Alk-Verbot und Zug-Zwang

20. November 2012 16:28; Akt: 21.11.2012 06:19 Print

«Die Fans haben es in den eigenen Händen»

von Janko Skorup - Roger Schneeberger, Generalsekretär der KKJPD, bekräftigt im Interview die Empfehlungen zur neuen Fussball- und Eishockeysaison. Bei Risikospielen wird kein Alkohol mehr an die Fans ausgeschenkt.

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Herr Schneeberger, die KKJPD empfiehlt strenge Vorlagen für Hochrisiko-Spiele im Fussball und Eishockey. Wer stuft die Spiele ein?
Die kantonalen Behörden, das heisst meistens die Polizei, entscheidet von Spiel zu Spiel, in welche Kategorie – grün, gelb oder rot – dieses fällt. Momentan wäre zum Beispiel Basel gegen Zürich ein klares Hochrisiko-Spiel.

Bei roten Spielen müssen Gästefans in Extrazügen anreisen. Muss jetzt ein HC Davos-Fan, der in Bern wohnt, einen Riesen-Umweg auf sich nehmen?

Nein. Bei entsprechender Nachfrage werden auch Zusteigemöglichkeiten kurz vor dem Stadion angeboten. Ausserdem können Fans auch individuell anreisen – wenn sie einen Platz ausserhalb des Gästesektors kaufen.

Weshalb diese komplizierten Auflagen?

Wenn die Gästefans direkt vor den Gästesektor des Stadions geführt werden können, fällt die Beeinträchtigung von normalen Bahnreisenden und Verkehrsteilnehmern weg. Zudem wird verhindert, dass sich rivalisierende Fangruppen vor dem Spiel treffen können. Wir beugen so gewalttätigen Ausschreitungen vor und können den Personalaufwand der Polizei reduzieren.

Im Stadion wird auch der Alkoholausschank bei Hochrisiko-Spielen verboten. Die Fans werden sich wohl vor dem Spiel betrinken.

Das Alkoholverbot gilt auch in der Umgebung des Stadions. Ausserdem haben die Sicherheitsdienste die Anweisung, stark betrunkenen Personen nicht reinzulassen. Fans die trotzdem reinkommen, werden wegen des fehlenden Alk-Nachschubs zum Glück eher müde als aggressiv.

Wird dann die Gewalt nicht vor das Stadion verlagert?

Dort wird die Polizei die privaten Sicherheitsdienste mit erhöhter Präsenz unterstützen. Ich denke, das wird sich einspielen.

VIPs sind vom Verbot ausgenommen. Weshalb das?

Es gibt Stadien, die machen zwei Drittel ihres Umsatzes mit den VIPs. Ausserdem gab es in VIP-Sektoren noch nie Randale.

Viele Fans und auch Fan-Organisationen reagieren empört auf die Empfehlungen. Sie fühlen sich massiv eingeschränkt und befinden die Massnahmen eines liberalen Staats nicht würdig. Wie wollen sie diese besänftigen?

Die Freiheit der Fans hat ihre Grenzen dort, wo die Freiheiten normaler Reisenden und der übrigen Matschbesucher eingeschränkt werden. Zudem werden nur bei etwa zehn Prozent aller Spiele Alkoholverbote oder das Kombiticket gelten. Die Fans haben es in der Hand, selbst diese zehn Prozent zu vermeiden, in dem sie sich nicht an Ausschreitungen beteiligen. Dann werden ihre Spiele als grün eingestuft und sie reisen an, wie sie wollen und können Alkohol trinken, wo sie wollen.

Im Kanton Zürich scheint es dennoch zu einem Referendum zu kommen. Wie blicken Sie einer allfälligen Abstimmung entgegen?

Tatsächlich sieht es so aus, dass in Zürich bis im Juli darüber abgestimmt wird. Der grösste Teil des Volkes will aber friedliche Spiele und ist mit den Empfehlungen mehr als einverstanden. Das haben die bisherigen Abstimmungen deutlich gezeigt.

Was, wenn es doch angenommen wird?

Dann gilt im Kanton Zürich die bisherige Fassung des Konkordats.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pittley am 20.11.2012 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung? Nein

    Da geht man halt schon sturzbetrunken ins Stadion. Wie genau wollen die Sicherheitskräfte denn auf eigene Faust anreisende Fans auseinander halten. Etwa im HB nach anreisenden Schaltragenden Fans ausschau halten? Ins Stadion rein kommt man auch wenn man ein Ticket im Heimsektor des Clubs online kauft. Da trifft dann der Heimfan auf diejenigen welche das Ticket im VV kaufen.

  • M. O. am 20.11.2012 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja....

    Angenomen, will ein weekend im Tessin verbringen, in verbindung mit lugano-scb am freitag abend. Dann muss ich mit Fancar oder zug anreisen??? Und wenn schon mit dem Car anreisen, dann müsste ich nicht mehr fahren und würde erst recht gerne ein paar Biere trinken ! Beim Alkohol während dem Match möchte ich nicht wissen, wie viel vorher konsumiert wird und die leeren Flaschen werden bestimmt nicht im Müll entsorgt, sondern ligen womöglich kaputt auf der Strasse rum, oder kommen im hohen bogen fliegend daher !?

  • fcz fan am 20.11.2012 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FCZ vs GC

    Ich frag mich wie die GC-Fans bei einem Spiel gegen die Nr 1 von Zürich mit dem Zug anreisen sollen oder umgekehrt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • c. marti am 23.11.2012 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die Fans bestimmen selbst

    Wenn sich die Fans anständig verhalten, auf Pyros und Schlägereien verzichten, dann erledigt sich das Problem von selbst, weil dann alle Spiele "grün" sind. Das wären dann richtig paradiesische Zeiten für alle echten Fussball-Liebhaber.

  • housi rauch am 22.11.2012 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Kollektivstrafen

    Kollektivstrafen sind verboten!!!!

  • Schweinerei am 22.11.2012 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Zweiklassengesellschaft

    Und das beste am Alkoholverbot ist, dass die VIP Zone weiterhin ihre cüpplis ausschenken darf!

  • Cyril Arnould am 21.11.2012 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Als EHCB-Fan, der bei Rapperswil in der Nähe wohnt, finde ich die Kombi-Tickets absoluten Schwachsinn. Zumal mein GA im Fancar sicher nicht gültig sein wird. Vom Alkoholverbot ganz zu Schweigen. Die ganze Aktion schürt doch nur den Polizeihass.

  • R. Schaffer am 21.11.2012 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das einzige

    Sind wir ehrlich, das einzige, was auf lange Sicht was bringen würde, ist ein Spielabbruch bei Pyros oder Gewalt. Das Spiel wird nicht wiederholt und beide Mannschaften erhalten keine Punkte. Wenn die Randale erst nach dem Spiel stattfinden gibts eine Anulation des Spiels, ebenfalls keine Punkte und auch keine Wiederholung. Mehr brauchts nicht.