Werbung für Brust-OP

09. September 2016 11:11; Akt: 09.09.2016 11:11 Print

«Die perfekten Brüste als Konsumgut»

von Laly Zanchi - Schönheitschirurgen gehen offensiv auf Kundenjagd. Nun werden Forderungen nach einem Werbeverbot laut.

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Seit einem Monat lächelt eine junge Frau im schwarzem Kapuzenpulli von einem riesigen Plakat die Pendler im Zürcher Hauptbahnhof an. Ihre Botschaft: «Meine Dinger. Mein Ding.» Ein paar Schritte weiter noch ein Plakat, diesmal eine Frau mit Nasenpiercing. «Ich mache es für mich», lautet ihr Motto. 9800 Franken soll der neue Busen kosten. Auch auf Facebook wird geworben: So spricht die Lucerne Klinik explizit «Busenfreundinnen» an und bietet Rabatte für Brustvergrösserungen im Doppelpack. Wer sich ins Fernsehen traut, kann die erträumte Oberweite sogar gratis bekommen.

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Gratiseingriffe gehen zu weit

Hinter der Plakatwerbung steht die Schönheitsklinik Breast Ateliers. «Ziel dieser Kampagne ist nicht primär der Kundenfang», sagt Sprecherin Sandra Neeracher. Vielmehr gehe es darum, die Klinik als Marke bekannt zu machen und das Thema Schönheitsoperationen zu «enttabuisieren». «Das Bedürfnis nach ästhetischen Eingriffen ist da. Es wird nicht durch die Werbung kreiert.» Insgesamt habe das Breast Atelier allein in den letzten zwei Jahren über 700 Beratungen durchgeführt. Dabei würden Brustvergrösserungen meist von jüngere Frauen vorgenommen. Das Durchschnittsalter liege bei 24 Jahren, so die Sprecherin.

Die Werbeoffensive findet Neeracher unproblematisch: «Wenn Patientinnen mittels Spezialaktionen zum Eingriff überredet werden oder diesen sogar gratis angeboten bekommen, ist die Grenze aber definitiv überschritten.»

«Ein Konsumgut wie eine neue Uhr»

Urs Kiener von der Stiftung Pro Juventute kritisiert: «Solche Plakate vermitteln den Eindruck, dass die perfekten Brüste ein Konsumgut sind wie eine neue Uhr.» Der Druck, einen perfekten Körper zu haben, steige. Das Aussehen habe bei jungen Leuten einen immer grösseren Stellenwert. Kiener warnt vor Schnellschüssen: «Gerade junge Leute sollten sich zuerst gut mit der Frage auseinandersetzen, was ihnen die Operation bringt und ob sie andere Möglichkeiten haben, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken.» Junge Menschen würden sich solche Investitionen meist nicht gut genug überlegen. Wichtig sei, dass Jugendliche lernen, solche Angebote kritisch zu hinterfragen.

Insbesondere Werbung auf Facebook treffe die Jungen genau an der Quelle ihrer Unsicherheiten. «In den sozialen Medien ist der Druck, sich attraktiv darzustellen, enorm hoch. Dies führt dazu, dass dort ihr Selbstwertgefühl sehr angreifbar ist». Es sei problematisch, wenn ihnen dort die angebliche Lösung gleich auf dem Silbertablett präsentiert werde.

Werbung weckt geheime Wünsche

«Für Schönheits-OPs öffentlich Werbung zu machen, ist unverantwortlich», sagt Patientenschützerin Margrit Kessler. Der Wunsch, sich unters Messer zu legen, gehe oft auf Unsicherheiten und psychologische Probleme zurück. Wer da noch jeden Tag am Bahnhof an einem riesigen Werbeplakat vorbeilaufen müsse, werde immer wieder auf geheime Wünsche und Vorstellungen aufmerksam gemacht. Da würden oft unüberlegte Entscheidungen getroffen.

Gemäss der Schweizerischen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie bewegen sich die Anbieter in einer rechtlichen Grauzone. Denn Ärzte dürften eigentlich gar keine Werbung machen, private Kliniken dagegen schon. Sie fordern ein Werbeverbot, wie es Frankreich kennt: «Nur so kann man garantieren, dass das Patientenwohl im Zentrum steht», sagt Sprecherin Catherine Perrin.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julian H. am 09.09.2016 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Allgemeinheit zahlt...

    Die Krankenkasse sollte Komplikationen nicht übernehmen! Ist doch absurd, eine Brille muss man grössten teils selber zahlen oder auch den Zahnarzt, aber bei Problemen mit völlig unnötige Operationen zahlt die Kasse.

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  • Dirk S. am 09.09.2016 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Nature matters

    Es gibt nur EINE perfekte Brust. Und die ist natürlich. Ob gross, klein, rund, eckig, gelb oder grün spielt dabei keine Rolle.

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  • Männlein2 am 09.09.2016 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Frau...

    Hat keinen perfekten Busen. Und auch sonst ist nicht alles perfekt. Ich würde nichts, aber auch gar nichts an ihr anders haben wollen. DAS kriegt keine OP der Welt hin.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gym Runner am 09.09.2016 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch was zu sagen?

    Frauen wollen einen natürlichen Mann, der super aussieht. Sie selber basteln nur an sich rum, da Silikon hier Silikon, da weniger Falten. Wenn ihr einen natürlichen Mann wollt, dann bleibt natürlich!

  • Frau am 09.09.2016 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schlimm

    Solche Werbung finde ich ok. Viel schlimmer ist Zigiwerbung!

  • Köbeli am 09.09.2016 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück

    Zum Glück bin ich keine Frau. Ich würde sonst den ganzen Tag mit meinen Brüsten spielen.

  • Darky am 09.09.2016 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angst..

    ..ist gross bei mir, daher gibts wohl nie eine OP. Ich bin übergewichtig, nur hat das meine Oberweite nicht mitbekommen. Finde jede Frau soll dies selber entscheiden. Es gibt auch ästhetische OP-Ergebnisse, viele denken bei Brust OPs an Doppel-Ds. Dies wollen die meisten aber nicht!

  • Männlein2 am 09.09.2016 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Frau...

    Hat keinen perfekten Busen. Und auch sonst ist nicht alles perfekt. Ich würde nichts, aber auch gar nichts an ihr anders haben wollen. DAS kriegt keine OP der Welt hin.