Unbeliebte Zuwanderer

23. April 2016 21:16; Akt: 23.04.2016 22:49 Print

«Deutsche und Franzosen gelten als gefühlskalt»

Warum ecken Deutsche in der Deutschschweiz und Franzosen in der Romandie an? Professorin Franciska Krings hat Antworten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Frau Krings, stimmt es, dass Franzosen in der Westschweiz ähnlich ungeliebt sind wie Deutsche in der Deutschschweiz?
Ja, die Wahrnehmung ist tatsächlich eine sehr ähnliche. Wir haben eine Untersuchung in der Deutsch- und Westschweiz gemacht und die Leute gefragt, wie sie die Ausländergruppen wahrnehmen. Dabei hat sich gezeigt, dass Deutsche in der Deutschschweiz als kompetent, aber auch arrogant und gefühlskalt gelten. Genau gleich nimmt der Romand den Franzosen wahr. Vielleicht ist es mit dem Tessin und Italien ähnlich, hier fehlen uns aber noch die Daten.

Haben Sie eine Erklärung für diese Abneigung, die Schweizer gegenüber Zuwanderern aus den Nachbarstaaten hegen?
Die Zuwanderer sind oftmals hochqualifiziert und haben keine Sprachbarrieren zu überwinden. Auf dem Arbeitsmarkt sind sie somit die grösste Konkurrenz. Da man ihnen die Kompetenz nicht absprechen kann, versucht man, ihnen menschliche Defizite wie Gefühlskälte anzuhängen. Das ist in der Psychologie ein vielfach beschriebenes Phänomen. Generell gilt: je ähnlicher die soziale Gruppe, desto grösser das Bedürfnis nach Abgrenzung.

Welche Rolle spielt die verstärkte Zuwanderung aus der EU, die in der Schweiz ein grosses Thema ist?
Die verstärkte Zuwanderung aus Frankreich und Deutschland in den letzten Jahren hat das Gefühl der Bedrohung noch verstärkt. Wenn die Leute in Lausanne oder Zürich ins Spital gehen, und nur französische oder deutsche Ärzte antreffen, verunsichert sie das.

Leiden die Zuwanderer unter diesem kühlen Klima?
Ja. Zumindest konnten wir zeigen, dass diese Einwanderergruppen öfter Opfer von kleinen Gehässigkeiten am Arbeitsplatz werden. Das kann bedeuten, dass man ihnen relevante Infos vorenthält, sie mit einem herablassenden Ton behandelt oder nicht zum Mittagessen mitnimmt. Kurzum: Sie werden ausgeschlossen oder allgemein unprofessionell behandelt.

Viele Deutsche kehren inzwischen heim. Laut Beobachtern wegen der guten Wirtschaftslage im Nachbarland. Welche Rolle spielt die Deutschenfeindlichkeit?
Wir können nur sagen, dass die Fluktuation von Deutschen und auch Franzosen am Arbeitsplatz grösser ist. Ob dies mit dem Bild, das man diesen Einwanderern zuschreibt, zusammenhängt, kann ich nicht sagen. So oder so ist die Situation paradox: Jene Personen, die wegen der kulturellen Nähe und ihrer Sprachkompetenz das perfekte Potenzial hätten, sich schnell zu integrieren, haben in der Schweiz einen unheimlich schweren Stand.

(daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jack Bauer am 22.04.2016 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein CH Problem!

    Fragt mal einen Amerikaner wie es so mit Mexikanern ist, oder einen Griechen ob er Kosovaren mag... Jedes Land hat Stolz und Vorurteile.

    einklappen einklappen
  • Rodjo am 22.04.2016 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmmmm.....,

    und im tessin sind es die italienner... normal oder? in basel die zürcher usw.

    einklappen einklappen
  • S.S. am 22.04.2016 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Und ich dachte

    Und ich dachte, die Welschen sind arbeitsscheu und ständig am Apero, das ist tatsächlich steigerungsfähig ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Elena Tirana am 23.04.2016 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    welcome

    solange alle arbeiten und keine sozial oder rav beziehen ist alles okey.

    • Loreley am 23.04.2016 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Elena Tirana

      Dann sollen sie aber auch hier leben und hier das verdiente Geld ausgeben und keine Rappenspalterei betreiben!

    einklappen einklappen
  • dado16 am 23.04.2016 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hass = noch mehr Hass zurück

    Ich hoffe für die Schweizer das euch der Wohlstand hier für immer und ewig erhalten bleibt. Solltet ihr irgendwann mal die Schweiz aus Wirtschaftlichen gründen verlassen müssen und in eins der EU Länder gehen müssen, werdet ihr all den Spott und Hass den Ausländern gegenüber zurückbekommen.

  • Karlsson am 23.04.2016 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Entwicklung

    Das ist mit Sicherheit ein Problem, sind wir doch alle nur Menschen und sollten etwas Nächstenliebe zeigen. Aber das ist kein Alleiniges Problem der Schweizer sondern kommt in jedem Land vor. Hinzugezogene werden, so lange es nur wenige sind, gerne gesehen. Wenn sie dann aber häufig anzutreffen sund, werden sie zur Plage und man will sie nicht mehr. Sie können einem den Arbeitsplatz wegnehmen. Dann muss man sich halt weiterbilden und sich so besser positionieren.

  • Hello! am 22.04.2016 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Le français suisse

    Und ob man Franzosen an der Sprache merkt! Der Akzent so wie einige Wörter sind anders. Deutschschweizer die in der Schule französisch lernen verstehen meistens Franzosen besser als Romands, so wie Romands Deutsche besser verstehen als Deutschschweizer.

    • 5F am 23.04.2016 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hello!

      Sie haben eine gut ausgeprägte Fantasie. Romands verstehen Deutsche besser als wir Deutschschweizer? Glauben Sie ja selber nicht wirklich oder?

    • Sly Fox am 23.04.2016 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @5F

      naaaaaaain, romands verstehen das hochdeutsch besser als das schweizerdeutsche *facepalm*

    einklappen einklappen
  • MKA1919 am 22.04.2016 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle werden überbezahlt

    Das ist nicht mehr normal. Retten diese Menschen Leben dass sie soviel verdienen und so wertvoll werden? Jeden Tag etwas machen wo man Spass hat und dann noch soviel Geld dafür erhalten, so ein Leben wünsche ich mir auch. Kein einziger Fussballer oder Sportler sollte soviel verdienen! Wärend wir normale Bürger 8 h am Tag arbeiten und knapp leben haben diese Menschen 20 Autos 5 Villas etc.