Heirat

20. Dezember 2017 17:40; Akt: 20.12.2017 17:40 Print

«Der Wunsch nach einem Doppelnamen ist gross»

von D. Krähenbühl - Das Verbot von Doppelnamen führt bei Heiratswilligen oft zu grosser Enttäuschung. SVP-Mann Luzi Stamm will das jetzt ändern.

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«Von der Wiege bis zur Bahre» lautete das Motto des neuen Namensrechts, das am 1. Januar 2013 umgesetzt wurde (siehe Box). Für Heiratswillige heisst das konkret: Vermählt sich Frau Meier mit Herrn Müller, muss sie sich entscheiden, ob sie ihren Namen behält oder ob sie den Namen ihres Mannes annimmt. Wenn Frau Meier aber gern Frau Meier Müller heissen würde, hat sie Pech gehabt. Doppelnamen sind nicht mehr erlaubt.

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«Das neue Namensrecht ist eine klare Verschlimmbesserung», sagt SVP-Nationalrat Luzi Stamm. Er fordert in einer parlamentarischen Initiative, dass der Doppelname für Heiratswillige wieder ermöglicht wird. «Im Freundeskreis meiner drei Töchter beklagt man sich über die beschränkte Wahlmöglichkeit: Entscheide sich die Frau für den Namen des Mannes, gelte sie in gewissen Kreisen als ‹Hausfrau›, wolle sie den eigenen Namen behalten, werde sie als ‹Emanze› verschrien. Ich will Frauen den Doppelnamen wieder zurückgeben.»

Auch aus der Bevölkerung und seiner Arbeitstätigkeit als Rechtsanwalt spüre er, dass der Wunsch nach dem Doppelnamen gross sei. Das Ziel des neuen Namensrechts, Gleichstellung zwischen Mann und Frau zu erlangen, sei verfehlt worden. Frauen würden sich nach wie vor meistens für den Namen des Mannes entscheiden.

«Schade, dass man Ehepaaren die Möglichkeit des Doppelnamens genommen hat»

«Nach wie vor gibt es überdurchschnittlich viele Ehepaare, die den Familiennamen des Ehemannes als gemeinsamen Familiennamen führen möchten», bestätigt Roland Peterhans, Teamleiter des Zivilstandsamts Zürich. Die Enttäuschung sei dann gross, wenn ihnen mitgeteilt werde, dass dies gesetzlich gar nicht möglich sei. «Ich finde es extrem schade, dass man Ehepaaren die Möglichkeit des Doppelnamens genommen hat», sagt Peterhans.

Stehen die Paare dann vor der Wahl, beschliessen die meisten Frauen, den Familiennamen des Mannes anzunehmen. Seit 2013 waren es schweizweit jährlich 73 Prozent. Im Kanton Appenzell Innerrhoden waren es sogar 90 Prozent. Im gleichen Zeitraum nahm aber nur einer von 50 Männern – also 2 Prozent – den Namen der Partnerin an.

«Frauen sollen nach Heirat ihren Namen behalten können»

SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer hatte als Verantwortliche für das neue Namensrecht zum Ziel, dass Frauen endlich die Möglichkeit haben sollen, ihren Familiennamen auch nach der Heirat zu behalten. Das Namensrecht habe im Fall der Eheschliessung die Rechtsgleichheit zu gewährleisten.

Auf Anfrage räumt sie aber ein, Verständnis dafür zu haben, dass einige Frauen dem Doppelnamen nachtrauern: «Es ist praktisch schon so, dass viele Frauen den Namen ihres Ehemannes annehmen.» Sollte das Bedürfnis nach Doppelnamen in der Bevölkerung tatsächlich so gross sein, würde sie Stamms Vorstoss unterstützen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. K. am 20.12.2017 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Bravo! Endlich kommt wieder Vernunft in die Namensgebung.

  • bm am 20.12.2017 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht gewünscht

    und ich erhalte seit jahren, obwohl ausdrücklich nicht gewünscht und abgelegtem namen, alle staats und gemeindepost auf einen doppelnamen!

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  • Psychedelic_owl am 20.12.2017 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu ernst nehmen

    Aaaaaber wie wird das dann mit den Kindern von Doppelnamen-Paar-Kindern? Wenn Anna Müller Meier ihren Partner, Michael Fischer Baumann, heiraten möchte und WIEDER ein Doppelname gewünscht wird, heisst ihr Kind dann Max Müller Meier Fischer Baumann? Oder andersrum?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • JustMe am 21.12.2017 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kultur

    So ging unsere Kultur Stück für Stück flöten.

  • Martial2 am 21.12.2017 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sind wieder Probleme...

    Was ist wieder für ein Problem in der Schweiz! Man kann Sepp und Lukrezia Schneckenburger-Bünzli heissen, und dann ist es schlimm? Wenns stört kann man immer noch bei der Gemeinde einen Antrag stellen für eine Namensänderung!

  • Chris am 21.12.2017 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Könnte man auch hier einführen

    Schweizer Behörden, macht's doch so, wie es in manchen Ländern Lateinamerikas gehandhabt wird: Von der Geburt bis zum Tod ändern sich die beiden Familiennamen nicht. Das Kind erhält als ersten Familiennamen den väterlichen Familiennamen des Vaters und als zweiten Familiennamen den väterlichen Familiennamen der Mutter. Eine faire Lösung, aber in der Schweiz ist man zu stolz, was "Fremdes" anzunehmen.

    • chumniddrus am 21.12.2017 13:18 Report Diesen Beitrag melden

      Und die nächste Generation?

      Was passiert wenn das Kind ein Kind hat? Hat das dann 4 Familiennamen (Doppelnamen Mutter, Doppelnamen Vater) oder wie läuft das?

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  • F.m am 21.12.2017 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde das gar nicht so toll!

    Mein Partner und ich heiraten wegen diesem Gesetz nicht. Da er einen Allianznamen hat ( ledigen Namen der Mutter & ledigen Namen vom Vater). Wir möchten logischerweise den Namen von Papa/Schwiegervater/Grossvater annehmen (wie es sonst auch sein sollte). Aber nein, ich müsste dann wie meine Schwiegermutter heissen und mein Kind wie die Grossmutter.... okey alles klar, oder nicht!? Möchte doch jeder so haben :-) (ironie)

    • Klara T. am 21.12.2017 14:28 Report Diesen Beitrag melden

      ungerechte Bürokratie

      wegen der Schwiegermutter habe ich auch meinen Doppelnamen geführt, unter anderem, fand es eifach nicht ok, dass beim Ex, das hinter dem Bindestrich (also ich) gratis wegfällt und ich zum Standesamt musste und 60 Franken blechen durfte, dass mein Ex nicht dauernd mit Beamtenschreiben zu Besuch kam. Sarkastisch ausgedrückt. Ihn zu streichen kostete noch!

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  • R. S. am 21.12.2017 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freitag- Meier

    Wusste das gar nicht, dass man das geändert hat. Bei meinen Eltern war zuerst der Name meines Vaters und meine Mutter schrieb zuerst den Namen meines Vaters dann ein Bindestrich und ihren ledigen Namen, das war auch immer alles klar. Meine Mutter leitete ein Geschäft und mein Vater Berufstätig in einem anderen Umfeld. Für sie wäre es nie in Frage gekommen ihren Namen abzulegen. Wir Kinder hatten den Namen des Vaters. Bei tamilischen Namen dürfte es schwierig werden, die sind so lang.