Miese Auto-Masche

06. Oktober 2016 18:26; Akt: 06.10.2016 18:26 Print

«Die Alarmglocken hätten läuten müssen»

Der sogenannte Toyota-Betrüger hat zahlreiche Leser ausgenommen. Rechtsanwalt Diego Gfeller verweist auf die Opfermitverantwortung.

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Herr Gfeller, der sogenannte «Toyota-Betrüger» hat zahlreiche 20-Minuten-Leser in der ganzen Schweiz um ihr Geld gebracht. Was kann man als Opfer rechtlich gegen ihn tun? Lohnt sich eine Anzeige?
In der Schweiz sind die Hürden, um einen Betrüger zu verurteilen, höher als in anderen Ländern. Im Gegensatz zu Deutschland beispielsweise braucht es in der Schweiz den Aspekt der Arglist. Arglist liegt beispielsweise vor, wenn der Täter ein komplexes Lügengebäude aufstellt, also eine Vielzahl von aufeinander abgestimmten Lügen. Auch die Verwendung von gefälschten Urkunden kann ein Indiz für die Arglist sein.

Bei unserem deutschen Nachbarn reicht eine reine Täuschung, um jemanden zu belangen. Ob ein solcher Fall nun vor Gericht Chancen hätte, ist schwierig zu sagen. Die Frage, die man sich stellen muss, ist: War die Geschichte, die der Mann erzählt hat, genügend arglistig, dass jedermann getäuscht werden könnte? Gab es keine Möglichkeit, den Betrug zu erkennen?

Wie beurteilen Sie dies in diesem Fall?
Es liegen hier zwei Arten von Täuschung vor. Erstens gibt der Mann vor, für einen gewissen Automobilhersteller zu arbeiten, was nicht der Wahrheit entspricht. Hier stellt sich die Frage: Inwiefern sollte man einem Angestellten eines Automobilherstellers eher Geld leihen als einer anderen Person? Nur weil jemand bei Toyota arbeitet, heisst das nicht, dass er besonders vertrauenswürdig ist. Zweitens gibt der Mann vor, das Geld zurückzahlen zu wollen. Zentral für mich ist eher diese zweite Täuschung, da diese für die Opfer nicht ersichtlich war. Man sieht einem Menschen ja nicht an, ob er Geld zurückzahlen wird.

Was spricht in dem Fall für eine arglistige Täuschung?
Die falsche Visitenkarte sowie die falschen Kleider weisen auf eine arglistige Vorgehensweise des Mannes hin. Auch der wohl gefälschte Führerausweis ist ein Indiz für ein arglistiges Vorgehen.

Was nicht?
Die E-Mail-Adresse, welche auf outlook.ch lautet und nicht den gängigen Business-Vorgaben der Automobilhersteller entspricht, ist sehr auffällig. Hier hätten die Alarmglocken läuten müssen. Man spricht dabei von der sogenannten Opfermitverantwortung.

Was bedeutet das konkret?
Wer das Mindestmass an Aufmerksamkeit vernachlässigt, wer also geradezu leichtfertig handelt, wird vom Gesetz nicht geschützt. Genau das könnte im vorliegenden Fall zum Problem für die Geschädigten werden. Sie haben einem ihnen völlig unbekannten Mann ohne weitere Vorsichtsmassnahmen Geld geliehen.

Ein Opfer erzählt, wie es vom Betrüger abgezockt worden ist.


(kün)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • peter am 06.10.2016 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst schuld

    Selber schuld. Man gibt auch nicht hunderte Franken einem fremden. 20.- würde man noch vertreten können. Solche "Opfer" tun mir nicht leid.

    einklappen einklappen
  • Derungs am 06.10.2016 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gits ja nit!

    Der Typ stiehlt den Leuten Geld und die Diskutieren ob das eine Straftat ist. Wenn der durchkommt mit sowas ist das nicht mehr mein Land, das ist schon mal klar!

    einklappen einklappen
  • Waterpolo1s am 06.10.2016 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    in der heutigen Zeit ?!

    Dass Menschen in der heutigen Zeit - mit xxx Warnungen - noch darauf reinfallen .....?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfred A. am 07.10.2016 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ich fahre Sie zur Toyota Vertretung,

    dort wird Ihnen mit Sicherheit geholfen. ;-)

  • wjp1 am 07.10.2016 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragische Gesetzgebung

    Kaum zu glauben diese Gesetzgebung in der Schweiz . Aber so lange sich die ganze Justiz auf den Autofahrer einschiesst , ist die Schweiz ja ein Paradies für solche Betrüger !

  • HOTEL am 07.10.2016 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VW Vertreter

    Bei uns war er als Hotelgast eingecheckt und wollte die Rechnung am Morgen begleichen! Doch leider kam er nie zum Zahlen... Diebstahl und Zechprellerei

  • Blattherz am 07.10.2016 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mich wundert nichts mehr

    Ja da muss man nicht klagen die eigenen Leute fallen dir in den Rücken. Mich wundert nichts mehr.

  • Mr. Meinungsfreiheit am 07.10.2016 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    In der Schweiz muss man für Gerechtigkeit selbst schauen (Selbstjustiz). Obwohl meiner meinung nach wir gute Polizisten haben, jedoch Gesetzte und Richter denn Sinn verloren haben. Am meisten Leid tun mir die Polizisten die ihren Dienst meistens Sinnlos nachgehen.