Secondos in der Armee

08. Februar 2018 08:11; Akt: 08.02.2018 08:11 Print

«Dank dem Militär kann ich jetzt Polizist werden»

Aus Stolz, weil es dazugehört oder um den Traumjob zu bekommen: Darum haben diese fünf Secondos Militärdienst geleistet.

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Secondos versuchen den Militärdienst für sich zu nutzen: Eine ETH-Umfrage bei 1291 Rekruten von 2014 zeigt, dass Personen mit Migrationshintergrund die Armee klar positiver bewerten als ihre Schweizer Kameraden. So erhoffen sich 44 Prozent der Secondos zu Beginn der Rekrutenschule, dass sich ihre Job-Chancen durch den Militärdienst verbessern. Bei den «Schweizer» Rekruten waren es 28 Prozent.

20 Minuten hat mit fünf Secondos gesprochen und sie gefragt, was die Armee ihnen gebracht hat:

Oktawian Staniec (22), angehender Polizist:

«Ich bin in Polen geboren und aufgewachsen. Mit 11 Jahren kam ich dann in die Schweiz und habe mit 20 den Schweizer Pass bekommen. Nach der Lehre zum Bäcker/Konditor arbeitete ich einige Zeit als Lagerist und machte meine Berufsmatur. Ins Militär wollte ich, da ich schon früh wusste, dass ich Polizist werden will. Darum habe ich mich dann auch für die harte Rekrutenschule entschieden und ging in die Truppe der Grenadiere.

Ich habe nie, weder in der Armee noch im Privaten, zu spüren bekommen, dass ich Secondo bin. Dank dem Militär habe ich das Auswahlverfahren für die Polizeischule locker bestanden. Auch bei den Gesprächen mit den Polizeipsychologen konnte ich mit der militärischen Ausbildung punkten. Denn als Grenadier muss man belastbar sein und seine Grenzen ausloten. Im Mai kann ich nun die Ausbildung zum Polizist beginnen. Darauf freue ich mich sehr.»

Lara Alabastro (29), Sale Agent bei einer Versicherung:

«Ich bin in der Schweiz geboren, aber in Italien aufgewachsen. Als ich mit 19 Jahren in die Schweiz kam, war für mich klar: Ich habe dieselben Rechte wie Schweizer, aber auch dieselben Pflichten. Darum wollte ich ins Militär. Anfangs war es recht schwierig, da ich einerseits die Sprache noch nicht so gut konnte und andererseits eine Frau war. Meine Familie in Italien war zuerst geschockt, dass ich als ihre einzige Tochter in die Armee ging. Heute sind sie stolz auf mich.

Es war eine tolle Erfahrung, die mir auch beruflich weitergeholfen hat: Meinen ersten Job bei einer Bank habe ich nur bekommen, da der Chef wusste, dass ich im Militär war. Auch heute ist es noch so, dass ich bei Bewerbungsgesprächen auf den Militärdienst angesprochen werde. Die meisten loben mich dafür. Mittlerweile habe ich alle Diensttage absolviert. Da ich das Militär aber sehr vermisse, bin ich einem Militärverein in Zürich beigetreten.»

Visar Maliqi (29), Filialleiter:

«Ich bin im Kosovo geboren und kam mit drei Jahren in die Schweiz. 2009 habe ich die Rekrutenschule als Übermittlungssoldat gemacht. Damals hatte es nicht so viele Secondos im Militär. Im Vergleich zu den Rekruten ohne Migrationshintergrund haben wir die Aufgaben viel präziser ausgeführt. Und unser Verhältnis war um einiges kollegialer.

Während der Zeit in der Armee habe ich oft mit meinen Kameraden über die Schweiz und auch die Politik diskutiert. Wir Secondos wussten teilweise mehr als die anderen. Unser Zugführer, der kein Secondo war, wusste beispielsweise nicht, wie viele Bundesräte es gibt. Im Nachhinein hat mir das Militär auch beruflich etwas gebracht: Ich lernte dort, etwas durchzuziehen und präzise zu arbeiten.»

Manimaran Visvalingam (35), Abteilungsleiter:

«Im Alter von acht Jahren bin ich aus Sri Lanka in die Schweiz gekommen. Ich wollte unbedingt in die Armee, da das nun mal dazu gehört, wenn man Schweizer ist – zu den Privilegien gehören auch Pflichten. Der Bürgerkrieg in meiner Heimat hatte nichts mit der Entscheidung zu tun. Als ich zur ersten Aushebung fürs Militär aufgefordert wurde, musste ich kurz zuvor meine Schulter operieren lassen. Deshalb sagten sie mir, ich solle ein Jahr später nochmals kommen. Blöderweise hatte ich während meiner zweiten Aushebung erneut einen Unfall und musste an der Schulter operiert werden. Darum erklärte man mich für untauglich.

Ich legte Rekurs ein und erhielt schliesslich Recht: Mittlerweile habe ich es dank meiner Motivation und meinem Ehrgeiz bis zum Oberleutnant geschafft. Das Militär hat mir im Beruf viel gebracht. Ich habe gelernt, eine Führungsperson zu sein und Entscheidungen zu treffen. Und für mich persönlich konnte ich mir Disziplin und Ordnung aneignen und lernen, nie aufzugeben. Die Zeit war eine Lebensschule für mich.»

A. B. (23), Logistiker:

«Ich bin kein grosser Fan der Armee. Denn durch meine Erlebnisse im Kosovo bezeichne ich mich eher als Pazifist. Beigetreten bin ich nur, damit ich nicht zahlen muss. Im vergangenen Sommer habe ich die Rekrutenschule bei der Luftwaffe gemacht.»

«Dank der vielen Bewegung und weil ich nur wenig gegessen habe, konnte ich während der RS insgesamt 18 Kilogramm abnehmen. Das war das einzig Gute am Militär. Ansonsten hatte ich nur Probleme mit Infektionen und meinem Arbeitgeber, der nicht wollte, dass ich Militärdienst leiste.»

(sil)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lisa am 08.02.2018 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach...

    1. Ich wünschte, mehr Leute, deren Vorfahren ins siebte Glied zwischen Alpen und Rhein geboren worden sind, hätten das Prinzip der Demokratie so verstanden wie Manimaran Visvalingam: Rechte UND Pflichten machen den Bürger, die Bürgerin aus. 2. Für mich sind das nicht "Secondos". Für mich sind das schlicht Schweizer Bürgerinnen und Bürger.

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  • DD Infantrie am 08.02.2018 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Armee glaubenswürdig?

    Die Aussage von Visar Maliqi das sein Zugführer nicht mal wusste wie viel Bundesräte das es gibt, zeigt doch schon welche fragwürdigen Presönlichkeiten in der Armee Karriere machen. Ich selbst Durchdiener, hab das selbst erlebt und fragte mich oft wie solche Personen an höhere Kader stellen gekommen sind.

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  • H.g.u am 08.02.2018 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besserwisser

    Ich habs auch viel erlebt, dass ich als Secondo mehr über die Schweiz informiert war als die Schweizer selbst. Ich denke, es kommt daher das wir uns viel mehr Mühe geben um ebe nicht als Ausländer zu gelten sondern um dazu zu gehören.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kappa77 am 08.02.2018 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dienst an der Gesellschaft für Alle

    Ich bin dafür dass alle die , die in der Schweiz aufgewachsen sind egal ob mit / ohne CH Pass oder ob Frau oder Mann nach der Ausbildung 1 Jahr Dienst an der Gesellschaft leisten müssten. Egal ob Militär, Zivildienst, Zivilschutz, Feuerwehr, Katastrophenschutz oder einfach Landschaftspflege.. Dafür bekommen Sie eine Vereinfachte Einbürgerung und mit den Pflichten auch die Rechte zum mitbestimmen

  • Piso am 08.02.2018 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Hochachtung

    gilt allen Frauen, die da freiwillig mitziehen sowie allen Secondos, die deswegen nicht auf die Einbürgerung verzichten. Solche Leute braucht das Land.

  • Sonia Sakaya am 08.02.2018 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mein bro der Kurde ist

    hat den Wehrdienst am stuck nur geleistet um es hinter sich zu bringen nach der Ausbildung und um etwas mehr Geld zu Kriegen

  • Marcel am 08.02.2018 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Militär

    Ich bin froh habe ich diesen Mist nicht mitgemacht. Ich wusste halt wie man sich untauglich machen lässt. Klar ich musste Wehrpflichtersatz bezahlen. Aber jetzt auch nicht mehr. In der CH ist man ja sowiso erst ein Mann wenn man die RS absolviert hat. Dann haben wohl die zahlreichen Länder wo die Wehrpflicht abgeschafft wurde halt keine Männer.

  • Walter am 08.02.2018 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr guter Typ

    Ich habe auch einen Offizier kennengelernt der mit vic endet und er ist ein Vorbild von einem Offizier und würde alles auch für die Schweiz tun, auch alle anderen schätzen Ihn.