Benimm-Unterricht

21. Mai 2015 05:47; Akt: 21.05.2015 05:47 Print

«Ein Knigge-Schulfach ist dringend nötig»

von P. Michel - In einer Umfrage sprachen sich drei Viertel der befragten Deutschen für ein Schulfach «Benehmen» aus. Auch Schweizer Knigge-Experten sehen Handlungsbedarf.

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An dieser Grundschule in Oklahoma mussten ältere Mitschüler unter Aufsicht der Lehrerin bei den Jüngsten die Sauberkeit der Hände prüfen. So weit soll der Benimm-Unterricht wohl nicht mehr gehen. (Undatierte Aufnahme aus der Jahrhundertwende.) (Bild: Getty Images/Universal History Archive)

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Der Knigge-Kurs als Schulfach: Dafür sprachen sich drei von vier Deutschen in einer Umfrage aus. Auch ein Grossteil der 20-Minuten-Leser befürwortet die Idee: 66 Prozent unterstützen das Vorhaben.

Bei Schweizer Experten stösst der Vorschlag ebenfalls auf Zuspruch. «Ein Knigge-Schulfach ist eine grossartige Idee und dringend nötig», sagt Lucia Bleuler, Benimm-Trainerin aus Zürich. Bei ihren Kursen stellt sie fest: «Die Defizite bei Kindern und Jugendlichen sind gross, es fehlt an den Grundlagen.» Dazu brauche man sich nur das Littering in den öffentlichen Verkehrsmitteln anzuschauen: Herumliegendes Essen und Dosen überall, sagt Bleuler. «Das ist absolut grässlich!»

Aber auch bei den Tischregeln hapert es: «Vom Messerablecken bis hin zur unmöglichsten Sitzhaltung – einige liegen fast unter dem Tisch oder hängen über dem Teller – ist alles dabei», sagt Bleuler. Das Unwissen über die Benimmregeln könne zu Karrierenachteilen führen: «Unter Umständen entscheidet das korrekte Benehmen einmal, ob man einen Job erhält oder nicht.»

«Schule ist nicht Reparaturwerkstatt der Nation»

Die Forderung nach einem neuen Schulfach kommt bei Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbands, nicht gut an. Natürlich sei das Erlernen von korrekten Umgangsformen wichtig, sagt er. «Wenn jedoch für jedes gesellschaftliche Problem ein Schulfach eingeführt würde, hätten wir zwanzig neue Fächer im Lehrplan: Ein Schulfach Glück oder Jass-Unterricht wurden ja auch schon gefordert.» Zemp ist überzeugt: «Schon heute fördern die Lehrpersonen an unseren Schulen das korrekte Benehmen.» Im Klassenlager oder auf Exkursionen werde den Schülern vermittelt, wie sie sich in der Gruppe verhalten sollten.

Lilo Lätzsch vom Zürcher Lehrerverband doppelt nach. «Die Schule ist nicht die Reparaturwerkstatt der Nation», sagt sie. Die Forderung müsste ihrer Meinung nach genau in die entgegengesetzte Richtung gehen: «Statt an die Schule Forderungen zu stellen, müssten die Eltern mehr in die Pflicht genommen werden.» Sandra Wirz, Benimm-Coach aus Obwalden, pflichtet bei: «Knigge-Kurse, wie ich sie anbiete, können nur als Zusatzangebote dienen, wenn die Benimmregeln im Elternhaus vernachlässigt wurden.»

Auch Lehrer müssten geschult werden

Lucia Bleuler bleibt dabei: «Ein Schulfach ‹Benehmen› würde der heutigen Gesellschaft sehr guttun.» In ihren Kursen stelle sie fest, dass die Kinder Freude daran hätten, korrektes Benehmen zu erlernen. Das Nichtwissen sei jedoch nicht nur die Schuld der Kinder: «Es gibt Eltern, die es ihnen nie beigebracht haben. Vor allem die Generation der 68er, die jegliche Benimmregeln ablehnte, hat ihren Kindern nie korrektes Verhalten beigebracht.» Bevor ein Benimm-Schulfach eingeführt werde, sagt Bleuler, müssten aber auch erst die Lehrer geschult werden: «Sie müssen selbst auch Vorbilder sein.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kritik am 21.05.2015 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuhause

    Falsch! Benehmen sollte einem zuhause vermittelt werden und fällt definitiv nicht in den Zuständigkeitsbereich der Lehrpersonen.

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  • Ah am 21.05.2015 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern

    Wäre das nicht Sache der Eltern, ihren Kindern Benehmen, Werte usw zu vermitteln...

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  • Roberto am 21.05.2015 06:01 Report Diesen Beitrag melden

    Erziehung

    Und wieder einmal sollen letztlich alle Steuerzahler (mehr Fächer = mehr Lehrer) dafür aufkommen müssen, dass viele Eltern heutzutage ein sehr eigenartiges Verständnis von der Erziehung haben resp. diese total vernachlässigen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Christoph am 22.05.2015 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder erziehen benötigt auch Zeit

    Ich bin seit bald 30 Jahren in einem Dienstleistungsunternehmen tätig. Das Benehmen/Verhalten einer Vielzahl an Geschäftsleuten/Kunden (Damen und Herren) hat sich in den vergangenen 10-15 Jahren dermaßen negativ verändert, dass mir klar ist, dass deren Nachkommen keine Chance haben, Benimm, Anstand und Respekt vorgelebt zu bekommen! Sehr traurig, aber wahr! Aber wir wollen Karriere machen, Kinder haben, diese aber am liebsten 26 Stunden am Tag in einer Krippe, "Tagesschule" und damit ich mal Ruhe habe, schicke ich sie in den Ferien in ein Lager! So, liebe Leute geht's nicht!

  • schüsch ghads no?? am 22.05.2015 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatskinder Nein, Erziehung ist nicht Sache des S

    Das ist ganz klar die Pflicht der Eltern, welche diese gefälligst auch wahrnehmen müssen! Natürlich sollen auch die Lehrpersonen Anstandsregeln durchsetzen und bei Fehlverhalten Sanktionen durchziehen. Aber die Pflicht und Verantwortung zur Erziehung liegt ganz klar bei den Eltern und kann nicht auf Lehrpersonen abgeschoben werden, die sollen den Nachwuchs etwas lehren und haben mit der Vermittlung der Lehrstoffe genug zu tun. Wenn sich diese mit der Erziehung von einzelnen Kindern befassen müssen, ist dies zum Nachteil aller andern. Hört auf alle Verantwortung auf den Staat abzuschieben!!!

  • Yvonne am 22.05.2015 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kritik

    Sowas lernt man von zu Hause. Aber es gibt halt viele Eltern die schon mit so einer Wenigkeit überfordert sind!!

  • Leon am 22.05.2015 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schule schule

    Ja immer alles der Schule überlassen, für was hat man Kinder wenn man sie nicht erzihen will.

  • alfy133 am 22.05.2015 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerts die Lehrpersonen

    Das wäre sehr gut, dann müssten die Lehrpersonen zuerst selbst in einen Benehmkurs!