MGTOW-Männer erzählen

28. Dezember 2017 10:46; Akt: 28.12.2017 12:29 Print

«Ich will nie wieder eine Frau in meinem Leben»

Schweizer Männer erzählen, warum sie Beziehungen zu Frauen abgeschworen haben, und wie sie ihr Leben gestalten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Leben ohne feste Bindungen mit Frauen, das ist das Ideal der Männer, die der MGTOW-Bewegung angehören. Das Kürzel steht für «Männer, die ihren eigenen Weg gehen» (siehe Box). In einer nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten bezeichnen sich 42 Prozent der Leser als Männer, die diesen Lebensstil pflegen. Drei davon erläutern ihre Beweggründe und erzählen von ihrem Leben ohne Frau.

Umfrage
Liebe Männer, gehen Sie auch auf Distanz zu Frauen?

Sven S.* (31): «Für eventuelle Damen habe ich einen Vertrag bereit»

S. lebt seit 5 Jahren als MGTOW, er will keine Kinder und keine feste Beziehung. «Ich helfe Frauen nicht einmal, den Weg zu finden oder den Kinderwagen aus dem Zug zu tragen.» Der Grund für seine Ablehnung gegenüber Frauen: «Heute bin ich als Mann nicht mehr respektiert. Ich bin nur der potenzielle Vergewaltiger, Pädophile oder Gewalttäter.» Männer brauchten keine Frauen mehr, da die Unterhaltungsmöglichkeiten heute dank Internet und Wirtschaft enorm seien und Prostitution auch erlaubt sei.

Auf Sex verzichte er aber nicht. «Ich habe mich sterilisieren lassen und für eventuelle Damen einen Vertrag zum Unterschreiben bereit.» Dieser bestehe aus einer Einwilligung zu den verwendeten Sexualpraktiken, beide würden das Papier vor dem Sex unterzeichnen. So will sich S. vor Vergewaltigungsvorwürfen schützen. Wenn ihn die Hormone zwingen würden, gehe er ins Puff. «Sobald es annehmbare Sex-Roboter gibt, werde ich auch diese nutzen, um mir das Geld fürs Puff zu sparen.»

Ohne Frau brauche er auch keinen 100-Prozent-Job mehr, um mit grosser Wohnung, dickem Auto und neuer Kleidung Eindruck zu schinden. «Ich nutze meine Freizeit praktisch komplett für Forschungen an meinen Projekten im Bereich Nahrungsmittel, um die Welt eines Tages in etwas Besseres zu verwandeln.» Der MGTOW-Lifestyle ermögliche es ihm, ein freies Leben zu führen, «ohne den Risiken von Frau, Staat und Gesetzen ausgeliefert zu sein und wie ein Hamster brav im Rad zu rennen».

Christoph G.*(38): «Ich hatte seit 2005 keinen Sex mehr und ich vermisse nichts»

G. hatte seit der zweiten Klasse immer «mindestens eine Freundin». Mit etwa 18 Jahren seien die Beziehungen aber ernster geworden und er sei fünf Jahre lang mit einer Frau zusammen geblieben. «Diese machte dann aber Schluss – und wie sie es tat. Die Umstände damals waren alles andere als schön. Es endete für mich in einer Lebenskrise.» Er habe es dann noch etwa zwei Jahre lang mit fünf bis sechs anderen Frauen versucht. «Es war aber nicht mehr dasselbe wie mit dieser einen.»

Im Jahr 2005 habe er darum mit Frauen komplett abgeschlossen. «Ich hatte seither keinen Sex mehr und vermisse überhaupt nichts. Im Gegenteil, ich geniesse es, jederzeit tun und lassen zu können, was ich will, ohne dass irgendeine nervige Freundin motzt.» Er habe auch kein Puff besucht, obschon er Geld dafür habe. «Sex vermisse ich zuallerletzt, obwohl ich im Alter von 16 bis 25 Jahren wahrscheinlich sogar regelrecht sexsüchtig war.»

Jonas M.* (34):«Meine Ex-Frau erzählte herum, ich hätte einen kleinen Penis»

«Ich bin auch einer dieser Männer, die nichts mehr mit Frauen am Hut haben wollen», sagt M. Der Grund: seine Ex-Frau. Diese habe ihn bei der Scheidung abgezockt. «Ich habe alles verloren: Frau, Kinder und Haus.» 4000 Franken Alimente zahlt M. nun jeden Monat. Zum Leben bleiben ihm nicht einmal 3000 Franken. Er arbeite zwölf Stunden pro Tag in zwei Jobs als Mechaniker und Lagerist. «Ich esse beinahe jeden Tag Nudeln mit Aromat, um durchzukommen.» Er könne seinen Kindern, die bei seiner Ex lebten, nun nicht einmal zu Weihnachten etwas Schönes schenken.

Die Scheidung sei für ihn der Horror gewesen. «Überall machte mich meine Ex zur Schnecke. Sie erzählte herum, ich hätte einen kleinen Penis, und sie lebe nun mit einem richtigen Mann zusammen.» Seitdem halte er sich von Frauen fern. «Neben der Arbeit mache ich viel Sport und laufe Marathon. Das hilft mir in den schlimmen Tagen.»

Einige Jahre müsse er noch durchhalten und Alimente zahlen. Auch danach sei aber klar: «Ich will nie wieder eine Frau in meinem Leben.» Er gehe zu keinen Dates mehr und vertraue aus Prinzip Frauen nicht. Für Sex gehe er ab und zu ins Puff, dies könne er sich nur alle drei Monate leisten. Durch seinen trainierten Körper und seine Grösse werde er zwar oft angesprochen, ignoriere das aber. «Ich lernte einmal eine bildschöne Frau kennen, eigentlich ein Traum. Ich musste Nein sagen, da ich nicht noch einmal so abgeschoben werden möchte.»


*Namen geändert

(the/dk)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schneewittchen am 28.12.2017 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Verlust

    Wenn dieser Trend Fuss fasst, dann gute Nacht Frauen. Verstehe jeden Mann der die Nase voll hat.

    einklappen einklappen
  • Besserwisser am 28.12.2017 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurige entwicklung

    Ich kann aber alle 3 typen durchaus verstehen. Für mich klingen alle stories, traurigerweise, glaubwürdig

    einklappen einklappen
  • DenkTab am 28.12.2017 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Dieser Artikel macht mich traurig. Was ist aus der Menschheit nur geworden. Die Moral verkommt langsam aufgrund vom technischen Fortschritt und den sozialen Medien.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walt am 28.12.2017 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    "Ich biete dir..."

    Ich erlebe in der Schweiz eine so gespaltene Weiblichkeit, dass ich sie beim besten Willen nicht mehr verstehen kann. Ich lernte stets: Frauen sind Männern auf allen Ebenen (mindestens) ebenbürtig, vor allem können sie für sich selbst sorgen. Das fand ich wunderbar! Im echten Leben aber höre ich von den Frauen meist "ich will"...(einen "Beschützer", "Gentleman", von höherem sozialem Status, der sie "auf Händen trägt") - am Ende hängt sie dauernd zu Hause und meckert über die Putzfrau, die Kita-Betreuerin und ihren Mann, der ihre Ansprüche nicht erfüllen kann. "Ich biete".. höre ich nur selten.

  • Vanessa am 28.12.2017 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Mann ist nicht für Frau verantwortlich

    Ich bin mit meinen Partner seit 17 Jahre zusammen und wir haben 2 Kinder. Eines war für mich als Frau immer klar: heiraten brauchen wir nicht und für die Kinder haben wir gemeinsame Sorgenrecht und Sorgenpflicht. Für das gehört es sich für mich, dass beide teilzeit arbeiten und beide die Kinder betreuen. Wir haben gegenüber Kinder eine Verantwortung, neben die Freude natürlich. Dass eine Person unter dem Existenzminimun leben muss, um Ex und Kinder zu versorgen, kann ich nicht verstehen. Wie kann ein Richter 4000.- einer Frau zusprechen? Kann heute diese Entscheidung der Männer nachvollziehen.

  • Alter am 28.12.2017 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    La Legion

    Früher, in meiner Jugendzeit gingen solche Männer in die Fremdenlegion. Heute gehen sie in die Selbsthilfegruppe.

  • Neumann am 28.12.2017 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meckern nur

    MGTOW isst der ideale Weg. Bier kan ich mir selber beschaffen, Pizza auch. Fussball und Hockey gucken ohne Ablenckung und soviel es mir passt. Ins Fittness gehen, Kumpels treffen, rumhängen, spät heimkommen, Ferien mit Motorrad wohin ich will... Was will ich mehr? Frauen meckern und zicken nur und nörgeln rumm. Nee ohne mich!

  • Bernd am 28.12.2017 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Warum sich quälen?

    Frauen sind in unserer Zeit sehr häufig schwierig im Charakter und mitunter geradezu neurotisch. Das liegt an ihrer Sozialisierung in unserer dekadenten spät-industriellen Kultur. Ich gehöre deshalb auch schon länger der MGTOW-Bewegung an. Ich komme sehr gut alleine klar, vermisse seit Jahren niemanden.