Zeit reif für weibliche Chläuse?

05. Dezember 2017 15:48; Akt: 05.12.2017 16:33 Print

«Frauen können als Eseli den Samichlaus fahren»

von Jennifer Furer - Erstmals hat die Vollversammlung der studentischen Weihnachtsleute in Berlin dieses Jahr Frauen zugelassen. Macht das Beispiel auch in der Schweiz Schule?

Das sagen Passanten zur Idee, weibliche Samichläuse einzusetzen. (Video: jen)
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Ein stämmiger Mann mit weissem Bart und rotem Umhang: So stellen wir uns traditionell den Weihnachtsmann vor. In Berlin wurde dieses Bild aber abrupt auf den Kopf gestellt. Denn bei der traditionellen Vollversammlung der studentischen Weihnachtsmänner sind dieses Jahr erstmals auch Frauen zugelassen. Grund: Wegen der hohen Nachfrage mangelt es an männlichen Kollegen.

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In der Schweiz kommt zwar nicht der Weihnachtsmann und bringt die Geschenke am 24. Dezember, Samichlaus und Schmutzli sind bereits am 6. Dezember unterwegs. Doch könnte man sich auch in der Schweiz weibliche Chläuse vorstellen?

«Wir wollen die Tradition aufrechterhalten»

Andreas Häusler, Präsident der Winterthurer Chlausgesellschaft, verneint: «Wir haben uns auch mal mit dem Thema auseinandergesetzt und probeweise weibliche Schmutzli zu den Kindern geschickt. Sie haben es bemerkt und waren enttäuscht, dass es kein echter war.»

Aber nicht nur deswegen habe man sich entschieden, nur Männer einzusetzen. Häusler: «Der Samichlaus ist traditionell ein Mann. Das wollen wir aufrechterhalten und den Kindern vermitteln, wie es wirklich ist.»

Gibt es in der Schweiz bald weibliche Samichläuse?

Gedanken über Rollenaufteilung machen

Der Präsident findet aber die Diskussion, die nun durch die Einführung von Weihnachtsfrauen angestossen wird, begrüssenswert: «Es ist wichtig, dass man sich Gedanken um die Rollenaufteilung in der Gesellschaft macht. Es gibt aber gewisse Sachen, die so bleiben sollen, wie sie sind.»

Häusler betont aber, dass es in seiner Chlausgesellschaft stets Platz für Frauen habe: «Sie können beispielsweise als ‹zweibeinige› Eseli den Samichlaus rumfahren oder zum Beispiel in der Küche oder der Gästebetreuung im Chlaus-Hüsli mithelfen.» Frauen müssten sich nicht als Esel verkleiden, sondern würden als «motorisierte Lastesel» agieren. Aus Sicherheitsgründen begleiten keine echten Esel den Samichlaus. «In der Stadt ist es zu gefährlich für die Tiere.»

«Wäre es ein Kundenbedürfnis, müsste man das prüfen»

Ähnliche Töne schlägt Dario Helbling, Präsident des St. Niklausvereins Schmerikon, an: «Die Geschichte sagt nun mal, dass der Samichlaus ein Mann ist. Das lassen wir auch so.» Es sei aber auch schon vorgekommen, dass eine Frau als Schmutzli zu den Kindern ging. «Wir haben das schon gemacht, weil wir zu wenig Leute hatten.» Dass Frauen den Samichlaus spielen, sei aber auch bei einem personellen Engpass nicht denkbar.

Aufgeschlossener gegenüber Frauen als Samichläuse zeigt sich Sandra Zumsteg, Mitglied der St.-Niklaus-Gesellschaft Opfikon-Glattbrugg: «Wenn die Kunden das wünschen, wäre das sicher prüfenswert. Dann sollte sich die Frau aber nicht als Mann ausgeben, sondern als Samichläusin gehen.» Möglich wäre zudem, dass Frauen als Schmutzli auftreten. «Das habe ich auch schon gemacht. Ich bin dann aber ruhig geblieben. Ein Schmutzli mit weiblicher Stimme wäre zu unauthentisch.»

«Frauen werden nur als Helferinnen angesehen»

Christina Klausener von der feministischen Friedensorganisation CFD zeigt sich entsetzt darüber, dass Frauen nicht als Samichläuse geduldet werden: «Es zeigt, dass die Gleichstellung in der Schweiz noch nicht erreicht ist.» Frauen würden als den Männern nicht ebenbürtig angesehen. «Gewisse Funktionen werden immer noch als reine Männerdomäne wahrgenommen.»

Aussagen wie jene, dass Frauen als Eseli den Samichlaus herumfahren könnten, bringen laut Klausener eines auf den Punkt: «Frauen werden leider immer noch als Helferinnen von Männern angesehen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grübel am 05.12.2017 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Der Weihnachtsmann ist ein Mann, logisch... oder soll für die Gleichberechtigung anstelle Jesus nun auch eine Frau am Kreuz abgebildet werden?

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  • Patrick__ am 05.12.2017 16:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es nervt langsam

    Ich kann dieses Nichts-darf-mehr-männlich-sein-und-nichts-mehr-weiblich-Gedöns echt nicht mehr hören! Ich glaube auch nicht, dass Kinder irreparable Schäden davontragen, wenn der Samichlaus ein Mann ist. Im Gegenteil: Sie bekommen einen Schock bei weiblichen Samichläusen!

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  • Mike Zac am 05.12.2017 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist einfach abnormal

    was dieses Frauenbewegung an den Tag legt wird uns die Geschichte umschreiben lassen weil die Geschichte männerdominiert ist. Der Weihnachtsmann ist und bleibt ein Mann. Steht auch im Namen selbst. Weihnachtsfrau... klingt ja widerlich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Barbie am 06.12.2017 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung auf beide Seiten

    Sobald Bud Spencer oder Chuck Norris im Märlitram als Ängeli mitfahren dürfen, sollen Frauen auch Samichlaus werden dürfen.

  • Frau mitten im Leben am 06.12.2017 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal ganz kurz

    zum Verständnis: Nikolaus und Weihnachtsmann und auch das Christkind sind männlich, und die Frauen gehören dort einfach nicht hin. Deshalb sehen weibliche Hauptdarsteller in diesen Rollen einfach unpassend aus - so unpassend übrigens wie das kürzliche MeToo-Theater oder andere ADHS-Aktionen oder, dass sich (und den verzogenen Nachwuchs) die Nur-Hausfrauen und -Mütter von Jael & Co jahrzehntelang daheim auf Kosten der Männer und Gesellschaft finanzieren lassen und selbst nur chillen. Als Berufstätige schäme ich mich dafür fremd und finde das unverschämt.

  • Sara am 06.12.2017 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Ich habe nach dem Chlausbesuch einen Brief vom Nikolaus erhalten. Darauf stand : wir haben einen Nikolausmangel. Auch du als Frau kannst uns helfen. Wir brauchen auch Leute zum Schminken, Nikolaus herumkutschieren, putzen und kochen. Also mal ehrlich. Ich habe die Feminismusdebatte auch satt aber solche Aussagen gehen in der heutigen Zeit einfach nicht mehr.

  • Bruno Stettler am 06.12.2017 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Einstellung

    Warum verlangen diese Emanzen eigentlich nie, dass der Teufel weiblich dargestellt werden soll?

  • Der, Realist am 06.12.2017 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung?

    Dann will ich aber auch ein Männliches Christkind. Und ein Männlicher Frau Holle. Und ein Männlicher Hexenmeister Bei Hänsel & Gretel. Wegen Gleichberechtigung und so. Dann will ich aber auch das Frauen Militärdienst leisten oder WEP zahlen. Wegen Gleichberechtigung und so.