13 Milliarden für Strassen

18. Januar 2018 05:40; Akt: 18.01.2018 05:40 Print

«Es gibt smartere Lösungen als den Ausbau»

von D. Waldmeier - Der Bundesrat will die Autobahnen mit 13 Milliarden Franken ausbauen. Doch Kritiker bezweifeln, dass sich das Stauproblem so lösen lässt.

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Auf Schweizer Autobahnen droht der Verkehrskollaps: Die Anzahl Staustunden hat sich seit 2009 auf 24’066 verdoppelt, hauptsächlich wegen Verkehrsüberlastung.

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Der Bundesrat will die Autobahnen an den neuralgischen Stellen ausbauen: Laut Verkehrsministerin Doris Leuthard sollen bis 2030 rund 13,4 Milliarden Franken in Erweiterungsprojekte fliessen. Im Ausbauschritt 2019 ist unter anderem die Erweiterung des Abschnitts Rotsee-Buchrain oder die Umfahrung Le Locle geplant.

«Auch Pannenstreifen freigeben»

Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz, begrüsst den geplanten Ausbau der Strassen. Er verlangt, dass die Bauarbeiten unverzüglich an die Hand genommen werden. «Das Stauproblem ist akut, die Ausbauten dulden keinen Aufschub.» Er hoffe deshalb, dass es möglichst wenige Einsprachen gegen die Projekte gebe.

Als Sofortmassnahme fordert Burgener den Bund zudem auf, den Pannenstreifen zu Spitzenzeiten für den Verkehr freizugeben. «Das bringt eine deutliche Entlastung, wie der Test in Morges gezeigt hat.» Neben dem Ausbau könne auch Carpooling zu einer Vermeidung von Stau beitragen. «Es sollte mehr Gratisparkplätze entlang von Autobahnauffahrten geben. In Rothrist AG sind diese etwa schon um 7.15 Uhr besetzt. Das zeigt, dass Fahrgemeinschaften einem echten Bedürfnis entsprechen.»

«Staus werden sich nur verschieben»

Kritisch gegenüber dem Ausbau ist Grünen-Präsidentin Regula Rytz: «Das Programm wird das Ziel nicht erreichen: Die Staus werden sich höchstens verschieben, dafür wird neuer Verkehr generiert. Durch den Ausbau gibt es einen Anreiz, das Auto statt den Zug zu nehmen, was wieder zu neuem Stau führt.» Man werde die einzelnen Projekte in den einzelnen Regionen genau auf die Umweltverträglichkeit prüfen.

Für Rytz ist ein Ausbau eine rückwärtsgewandte «Betonpolitik», die das Verkehrswachstum fördert und den Klimaschutz ignoriert. Ansätze für eine Lösung des Stauproblems sieht sie stattdessen in der Förderung von Homeoffice, in Carsharing, gestaffelten Arbeitszeiten, günstigerem ÖV oder auch in Road Pricing. «Letzteres funktioniert in zahlreichen europäischen Städten hervorragend.»

«Nachts können elektrische Lastwagen verkehren»

Verkehrsexperte Daniel Müller-Jentsch vom Thinktank Avenir Suisse begrüsst, dass die Ausbauten dort stattfinden, wo es am meisten Staus gibt. Doch für den Experten ist die Rechnung klar zu hoch: «Die Politik reagiert auf das wachsende Mobilitätsbedürfnis mit einem subventionierten Kapazitätsausbau – und ist in der Kostenspirale gefangen.» Wenn man neue Kapazitäten schaffe, dann müsse man diese auch richtig bewirtschaften. «Dafür braucht es Mobility Pricing.» Werde nämlich das Fahren zu Spitzenzeiten verteuert, gingen auch Staus zurück.

Zudem seien Politik und Verwaltung «im Ingenieursdenken des 19. Jahrhunderts verhaftet», ohne dass die Folgen der Digitalisierung auf den Verkehr berücksichtigt würden: «Wir planen Strassen für die nächsten 20 bis 30 Jahre. Die Mobilität wird sich bis dahin fundamental ändern. In zwanzig Jahren könnten nachts zum Beispiel autonom fahrende, elektrische Lastwagen verkehren. Damit gäbe es mehr Kapazitäten am Tag für den Personenverkehr.» Auch ermöglichten autonome Fahrzeuge dichteres Auffahren, und Stauursachen wie Unfälle dürften zurückgehen. «Es gibt im 21. Jahrhundert smartere und günstigere Lösungen als den Ausbau der Strassen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vielfahrer am 17.01.2018 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ach so, endlich

    Strecke Bern-Thun wird seit 4 Jahren "erneuert". Nach vier Jahren sind sie immer noch mitten in der Arbeit aber die Autobahn ist kein cm breiter oder besser geworden, ausser dass Radare aufgestellt wurden. In der Gleichen Zeit haben sie in Italien z.Bsp. eine 400km Strecke mit 17 Tunnels sechsspurig top-ausgebaut mit allen drum und dran.

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  • carmen diaz am 17.01.2018 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    was ist aus dem ziel geworden...

    ...die autofahrer zum zugfahren zu bewegen? das hat der bundesrat doch gefordert. oder liegt es einfach daran, dass wir rund 1 million zu viele menschen inzwischen in der schweiz haben und unsere infrastrukturen generell aus allen nähten platzen...

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  • Entay Gebere am 17.01.2018 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Aargau

    Die A1 ab Oftringen bis Birrfeld/Baden dreispurig ausbauen pro Fahrrichtung. Das wäre ein gutes Projekt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Beobachter am 18.01.2018 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorausdenken statt pflästerlen

    Vor 25 Jahren hat man mit Verkehrszählungen das Aufkommen auf der Autobahn vor Luzern gemessen. Heute haben wir mehr als doppelt so viel Vehrkehr wie damals. Die Autobahnen und Zubringer aber blieben gleich breit... Jetzt plant man für in 10-20 Jahren!... Leider sind die für den Bau verantwortlichen zuviele, die nicht vorausschauen und mutig planen. Am Stau wird sich so auch in Zukunft nichts ändern!

  • §§§ am 18.01.2018 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber wahr!

    Und schon wieder wird "Smiling Dorli" an die Front gestellt um Express 13 Milliarden zu verteilen. In den letzten 10 Jahren wurden für "Schweizer Strassen" national kantonal und kommunal etwa 50 Milliarden ausgegeben davon die Hälfte für den Ausbau und Erhalt und die andere Hälfte für reinste Dekorationss*******!

  • Mike Haenni am 18.01.2018 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunschdenken

    Also das mit dem Klimaschutz könnt ihr schön vergessen, denn es ist eh alles schon zu Spät! Da hätte man vielleicht schon in den 80ern anfangen sollen, richtig etwas dagegen zu machen! Jetzt ist es nur noch Theorie, denn wenn China und die USA nichts dagegen machen, kann leider auch die kleine Schweiz nichts machen! Also leben und leben lassen!

  • Peter Baumann am 18.01.2018 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Homogenisierung der Geschwindigkeit

    Eigentlich gibt es eine einfache und simple Lösung, die zwar kein Allerweltsheilmittel ist, jedoch helfen könnte, Staus zumindest etwas abzubauen. Wir sollten an unseren heiligen Tempolimiten schrauben und Sie neu festlegen. Und zwar sollte das Tempolimit nur so hoch sein, dass alle gleich schnell fahren, beispielsweise maximal 80, 90 oder maximal 100 km/h. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bei Tempo 80 am meisten Verkehr bewältigt werden kann. Zudem könnte so enorm viel Treibstoff gespart und damit Abgase reduziert und Unfälle qualitativ und quantitativ minimiert werden.

  • Donna M. am 18.01.2018 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Super Plan den Pannenstreifen, bei Zuviel Verkehr, freizugeben. Wie soll da, bei einem Unfall, noch eine Rettungsgasse gebildet werden?