Türkische Bildungsoffensive

13. Mai 2018 18:04; Akt: 13.05.2018 18:37 Print

«Schweiz darf Erdogans Schulen nicht zulassen»

Die Türkei plant eine Bildungsoffensive für türkische Kinder in der Schweiz. Politiker sind besorgt, verhindern liessen sich die Schulen aber kaum.

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Schweizerisch-türkische Schüler sollen während mindestens fünf Stunden in der Woche in Sprache, Religion, Geschichte und türkischer Kultur ausgebildet werden – als freiwillige Ergänzung zur Volksschule. So will es Erdogans Ministerium für Auslandtürken (YTB). Laut dem «SonntagsBlick» können sich türkische Organisationen in der Schweiz derzeit um die Finanzierung bewerben.

Die türkischen Wochenendschulen, die Ankara in 15 europäischen Ländern gründen will, und die einer «Assimilation» der Türken in Europa entgegenwirken sollen, geben Politikern von links bis rechts Anlass zur Sorge. Die Befürchtung: In den Schulen könnten Ideologien vermittelt werden, die nicht konform mit den westlichen Werten sind, da Ankara die Lehrinhalte nach Belieben gestalten kann.

«Eltern kämen unter Druck»

«In solchen Schulen würde schon den Jüngsten Erdogans nationalistische Ideologie eingeimpft. Das darf die Schweiz nicht zulassen», sagt etwa SP-Nationalrätin Martina Munz. Schulkinder würden so für politische Zwecke instrumentalisiert. Es sei richtig, dass Secondos ihre Wurzeln und auch die Sprache ihrer Eltern pflegten. Aber: «Diese Möglichkeit bieten viele Schulen mit den Kursen in Heimatlicher Sprache und Kultur (HSK) bereits.»

Auch sei zu befürchten, dass Eltern unter Druck gesetzt würden, ihren Nachwuchs in die Erdogan-Schulen zu schicken. «Wer nicht mitmacht, könnte sich verdächtig machen. Das gilt es zu verhindern.»

«Die armen Schüler können einem Leid tun»

«Erschreckend» findet SVP-Nationalrat Andreas Aebi die Vorstellung von türkischen Schulen: «Ich muss annehmen, dass der Unterricht sich nicht mit unseren Werten verträgt.» Das sei naheliegend, nachdem bereits im Heimatkundeunterricht unter der Schirmherrschaft der türkischen Botschaft ein Kriegstheater nachgespielt wurde. Auch Bildungs- und Aussenpolitikerin Kathy Riklin (CVP) findet die Pläne der Türkei «irritierend»: «Die armen Schüler können einem Leid tun. Sie sind heute schon gestresst.»

Die Schweiz müsse das Schulprojekt im Auge behalten. Ihre Handlungsmöglichkeiten seien aber beschränkt: «Es gibt auch andere Sprach- und Religionsgemeinschaften, die ihre eigenen Schulen haben.» Da es in der Freizeit geschehe, könne der Staat nicht gross eingreifen. «Auf jeden Fall müssen die Behörden die Lehrer genau überprüfen, etwa ob sie auch ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz haben.

«Man kann die Schulen nicht verbieten»

Auch Sibel Arslan (Grüne) sagt: «Man kann der Türkei die Schulen nicht verbieten, während man anderen einen solchen Unterricht erlaube. Andere Staaten und private Anbieter können auch beliebige Kurse anbieten.» Es bestehe aber die Gefahr, dass der Unterricht von Anhängern der Regierungspartei AKP gestaltet werde, während Minderheiten und Oppositionelle ignoriert würden. «Die Trennung von Schule und Religion wird aufgehoben. Das ist sehr problematisch.» Das Regierungsprogramm könne zudem die bestehenden wichtigen HSK-Kurse der Schulen konkurrenzieren. «Dieses Angebot sollten wir noch stärker fördern.»

Weder das Ministerium für Auslandtürken (YTB) noch die türkische Botschaft in Bern reagierten am Sonntag auf eine Anfrage von 20 Minuten. Auch sämtliche angefragten Lehrer, die heute im Auftrag der türkischen Botschaft HSK-Kurse anbieten, wollten sich gegenüber 20 Minuten nicht zum Thema äussern.

(daw)