Wohneigentum

31. März 2016 15:03; Akt: 31.03.2016 15:03 Print

«Es kann ja auch nicht jeder Mercedes fahren»

von Nikolai Thelitz - Steigen die Hauspreise wegen der Zuwanderung oder wegen gieriger Investoren? Was ist die beste Strategie beim Hauskauf? Ein Experte gibt Auskunft.

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Der starke Anstieg der Hauspreise sorgt bei den 20-Minuten-Lesern für Gesprächsstoff. Zu unserem Eigenheim-Rechner sind rund 350 Kommentare eingegangen. Leser Marco schreibt: «Da meine Frau und ich derzeit ein Eigenkapital von 10'000 Franken haben, bringt uns auch unser Jahreseinkommen (zusammen) von 140'000 Franken nichts.» Leser Phil schreibt: «Verdiene wohl mehr als viele andere. Trotzdem frage ich mich, wo ich mir ein Eigenheim leisten kann. Mein Fehler war wohl, dass ich mal das Leben geniessen wollte und auf Reisen ging.» Leser Nico schreibt: «Wer kein Problem hat, sind Ehepaare, bei denen beide ein Einkommen haben. Mal angenommen: 170'000 Franken Einkommen und keine Kinder, dann ist es kein Problem.» Leser Paul schreibt: «Wir verdienen ca. 200'000 im Jahr. Wir haben mit Müh und Not eine Hypothek für 1,25 Millionen gekriegt.» Leser: Humi sagt: «Die enorme Zuwanderung ist klar auch mit schuld», Leser Garfield hingegen meint: «Spekulanten und Investoren sind das Problem.» Experte Hartmann: «Als viele gut ausgebildete Deutsche in die Schweiz kamen, zog es sie in die Zentren wie Zürich, in der Folge stiegen dort die Preise besonders stark an. Andererseits ist es auch so, dass Schweizer Immobilien nach wie vor eine sehr gefragte Anlage sind, die Anleger hohe Preise bezahlen können und so ein Markt für teure Immobilien entsteht.» Leser Flavio fragt sich: «Warum muss nur jeder mit 35 Jahren ein Eigenheim besitzen? Man lebt auch als Mieter gut. Mit einer Wohnung bin ich unabhängig und nicht gebunden.»

Zum Thema
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Die Häuserpreise sind in den letzten Jahren um 36 Prozent gestiegen – dadurch ist der Traum vom Eigenheim für viele Familien des Mittelstands in weite Ferne gerückt. Der starke Anstieg der Hauspreise sorgt bei den 20-Minuten-Lesern für Gesprächsstoff. Zu unserem Eigenheim-Rechner sind über 400 Kommentare eingegangen. Die wichtigsten Fragen der Leser beantwortet Michael Hartmann, Immobilienexperte beim Hypothekarspezialisten MoneyPark.
               
Herr Hartmann, Leser Marco schreibt: «Da meine Frau und ich derzeit ein Eigenkapital von 10'000 Franken haben, bringt uns auch unser Jahreseinkommen (zusammen) von 140'000 Franken nichts.» Wieso braucht es Eigenkapital?
Das Mindestmass an Eigenkapital zeigt, dass ein Kunde in der Lage ist, ein finanzielles Polster aufzubauen. Ausserdem dient das Geld als Sicherheit für den Fall, dass man den Kredit nicht zurückzahlen kann, oder um Marktschwankungen abzufedern. Wohlgemerkt würden viele Banken gerne auch Kredite an Hauskäufer mit weniger Eigenkapital vergeben – aber sie dürfen nicht. Verantwortlich für die im internationalen Vergleich strengen Regeln ist der Bund: So hat etwa die Finanzmarktaufsicht ein Minimum von 10% hartem Eigenkapital eingeführt. Das heisst, mindestens 10% des Kaufpreises beziehungsweise der Bankschätzung dürfen nicht aus Vorbezügen oder der Verpfändung der 2. Säule stammen. Und das zu Recht: Bei zu lockeren Regeln droht eine Immobilienblase. Der Bund hat aus der Immobilienkrise der 1990er-Jahre gelernt.

Umfrage
Haben Sie Angst, dass sie sich nie ein Haus leisten können?
48 %
21 %
15 %
16 %
Insgesamt 7026 Teilnehmer

Leser Phil schreibt: «Verdiene wohl mehr als viele andere. Trotzdem frage ich mich, wo ich mir ein Eigenheim leisten kann. Mein ‹Fehler› war wohl, dass ich mal das Leben geniessen wollte und auf Reisen ging.» Kann man nicht beides haben?
Doch, aber es braucht eine sorgfältige Finanzplanung. Grundsätzlich gilt: Je früher man anfängt zu sparen, desto besser. Wichtig ist auch, regelmässig und diszipliniert zu sparen. Auf dem Konto gibt es leider nicht mehr viel Zins, sodass man besser in einen Fonds investiert. Beim Bausparen sollte man auf geringes Risiko und ein breites Portfolio mit tiefen Kosten setzen. Am besten fährt man aus meiner Sicht mit sogenannten ETF, die verschiedene Börsen-Indizes wie etwa den Swiss Market Index SMI abbilden.

Auch über die Gründe für die Preisentwicklung streiten die Leser. Humi sagt: «Die enorme Zuwanderung ist klar auch mit schuld», Leser Garfield hingegen meint: «Spekulanten und Investoren sind das Problem. Sie wissen nicht, wohin mit dem Geld, und kaufen alles auf, um zu vermieten.» Wer liegt richtig?
Wir haben es mit einem vielschichtigen Thema zu tun: Sicher ist die Nachfrage durch die Zuwanderung gestiegen. Als viele gut ausgebildete Fachkräfte in die Schweiz kamen, zog es sie in die Zentren wie Zürich, in der Folge stiegen dort die Preise besonders stark. Wer sich Zürich nicht mehr leisten konnte, zog in die Agglomeration, sodass auch dort die Preise stiegen. Jetzt sind die Preise so hoch, dass sich in den Ballungszentren ganze Bevölkerungsschichten kein Wohneigentum mehr leisten können. Allerdings kann ja auch nicht jeder einen Mercedes fahren. Andererseits ist es auch so, dass Schweizer Immobilien nach wie vor eine sehr gefragte Anlage sind, die Investoren hohe Preise bezahlen können und so eine relativ stabile Marktsituation besteht. Wir stellen aber fest, dass die starken Preissteigerungen der letzten Jahre der Vergangenheit angehören. Dieses Jahr rechnen wir im Durchschnitt nur noch mit minim höheren Preisen – und gerade in Hochpreisregionen dürften die Preise sinken.

Leser Flavio fragt sich: «Warum muss nur jeder mit 35 Jahren ein Eigenheim besitzen? Man lebt auch als Mieter gut. Mit einer Wohnung bin ich unabhängig und nicht gebunden.» Ist mieten oder kaufen besser?
Die Schweizer waren lange ein Volk von Mietern, dies ändert sich aber langsam. Mittlerweile leben fast 40 Prozent der Schweizer in den eigenen vier Wänden. Viele haben den Traum von einem Haus, sie verbinden damit Glück und Zufriedenheit. Ein Haus bedeutet aber auch: Ich bin an einen Ort gebunden, und wenn zum Beispiel die Heizung den Geist aufgibt, muss ich sie selbst ersetzen und kann nicht einfach den Vermieter anrufen. Beim Eigenheim hat man dafür dank der tiefen Zinsen eine deutlich günstige Wohnsituation – sofern man es sich denn leisten kann und eine Hypothek bekommt. Wir gehen zurzeit davon aus, dass Mieter im Schnitt rund ein Drittel mehr fürs Wohnen zahlen als Eigenheimbesitzer. In hochpreisigen Regionen wie dem rechten Zürichseeufer sparen Eigentümer etwas weniger, auf dem Land etwas mehr.

Leser Paul schreibt: «Wir verdienen ca 200’000 Franken im Jahr. Wir haben mit Müh und Not eine Hypothek für 1,25 Millionen gekriegt.» Wenn es knapp wird, wie kann man seine Chancen auf das Traumobjekt erhöhen?
Ein Vergleich der Finanzinstitute lohnt sich auf jeden Fall, denn diese nehmen oft sehr unterschiedliche Einschätzungen vor und berücksichtigen verschiedene Faktoren. Ich empfehle jedem, mindestens drei Offerten einzuholen und dabei Banken wie auch Versicherungen miteinzubeziehen. So kommen übrigens auch die massiven Zinsdifferenzen im Schweizer Hypo-Markt zutage: Die Unterschiede können so gross sein, dass die Ersparnisse in zehn Jahren leicht für eine neue Küche reichen. Wer keine Zeit für den Vergleich hat, sollte einen unabhängigen Makler damit beauftragen. Diese wissen übrigens auch sehr gut, bei welchen Anbietern die grössten Rabatte auf die auf dem Internet publizierten Richtzinsen herauszuholen sind.

Leser Nico schreibt: «Wer kein Problem hat, sind Ehepaare, bei denen beide ein Einkommen haben. Mal angenommen: 170’000 Franken Einkommen und keine Kinder, dann ist es kein Problem.» Berücksichtigen Banken, ob Kinder vorhanden sind?
In der Tat, sogar der mögliche Kinderwunsch wird von Banken teils abgeklärt, weil dann mit einem künftig geringeren Einkommen gerechnet werden muss. Die Banken müssen nachweisen, dass zum Zeitpunkt der Kreditgewährung die Tragbarkeit sichergestellt war. Weil die Banken mittlerweile häufig lieber zu vorsichtig sind, fliessen oft auch zukünftige Risikofaktoren in die Berechnung ein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Big B. am 31.03.2016 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witz?!

    Wer bei 140'000.- Einkommen, ein Eigenkapital von 10'000.- hat, der kann offensichtlich nicht mit Geld umgehen und sollte das bisschen Vorhandenes in einen Budgetberater investieren!

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  • Nico Meier am 31.03.2016 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Sparen

    Ich habe als Kind gelernt zu sparen. Heute wird alles auf Pump angeschafft. Da wird das auto geleast, der TV auf Raten gekauft und es gibt sogar Menschen, die Möbel oder Ferien über einen Kredit finanzieren! Wir sollten unseren Jungen wieder beibringen, was Sparen bedeutet nämlich der bewusste Verzicht auf gewisse Dinge um Geld anzusparen!

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  • Pietro am 31.03.2016 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Glücklich geht auch ohne Haus

    Ich muss nicht unbedingt ein Haus besitzen um glücklich zu sein. Vor allem wenn man keine Kinder hat. Mir ist lieber einen Job zu haben der mir Freude macht. Gute Freunde, gutes Verhältnis zu meinen Eltern/Geschwister. Und da ist noch die grosse weite Welt die man bereisen kann. Ein fettes Auto brauch ich auch nicht. Kostet nur unmengen Geld.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • P. Estalozzi am 31.03.2016 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Studierer

    Kann mir bitte jemand sagen, warum es so viele Banken gibt? Schliesslich haben wir ja auch nicht so viel verschiedenes Geld. Wir haben eben nur Den Schweizerfranken.

    • Oli am 31.03.2016 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @P. Estalozzi

      Weil wir nicht in einem komunistischen land sind und freie marktwirtschaft herrscht!! Darum haben wir zb. Migros, coop, denner, globus etc. und nicht ein anbieter! Konkurrenz belebt in allen bereichen das geschäft und die qualität!!

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  • Herr Meier am 31.03.2016 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Zuwanderung

    Die Zuwanderung ist eindeutig nicht Schuld: trotz erhöhter Zuwanderung gibt es einen Leerwohnungsbestand wie seit 12 Jahren nicht mehr. Die Preise werden nicht von den Zuwanderen gemacht... Merkts doch endlich mal. Es ist die Profitgier, wie überall.

  • asdf am 31.03.2016 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    Wenn man eine Hypothek z.Bsp. über 800K Franken aufnimmt, ist das völlig ok. Aber wenn man ein Auto für 50K Franken least, wird man gleich abgestempelt.

    • Peter Mayer am 31.03.2016 20:42 Report Diesen Beitrag melden

      @asdf Kann man nicht vergleichen

      Mit der Hypothek bezahlen Sie eine Wohnung / Haus, diese bleibt im Wert gleich oder wird sogar wertvoller. Ein Auto ist im Normalfall nach 10 - 15 Jahren genau nichts mehr Wert. Das ist ein Riesenunterschied!

    • asdf am 31.03.2016 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Mayer

      Ich sehe keinen Unterschied. Am Ende geht es darum, etwas zu bezahlen, was man auf Pump "gekauft" hat. Weder der Leasingnehmer noch der Hypothekennehmer könnte sich den Traum ohne Leasinggesellschaft/Bank verwirklichen.

    • marc am 31.03.2016 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Mayer

      falsch ein Haus verliert Genau so an Wert, nur werden die Preise reguliert und durch Spekulation hoch gehalten. Die Immobilienblase wird irgendwann korrigiert und das zu unseren Ungunsten! Siehe Immobilienkriese in USA vor paar Jahren.

    • Tatjana. am 01.04.2016 00:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @asdf

      Stimmt. Aber ist hald eben hier so.

    • Guschdi am 01.04.2016 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @asdf

      So ein Quatsch! Autos (ohne wirkliche Oldtimer für Hundertausende von Franken) sind ja "echte Kapitalanlagen".

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  • Sparfuchs am 31.03.2016 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparen, sparen, sparen

    Eigenes Haus mit 29 Jahren ohne Erbschaft etc. mit einem normalen Arbeitereinkommen ist kein Problem! Haben mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von CHF 8'700.00 in 5 Jahren ein Eigenkapital von 200'000.00 angespart! Einschränken und verzichten! War nicht einfach, aber wir haben unser Traumhaus! Jeder kann sparen wenn er will! Ferien zu Hause, keine Restaurantbesuche, kein Kino, günstige und nicht topmoderne Mietwohnung etc.! Übrigens haben in dieser Zeit noch 3 Autos unterhalten! Alles ist möglich!

    • Melanie am 31.03.2016 20:05 Report Diesen Beitrag melden

      Sparen, aber am richtigen Ort

      Wer braucht schon ein Traumhaus? Habe mit ca. 35 eine Eigentumswohnung gekauft. Nichts luxuriöses, eine ganz normale Wohnung (was mich als Mieterin locker 1950.-- /Mt. gekostet hat. nach ein paar ähnlich teuren Jahren bin ich nun auf einer Belastung von ca. 800.--. Kann doch kaum besser kommen!

    • Kartoffel am 31.03.2016 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sparfuchs

      8700.- ist nicht unbedingt ein durchschnittliches Einkommen....

    • TimoZH am 31.03.2016 21:57 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht so ganz meine Einstellung

      Sie haben in 60 Monaten etwas über 3000 CHF vom Brutto-Gehalt beiseite gelegt? Nur Toastbrot gegessen damit Sie nun nicht an den Vermieter zahlen sondern an die Bank? Ihre Tragbarkeit ist jedenfalls sehr dürftig...wem es gefällt in einem Haus Baujahr 1960 mit Investitionsstau...bitte...aber von einem Traumhaus wird hier wohl nicht die Rede sein. Sorry...wenn es doof läuft dann kauft Ihnen das Haus niemand mehr ab. Nun dürfen Sie erstmal den Wert erhalten und kräftig investieren...also sparen, sparen und sparen :)

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  • w28 am 31.03.2016 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ev illusorisch

    naja, ich denk mal so: wir leben in einer überalterten gesellschaft. in naher zukunft sterben sehr viele menschen "auf einen chlapf weg"; sofern die zuwanderung nicht noch stärker zunimmt, sollten dann wieder mehr wohnungen, häuser und jobs auf dem markt sein. so denke bzw hoffe ich auf eine schöne whg ;-)