Revision von Waffengesetz

12. April 2018 19:21; Akt: 13.04.2018 12:28 Print

Waffenlobby schockiert mit Suizid-Argument

von Silvana Schreier - Der Kampf um die Übernahme der EU-Waffenrichtlinie wird mit harten Bandagen geführt: Selbst das Thema Suizid ist für Pro Tell nicht tabu.

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«Suizid ist kein Delikt, sondern ein Menschenrecht.» Diese Aussage macht die Aktion «Finger weg vom Schweizer Waffenrecht» in ihrem Argumentarium, das sich gegen die Revision des Waffengesetzes richtet (siehe Box). Auch die Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht Pro Tell unterstützt die aufgelisteten Argumente, wie das Onlineportal «Vice» berichtet. Denn wer Waffengesetze mit dem Ziel der Suizidprävention verschärfe, behindere damit die Bürger in der Ausübung eines Menschenrechts. Weiter wird die Frage aufgeworfen: «Mit welchem Recht schreibt ein Mensch einem anderen die Wahl seines Selbsttötungsmittels vor?»

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Braucht es ein strengeres Waffengesetz?

Pro Tell teilte den Beitrag auf ihrer Website mit den Worten: «Pro Tell empfiehlt den Link wärmstens.» Jean-Luc Addor, SVP-Nationalrat und Präsident von Pro Tell, erklärt auf Anfrage, was es mit dem Argumentarium auf sich hat: «Suizid ist zweifellos kein Recht, aber eine Freiheit. Für die meisten Leute und auch für Pro Tell verursachen nicht die Waffen einen Suizid.» Vielmehr wolle die Gesellschaft das Leben schützen. Aber «ohne Eingriff in die Rechte der vielen nicht gefährlichen, nicht suizidalen und nicht verrückten Waffenbesitzer», so Addor.

«Wegen Krankheit ist Suizid der vermeintlich einzige Ausweg»

Jörg Weisshaupt, Experte für Suizidprävention, findet es unverständlich und «sehr aggressiv», dass Waffenlobbyisten gerade mit dem Thema Suizid für ihre Interessen weibelten. «Sie propagieren mit der Aussage ‹Suizid ist ein Menschenrecht› den Freitod. Dabei hat kaum eine Person die Freiheit zu entscheiden, ob sie Suizid begehen will», sagt Weisshaupt. Durch eine psychische oder physische Krankheit gebe es für sie vermeintlich keinen anderen Ausweg. «Ziel ist nicht, sich das Leben, sondern das Leiden zu nehmen.» Weisshaupt spricht sich deshalb für ein strengeres Waffengesetz aus: «Es ist erwiesen, dass jede Massnahme wie das Sichern von Brücken oder die Pflicht, Waffen einzuschliessen, zu weniger Suiziden führt.»

SP-Nationalrätin Chantal Galladé ist schockiert: «Dass Suizid ein Menschenrecht sein soll, ist eine ignorante und geradezu zynische Aussage.» Sie wolle zwar niemandem das Recht auf Suizid absprechen. Doch es gebe mittlerweile erfolgversprechende Möglichkeiten etwa zur Behandlung von Depressionen, sodass Suizide verhindert werden könnten.

«Das jetzige Waffengesetz reicht aus»

Vom verschärften Waffenrecht erhofft sich Galladé, dass dadurch die Verfügbarkeit von Schusswaffen reduziert wird: «Gerade bei Familienmorden, also erweiterten Suiziden, sind es oftmals unbescholtene Bürger, die in einer Kurzschlusshandlung zur Waffe greifen und sich selbst oder andere töten.» Darum sei es richtig, dass Waffenkäufer künftig nachweisen müssten, ob sie Mitglied in einem Schützenverein sind. So will es das revidierte Waffengesetz.

Ein verschärftes Waffenrecht findet Addor übertrieben: «Niemand hat bisher ein Verbot von Lastwagen gefordert. Auch wenn Terroristen diese dazu nutzen, um in Menschenmengen zu fahren.» Man müsse die Gesetze über Waffen verhältnismässig gestalten. Das jetzige Waffengesetz reiche aus.

Jean-Luc Addor von Pro Tell sagt, man werde sich weiterhin dafür engagieren, dass diese «überflüssige, wirkungslose Revision, die einen Eingriff in Recht und Freiheit der ehrlichen Bürger bedeutet», abgelehnt wird. Hätten sie mit ihren Argumenten keinen Erfolg, würde Pro Tell, gemeinsam mit anderen Organisationen, das Referendum lancieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Irre mit dem Smartphone am 12.04.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Entscheidung

    Wenn es der einzige Weg ist, das Leiden beenden zu können, so ist der Freitod oberstes Menschenrecht.

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  • Frizzu am 12.04.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oweia

    Digger, unser Waffengesetz ist doch gut wie's ist. :/

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  • Neo morpheus am 12.04.2018 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte welt

    SP-Nationalrätin Chantal Galladé ist schockiert: «Dass Suizid ein Menschenrecht sein soll, ist eine ignorante und geradezu zynische Aussage.» Ist ihr etwa ernsthaft nicht bewusst das diese aussage viel ignoranter und zynischer ist? Ignorant weil sie andere menschen bevormunden und über sie urteilen will. zynisch weil sie denkd mit einer verschärfung sei das "problem" gelöst. Kapiert endlich das nicht die möglichkeiten am suizid schuld ist sondern die gesellschaft. Verbote helfen niemandem.

Die neusten Leser-Kommentare

  • TsX0815 am 13.04.2018 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Töten Waffen Menschen?

    Die Antwort ist nein. Die Waffe selber kann niemanden töten. Es sind die Menschen welche töten. Die Aussage dass Suizid ein Menschenrecht ist, ist einbisschen ausgedrückt. Jedoch ist es jeder person selber überlassen ob sie ihr leben beenden wollen oder nicht. Auch die Verschärfung des Waffengesetztes finde ich Persönlich unsinnig, denn die meisten Gewaltverbrechen werden von Ilegalen Waffen verübt und nicht von registrierten waffen, desshalb verstehe ich nicht genau wieso man die schützen dafür bestrafen muss.

  • danach am 13.04.2018 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Was nach dem Tode Passiert

    Der Freitod vergrössert das Leiden (was darauf folgt) unnötigerweise und zieht es stark in die Länge.

  • Bürger am 13.04.2018 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Woist das Problem?

    Die Verschärfung bezieht sich auf die Registrierung von Waffen. Alle die schon im Schützenverein sind, können das weiterhin tun und ihre Waffe sowiso behalten, wo ist das Problem? Bin allerdings dafür, dass schon nur der Besitz von illegalen Waffen, z.B. Schmetterlingmesser, Schlagringe, jegliche Art von Schusswaffen etc. strengstens bestraft werden soll, d.H. mindestens 1 Jahr Haft. Läuft einer mit einer illegalen Waffe herum, ist das mit einem Raser vergleichbar, der die Gefährdung von Menschenleben in Kauf nimmt.

  • jjgu am 13.04.2018 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hvozf

    Was soll den das? Natürlich ist der Tod ein Menschenrecht. Genau so wie es das Leben ist. Ich bestimme ob ich leben oder sterben will. Allerdings weiss ich nicht was dieses Argument in einer Waffendebatte zu suchen hat.

  • Chris L. am 13.04.2018 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Waffe als Zug

    Mir ist es 100x lieber jemand schiesst sich in den Kopf, als vor einen Zug zu springen. Das Argument ist meiner Meinung nach berechtigt. Suizid ist ein Menschenrecht und mit einer Schusswaffe kann man ziemlich sicher sein, dass man damit Erfolg hat und fast niemanden damit traumatisiert.