». Die Organisation stellt in der Schweiz mittlerweile fast wöchentlich Aktionen auf die Beine. Bei einem «Clean-Up» in Bern diesen Samstag haben sechs Leute innert weniger Stunden 34 Abfallsäcke gefüllt.

«Abfall wird eh weggeräumt»

«In der Schweiz gibt es einen gut funktionierenden öffentlichen Dienst. Die Angestellten sind schon früh am Morgen fleissig. Bevor es vielen auffällt, sind die meisten Abfälle weg», sagt Peter. «Die Entsorgungsdienste werden als eine Art Heinzelmännchen angesehen, die den Abfall eh wegräumen.»

Ihr Ziel sei es, die Leute für die grossen Abfallmengen zu sensibilisieren. Es hätten sich auch Leute gemeldet, die nun etwa immer einen Abfallsack zum Wandern mitführen. «Wichtig ist, dass man sich klar wird, dass es etwa die Plastiksäckli beim Einkaufen und viele Plastikflaschen nicht braucht», so Peter.

Städte waren nicht vorbereitet

Nora Steimer, die Geschäftsführerin der Stiftung Saubere Umwelt (IGSU), sagt, in der Wahrnehmung der Leute sei die Verschmutzung stabil. Das zeige ihre Littering-Umfrage. Rückmeldungen aus den grossen Städten bestätigten den Befund. Am Wochenende sei es überraschend schnell warm geworden, weshalb viele Städte vielleicht noch nicht vorbereitet gewesen seien und etwa Container gefehlt hätten.

Es brauche weiterhin grosse Anstrengungen, sagt Steimer. Alleine dadurch, dass heute mehr Menschen in der Schweiz leben, nehme die Abfallmenge zu. Ihre Stiftung betreibe viel Präventionsarbeit etwa an Schulen. «Abfall wegzuwerfen, sei es aus Faulheit oder wegen Stress, ist eine Unart, über die wir jede Generation neu aufklären müssen», sagt Steimer.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • KO am 23.04.2018 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Littering

    Einfach unverständlich. Habe schon Leute gesehen die den Abfall 3m neben einem leeren Mülleimer auf den Boden warfen. Liebe Behörden...littering mit 1000.- bestrafen und ein paar Zivis drauf ansetzen, das gäbe zusazzeinnahmen..

    einklappen einklappen
  • juka am 23.04.2018 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt heute der Anstand?

    Anscheinend haben viele Leute keine Erziehung genossen. Es scheint nur noch eine verwöhnte egoistische Gesellschaft, die sich alles erlaubt. Eine extrem hohe Busse scheint der einzige Weg zur Erziehung.

    einklappen einklappen
  • V. Orschlag am 23.04.2018 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strafen

    Statt Geldbussen = Sozialstunden. Der Litterer muss ein auffälliges Shirt tragen und einige Stunden Müll zusammen lesen. Ich vermute, dass würde abschreckend wirken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 23.04.2018 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Strafe passiert nichts...

    1. 500 CHF Busse. 2. an zehn Wochenende Abfalldienst. 3. Mehr Container aufstellen mit unerwarteten Kontrollen. Wenn der Mensch schlecht erzogen ist, dann muss man ihn auf drastischer Art zur Vernunft bringen!

  • Mätte33 am 23.04.2018 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ordnung

    War erst gerade am Wochenende mit Freunden an einer bekannten Stelle grillieren. Da es dort aber bloss EINEN kleine Abfalleimer hat, war dieser bereits überfüllt. Und alle anderen in der Umgebung auch. Wir haben unseren Abfall dann alles in einen leeren Bierkarton gesteckt und diesen neben dem Mülleimer hingestellt. Was mich stört sind Leute, welche nicht mal das hinbringen sonder den ganzen Platz zugemüllt zurücklassen.

  • Anonymus am 23.04.2018 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Anstelle von Bussen

    Am Besten, anstelle von Bussen eine Woche lang Abfall wegräumen was liegen bleibt. So wird das Bewusstsein für den Müll verändert!

  • Tacheles am 23.04.2018 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Den Leuten Abfall ins Bett schmeissen

    "Der Abfall wird dann eh weggeräumt"

  • Django am 23.04.2018 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe und Respekt

    Das ist das Ergebnis: Wenn mein sein Land oder das Land in dem mann sich aufhaltet nicht liebt und schätzt!