SBB-Projekt

01. Dezember 2017 07:08; Akt: 01.12.2017 09:27 Print

«Ein Lokführer schlug den Weihnachtszug vor»

An Weihnachten lädt die SBB 80 Menschen in den Weihnachtszug. Die Kommunikationschefin sagt, warum, und wie die SBB Softwareprobleme löst.

SBB-Kommunikationschefin Kathrin Amacker erklärt, wie Leser im Weihnachtszug mitfahren können und wer die Idee dazu hatte. (Video: ehs)
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Frau Amacker, wieso lanciert die SBB den Weihnachtszug?
Die Idee ist hier in unserem Personalrestaurant entstanden. Ich war mit einem Lokführer zum Kaffee verabredet. Er habe eine Weihnachtsidee, sagte er: Ob wir nicht einen schön beleuchteten Zug fahren lassen könnten? Das wäre doch etwas sehr Emotionales. Eine wunderbare Idee. Ich habe sie meinem Team weitergegeben, die Idee von Weihnachten für Alleinstehende kam hinzu – und nun haben wir über 2500 Anmeldungen!

Wie kommt die Idee bei den Mitarbeitern an?
Wir haben viele positive Rückmeldungen. Viele haben sich von sich aus gemeldet und gefragt, ob sie helfen können. Einige haben wir an Bord geholt. Mitarbeitende im Kundendienst und in der Flottenbereitstellung sind sowieso eingebunden.

Haben sich auch Freiwillige von ausserhalb der SBB gemeldet?
Ja. Es haben sich sogar Kunden gemeldet, die für zusätzliche Plätze haben zahlen wollen. Unser Zug Churchill hat aber leider nicht für mehr als 80 Personen Platz. Die Hilfsbereitschaft ist grundsätzlich sehr gross.

Was ist die Motivation der Mitarbeiter? Wollen sie der SBB helfen oder sind sie persönlich betroffen?
Es ist wohl beides. Unsere Leute im direkten Kundenkontakt haben ja sowieso gerne mit Menschen zu tun. Deshalb haben wir sie ausgewählt und sie uns: es liegt ihnen quasi im Blut. Sicher sind sie aber auch ein bisschen stolz auf die SBB, wenn sie spüren, dass es gut ankommt.

Was verbinden Sie mit der SBB und Weihnachten?
Mein Mann ist Walliser. Natürlich fuhren wir jede Weihnachten mit unseren drei kleinen Kinder und vollen Geschenktaschen nach Eischoll. Wir sind immer erste Klasse gefahren und ich hoffte natürlich, dass sich die Kinder gut benehmen (lacht). Meistens ging es gut.

Die SBB hat keinen eigentlichen Sonntagsfahrplan mehr. Auch an Weihnachten wird normal gefahren. Lohnt sich das?
Ja, natürlich! Besonders in den Weihnachtstagen sind ja viele Leute unterwegs. In der Schweiz ist man sich gewohnt, dass die Bahn täglich gleich fährt. Bei den Dienstplänen an Weihnachten schauen wir natürlich bestmöglich auf die Wünsche unserer Mitarbeitenden. Einige wollen sogar ganz bewusst an Weihnachten arbeiten.

Für den Weihnachtszug wäre Schnee toll, für die SBB an sich wohl eher eine Herausforderung...
Nur bedingt. In der Schweiz schneit es ja jedes Jahr, unsere Planung beginnt bereits im Frühling. 360 Mitarbeitende sind ab Oktober in allen Landesteilen auf Pikett. Wenn es in der ganzen Schweiz schneit, können wir alle aktivieren. Vor drei Jahren war ich zu Besuch bei der niederländischen Bahn. Sie stellten ihr Winterkonzept vor: bei einem Zentimeter Schnee streichen sie 20 Prozent des Angebots, das funktioniere sehr gut (lacht). In der Schweiz wird sehr viel vorausgesetzt.

Gerade die Einteilung von Personal bereitet zurzeit aber Probleme. Die neue Software Sopre scheint noch nicht zu funktionieren, wie gewünscht.
Es geht um ein komplexes IT-System zur Dienstvorbereitung. Vor 1,5 Jahren erfolgte die Umstellung für die Zugbegleiter praktisch reibungslos. Vor wenigen Wochen stellten wir das System bei den Lokführern mit 20'000 Personalleistungen für mehrere Tausend Züge pro Tag um. Diese Einführung ist kein Glanzstück. Wir sind aktuell mit einer Taskforce und mit dem Lieferanten dran, die 10 Prozent Kinderkrankheiten wegzubringen.

Wo liegen die Probleme?
Das Problem ist weniger der fahrplanmässige Betrieb, sondern die noch fehlende Leistungsfähigkeit bei Störungen. Für Lokführer hat das eine grosse emotionale Komponente: ihr Berufsstolz ist die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Die Bereitschaft, sich bei Not am Mann auszuhelfen, ist dementsprechend sehr hoch.

Ist der Fahrplanwechsel in Gefahr?
Nein, auf keinen Fall. Wie jedes Jahr bereiten wir uns schon seit Monaten generalstabsmässig darauf vor. Diesen Dezember steht ein eher kleiner Fahrplanwechsel an. Ich bin zuversichtlich.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chrümel am 01.12.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB weihnachten

    Tolle Sache. Vorallem auch deshalb weil die Idee von einem Mitarbeiter entstanden ist

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  • Bruno am 01.12.2017 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB Top

    Sehr sympatisch diese Aussagen.

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  • Der Anonyme am 01.12.2017 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Danke SBB

    Ich finde die Idee genial. Das es umgesetzt wird umso besser! Es ist einfach schön zu sehen, dass man sich hier auf die Bahn verlassen kann. Auch wenn das GA nicht gerade günstig ist...es ist super. Wer es nicht nutzt ist selber schuld und soll zu Fuss gehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinrich030 am 02.12.2017 02:48 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Idee, wuerde mich auch....

    Ja muss sagen, Idee ist sehr toll. Schöne Route fahren durch Winterlandschaft und ein bisschen quasseln und feierliche Durchsagen am Lausprecher.

  • Rottenführer am 02.12.2017 01:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Hoch den Gleisbauarbeitern!

    Noch schöner wäre es gewesen, wenn ein einfacher, gerade noch zum Mindestlohn arbeitender Gleisbau-Mitarbeiter von der PR-Abteilung der Bundesbahn als Ideenlieferant für den Weihnachtszug genannt worden wäre. Denn diese Männer chrampfen bei Nacht und Wind und Wetter, ganz anders als die verwöhnten Lokführer und erst recht als das SBB-Management mit ihren fürstlichen Gehältern.

    • Ironicus Fiderallalalicus am 02.12.2017 11:46 Report Diesen Beitrag melden

      Neeein, die Realität ist obsolet ...

      Ach an Weihnachten, da können wir wenigstens mal mit gutem Gewissen wegschauen, das ganze Jahr über tun wir schon wegschauen, da kann man jetzt auch mal "besinnlich" wegschauen. Weil wer will sich schon die Stimmung verderben lassen jetzt in der Weihnachtszeit? Die Entscheidungsträger in Bund und SBB mit ihren fürstlichen Gehältern ganz sicher nicht.

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  • Rainer Unsinn am 02.12.2017 00:40 Report Diesen Beitrag melden

    Warme Luft

    Da ist aber doch ziemlich viel Profilierung der eigenen Person wesentlich wichtiger als die Anliegen der eigenen Beschäftigten. Passt gut zur Chefin aller leeren Versprechen und Worthülsen.

  • WeltReisender am 01.12.2017 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr geehrte Frau Kathrin Amacker

    ich finde es super, dass SBB Mitarbeiter die Möglichkeit haben ihren Kunden eine echte Freude zu bereiten. Aber wenn Sie schon die Thematik "SBB Softwareprobleme" ansprechen, empfehle ich Ihnen auf dem Google PlayStore die Rezensionen von Anfangs November 2017 der SBB Mobile App sich zu Gemüte zu führen, ich bin mir sicher, dass Sie dort Sachen erkennen, die Sie in Ihrer verantwortungsvoller Position bei der SBB zu entsprechendem Handeln bewegen werden ... es gibt noch viel zu tun, mit freundlichen Grüssen ... ein SBB Kunde.

  • Nur eine Idee am 01.12.2017 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Besser als allein zuhaus

    Diesen Weihnachtszug sollte man jedes Jahr anbieten. Ich bin überzeugt, dass viele Alleinstehende dieses Angebot gegen Bezahlung nutzen würden.