Frauen als Mitläuferinnen

08. Februar 2018 07:32; Akt: 08.02.2018 07:32 Print

No-Billag-Rivalen zeigen, wie Frauen ticken

von B. Zanni - Frauen bezahlten keine Billag-Rechnungen und seien pragmatisch: Mit diesen Vorurteilen sorgen Gegner und Befürworter von No Billag für rote Köpfe.

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Deutlich mehr Frauen als Männer sind gegen die No-Billag-Initiative, zeigte die zweite Tamedia-Abstimmungsumfrage. Für die Befürworter und Gegner der Initiative liegen die Gründe auf der Hand. «In vielen Haushalten ist es immer noch so, dass der Mann die Billag-Rechnung begleicht», sagte Andreas Kleeb, Kampagnenleiter von No Billag. Zudem getrauen sich Frauen im gegenwärtigen Klima weniger, sich zu exponieren.

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Was halten Sie von den Erklärungen, die für den Widerstand der Frauen gegenüber No Billag angebracht werden?

Mark Balsiger, Kampagnenleiter des Komitees «Nein zum Sendeschluss», beobachtete derweil, dass der Widerstand der Frauen gegen No Billag besonders gross ist. «Sie sind pragmatisch, können zuhören und lassen sich auf die besten Argumente ein.»

Gehässige Kommentare

Mit den Argumenten lösten die beiden Männer in den sozialen Medien viele gehässige Kommentare aus. «Danke Herr Kleeb für die Qualifikation der Frauen», antwortet CVP-Nationalrätin Viola Amherd auf Twitter. Eine Userin auf Facebook schreibt zynisch: «Das haben wir jetzt davon. Abstimmen dürfen sie, aber vom Leben keine Ahnung.»

Karl Müller, der laut seinem Twitterprofil gegen Diskriminierung von Männern durch den feministischen Mainstream in Politik und Medien kämpft, verleiht Mark Balsiger den «#Sexismus-Preis des Tages». «Mark Balsiger ist also der Meinung, dass nur Frauen zuhören, pragmatisch denken und sich auf die besten Argumente einlassen können», empört er sich auf Twitter. Den Männern gehe nach Balsiger diese Fähigkeit offenbar ab.



«Klischierte Zuordnungen sind jenseits»

Auch bei Feministinnen machen die Vertreter keine gute Falle. «Diese klischierten Zuordnungen beider Seiten sind jenseits», findet Nina Kunz. «Frauen werden als Mitläuferinnen dargestellt, die auf keinen Fall anecken oder auffallen wollen», sagt die feministische Kolumnistin und Geschlechterforscherin. Dieses Rollenbild der Frau scheine im Jahr 1952 steckengeblieben zu sein.

Auch die zwar «liebevoll gemeinten» Attribute, dass Frauen pragmatisch seien, zuhören könnten und sich auf die besten Argumente einliessen, seien unglücklich. «Auf diese Weise wird erstens so getan, als hätten einfach alle Frauen denselben Charakter – und zweitens hat die Fähigkeit, pragmatisch zu sein, wohl wenig mit dem Geschlecht zu tun.» Dabei würden solche Klischees auch den Männern nicht gerecht. «Als Mann wären solche Aussagen für mich ein Affront.» Schliesslich würden sie als Sturköpfe abgestempelt, die nicht zuhören könnten. «Im Jahr 2018 sollte man differenzierter über Geschlechterunterschiede nachdenken.»

«Männer sind offensiver»

Der Frage, warum Frauen mehr Widerstand gegen No Billag leisten, weicht Kunz aus. Die Geschlechterfrage sei irrelevant. Sie sei skeptisch, ob man aus dem Umfrageresultat generelle Aussagen in Bezug auf ein Geschlecht ableiten könne. Es gebe in diesem Kontext viel aussagekräftigere Kategorien wie Sachfragen, die man sich anschauen müsste.

Andreas Kleeb sagt, es liege ihm fern, jemanden anzugreifen. Von seinem Standpunkt weicht er nicht zurück. Es brauche Mut, sich für eine polarisierende Initiative zu bekennen. «Es ist nun mal so, dass Männer offensiver sind und Frauen eher den vermittelnden Weg suchen.» Mark Balsiger verzichtete auf eine Stellungnahme.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Garibaldi am 08.02.2018 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mann bezahlt die Rechnungen!

    O-kay, und was tun die Single-Frauen, die alleine leben? Die Rechnung dem Nachbar geben?

    einklappen einklappen
  • Lego am 08.02.2018 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bald ist alles vorbei

    Das alles ändert auch nichts mehr! Mein Ja ist in der Urne.

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  • Bündnerin am 08.02.2018 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billag

    Ich bin vor meinen Männern in unserem Haushalt die JA Stimmerin gewesen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ciccio 13 am 08.02.2018 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauendiskriminierung

    Den Initianten ist wirklich jedes (noch so umsinnige) Argument recht, die Gegner zu verunglimpfen und zu disqualifizieren. Ich bewundere diese Leute für dem Mut, damit zuzugeben, dass ihnen vernünftige und nachvollziehbare Gründe für ein Ja fehlen. Ich kann nur Mitleid für diese Kämpfer gegen jegliche Vernunft empfinden

  • GLC am 08.02.2018 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    als frau

    bei uns erledige ich als frau die anfallende büroarbeit,die billag rechnung tut schon etwas weh.zu beginn war ich sogar dafür die billag abzuschaffen.leider scheinen den initianten die argumente schon nach dem schlagwort zwangsgebühr auszugehen.stattdessen denkt man alle beleidigen zu dürfen die nicht derselben meinung sind.das ist schlicht unwürdig und wer so ausruft scheint es nötig zu haben.für mich ein argument, die sache nicht zu unterstützen.dass sich etwas ändern muss ist für mich klar,aber nicht auf diese art.

  • Giaianni am 08.02.2018 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Gut, ist bald alles weg!

    Habe sofort die Abschaffung befürwortet und zurück zu Gemeinde geschickt! Freue mich das Geld zu sparen! Fernsehen und Radio tue ich sowieso nicht mehr, gut so!

  • La rosa negra am 08.02.2018 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Billag-Rechnung zurückschicken

    Ich sollte meine Billag-Rechnung zurück schicken. Mit der Begründungm, ich bin eine Frau, also muss ich die ja nicht bezahlen. Ich glaube es hackt... Hören die sich eigentlich noch selber beim Reden zu?

  • Blueyonder am 08.02.2018 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für was?

    Was bringt das alles noch? Das Volk ist eh eingeknickt und lehnt die initiative ab. Ich werde für meine Stimmenthaltung wieder bestätigt wie immer seit ich 18 bin..