Peter-Pan-Syndrom

14. April 2016 10:13; Akt: 14.04.2016 11:07 Print

«Die Welt braucht Männer statt Jungs»

von Nikolai Thelitz - Ein US-Autor kritisiert Männer, die sich mit 30 immer noch vor Verantwortung und Familiengründung drücken. Laut Experten sind viele Männer schlicht überfordert.

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Dale Partridge ist 31 Jahre alt und bereits Beststeller-Autor, Blogger, Start-up-Gründer, Vortragsredner, bekennender Christ sowie Familienvater und Ehemann. In einem Facebook-Post schreibt er sich seinen Frust über die gleichaltrigen Geschlechtsgenossen vom Leib: «Ich bin nicht sicher, wann Männer entschieden haben, dass 30 das neue 15 ist.»

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Die heutigen Männer spielten lieber Videospiele mit ihren Kumpels als mit der Freundin auszugehen, wollten sich nicht binden, keine Verantwortung übernehmen – und schon gar nicht wollten sie heiraten und sich um die Kinder kümmern. «Ich bin nicht sicher, wann unsere Männer zu Jungs geworden sind.» Männer seien so auf die eigenen Ziele fokussiert, dass sie am Ende reich und berühmt, aber allein seien. Der Post ging viral, wurde mehrere hunderttausend Male geteilt und gelikt.

Die «Peter-Pan-Generation»

Was Partridge kritisiert, ist in der Soziologie und Genderforschung ein fester Begriff: das Peter-Pan-Syndrom. Der amerikanische Familiensoziologe Dan Kinley beschreibt damit Männer, die Verantwortung vor sich herschieben, Fehler auf andere abwälzen und Regeln missachten. Diese Männer würden zwar oberflächliche Beziehungen eingehen, könnten aber nicht selbstlos lieben und seien unfähig zu tiefen emotionalen Bindungen zu anderen Menschen.

Besonders betroffen sind laut Soziologen die in den 80ern und 90ern geborenen «Millennials». Laut Soziologin Kathleen Shaputis sind die Millennials die «Peter-Pan-Generation», die nicht erwachsen werden will: Sie würden später als jede andere Generation aus dem Elternhaus ausziehen und auch andere traditionelle Rituale des Erwachsenwerdens wie Zusammenziehen mit dem Partner, Heirat und Familiengründung auf später verschieben. Schuld daran sind laut Fachkollegin Kimberly Palmer die hohen Wohn- und Ausbildungskosten, während die Elterngeneration relativ gesehen gut situiert sei.

«Das Modell unserer Eltern hat auch nicht funktioniert»

«Jugendliche Unbeschwertheit liegt im Trend» findet auch Markus Theunert, Präsident des Männerverbandes Männer.ch. Es bestehe die Tendenz zur späteren Familiengründung, Frauen würden später Mütter und die Zahl der Männer, die nach 50 noch Vater würden, habe stark zugenommen.

Dies liege allerdings nicht an den beziehungsunfähigen und -unwilligen Männern, sondern an den gestiegenen Ansprüchen der Gesellschaft. «Die Ausbildungszeit dauert heute länger, ausserdem wollen viele Männer und auch Frauen heute erst ihre Karriere vorantreiben, bevor sie eine Familie gründen.» Von der Rückkehr zum traditionellen Familienmodell hält Theunert jedoch nichts. «Dieses Modell hat unsere Eltern ja auch nicht glücklich gemacht, nicht umsonst haben wir eine Scheidungsrate um die 50 Prozent.»

«Die Männer sind überfordert»

Die Kritik von US-Autor Partridge zeige, wie schwierig heute die Rollenfindung für Männer sei. «Männer sollen heute einerseits ‹richtige Männer› wie in der Elterngeneration sein, andererseits das genaue Gegenteil. Also gleichzeitig der unabhängige Alleinversorger, andererseits der fürsorgliche Familienvater.» Diese widersprüchluchen Anforderungen seien für manche Männer eine Herausforderung, für andere die totale Überforderung, die zu antifeministischen Haltungen führen könne oder gar zu Suchtverhalten oder Suizid. «Diese Männer sehen sich als Emanzipationsverlierer.»

Männer-Forscher Frank Luck von der Universität Basel beobachtet, dass Männer oft zurückhaltend mit dem Thema Familie umgehen: «Männer übernehmen schon Verantwortung in der Familie, das wird dann aber nicht unbedingt herumerzählt.» Auch zeige die Forschung, dass Männer oft erst dann ihr Arbeitspensum für die Familie reduzieren, wenn es vom Arbeitgeber aktiv angeboten wird. «Die Männer haben Angst, dass Familienzeit beim Arbeitgeber signalisiert, dass der Wille zur Karriere fehlt.»

Drückt sich Ihr Partner auch vor jeder Verantwortung? Oder fühlen Sie sich als Mann überfordert? Dann melden Sie sich hier:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Doni am 14.04.2016 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt kein richtig oder falsch

    Schon mal daran gedacht, dass nicht jeder Mann eine Familie will?

    einklappen einklappen
  • Melanie am 14.04.2016 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Und?

    Meine Güte wir sind nicht mehr im Mittelalter, jeder soll so leben wie es für ihn richtig ist. Dieser Autor hat wohl persönliche Komplexe mit seinem Leben. Ist es besser wenn der Vater dann nach 10 Jahren merkt dass er das ganze doch nicht möchte und abhaut?

  • Hene am 14.04.2016 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Frau von Heute

    Jaja, liebe Frauen. Immer schön auf Gleichberechtigung pochen, wenn es dem eigenen Vorteil dient. Frauenparklätze müssen aber sein, in den Wehrdienst will man auch nicht und typische Frauenarbeit gibt es auch nicht. Frau von heute kann machen, was sie will. Bis es zum Radwechsel am eigenen Auto oder zu Reparaturen am Haus kommt kommt: Das ist dann nähmlich Männerarbeit. Das muss ein man selbstverständlich können. Und einfühlsam sein. Und witzig. Und gut aussehen. Achja, männlich sollte er auch sein. Mit Bart und so.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fazitli am 14.04.2016 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Fazit

    Wer Kinder will, soll sie haben. Wer keine Kinder will, soll keine haben. Wer sein ganzes Leben in Saus und Braus leben will, soll das machen. Wer sein ganzes Leben mit einer Familie leben will, soll auch das machen. Fazit. Jeder wie er mag und alle sind glücklich. Jetzt müssen wir nur noch lernen, andere für ihr selbstgewähltes Leben nicht zu gängeln. Und dann kommts gut.

  • Andy am 14.04.2016 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Vater mit Peter Pan Syndrom

    Als 31 Jahre alter Mann mit einem 10 Jahre alten Sohn aus einer geschiedenen Ehe muss ich sagen, dass ich Männer verstehen kann, die (noch) keine Familie wollen. Aber ich kann nicht verstehen, warum man dies Männer an den Pranger stellen muss? Meine Wohnung sieht aus wie das Jugendzimmer eines Teenagers, überall Actionfiguren, Lego Modelle und Videospiele. Zudem cosplaye ich und fühle mich nicht so alt, wie ich bin. das bedeutet aber nicht, dass ich keine Verantwortung für meinen Sohn übernehme oder ein schlechter Vater bin. Beides ist vereinbar. ;-)

  • John117 am 14.04.2016 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Alles egal

    Ich (27) habe weder das Geld noch die nerven für Kinder. Mit Videospielen bin ich nach wie vor vollkommen zufrieden. Das Problem sind eher Leute, die 3-4 Kinder haben Arbeitslos sind und Sozialhilfe beziehen.

  • Sing Le am 14.04.2016 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Single

    Alle Singles tragen dazu bei, dass die Kinder der Welt(über)bevölkerer einen Arbeitsplatz haben...

  • Russel Rassel am 14.04.2016 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wie die Eltern...?

    Ich denke, viele Junge haben eben mitgekriegt, wie es zu Hause - oder wie ich, bei den Verwandten - zu und her ging (wie die Eltern miteinander umgingen), und wollen das (noch) nicht wiederholen.