Zoff in der Arena

03. Februar 2018 11:01; Akt: 03.02.2018 16:06 Print

«Herr Kessler, Sie haben Ihre Initiative verraten»

In der SRF-Arena zu No Billag kam es zum Clash zwischen Moderator Projer und Initiant Olivier Kessler.

Die besten Szenen aus der Abstimmungs-Arena. (Video: Tamedia)
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«Wollen Sie, dass im SRF künftig Sex-Filme laufen?», fragt Arena-Moderator Jonas Projer den No-Billag-Initianten Andreas Kleeb. Das Publikum im SRF-Studio kichert leise vor sich hin. «Es ist dann dem Management überlassen, wie sie das Angebot gestalten wollen», antwortet Kleeb. SP-Fraktionschef Roger Nordmann ist empört: «Nein, Herr Kleeb, im Ernst? Ich will nicht, dass man mit Sex-Sendungen die Information finanzieren muss!» Projer fragt nochmals nach. Kleeb lenkt ein: «Nein, das gehört nicht in eine SRG, auch nicht in eine private.»

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Wer hat sich im Streit durchgesetzt?

Grund dieser Diskussion: In der dritten Arena-Sendung zur No-Billag-Initiative ging es am Freitag auch um die Frage, ob man neben Sport, Filmen und Sex auch Info-Sendungen durch freiwillige Abos finanzieren kann. «Ja», sagen die Initianten und zitieren eine Studie vom Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen Ernst & Young. «Nein», sagt Dominik Kaiser vom Privatsender 3+ in einem Einspieler: «Gut gemachte Info-Sendungen ohne Gebührengelder sind in der Schweiz nicht machbar.»

«Frau Leuthard, was haben Sie für ein Menschenbild?»

Zu Beginn der Sendung stellt Medienministerin Doris Leuthard die Position des Bundesrats vor und wird von Projer mit Fragen gelöchert. Die bissigste Frage stellt jedoch wenig später Initiant Olivier Kessler: «Frau Leuthard, was haben Sie eigentlich für ein Menschenbild? Ist der Schweizer Bürger erwachsen und mündig, oder ein zu erziehendes Kind?»

Jeder Bürger solle über die Ausgaben für seinen Medienkonsum selbst entscheiden, und nicht zum Zahlen von Gebühren gezwungen werden, so Kessler. Leuthard entgegnet, Kessler wolle mit seiner Einstellung wohl auch keine Steuern zahlen. Es gebe aber Aufgaben, die die Allgemeinheit finanzieren solle. Auch wer nie Zug fahre finanziere beispielsweise schliesslich den Schienenverkehr mit.

Zoff zwischen Initiant und Moderator

Initiant Kessler und Moderator Projer geraten sich im Laufe der Sendung derart in die Haare, dass die Aussagen von den Diskussionsteilnehmern Gregor Rutz (SVP) und Joachim Eder (FDP) zur Nebensache werden. Projer steht direkt neben Kessler, die beiden schauen sich tief in die Augen.

Kessler: «Sie haben anmoderiert, die SRG dürfe keine Gebühren mehr erheben. Das ist falsch. Selbstverständlich dürfen Sie Gebühren erheben, wenn die Leute freiwillig dafür zahlen ...»

Projer: «Aber Herr Kessler ...» (Projer berührt Kessler kurz am Arm)

Kessler: «Nein, sie können mich nicht unterbrechen, wenn ich meinen Punkt noch nicht ausgeführt habe.»

Projer: «Doch!» (Projer schreckt zurück und verschränkt die Arme) «Ich versuche, die Begriffe zu klären.»

Darauf sammeln sich die beiden und es folgt eine Diskussion um den Unterschied zwischen Gebühren und Zwangsgebühren. «Es ist immer unangenehm, wenn es eine Spannung zwischen der Moderation und dem Gast gibt», sagt Projer später in der Sendung. Er wolle nun aber trotzdem kritische Fragen an Kessler stellen. Kessler schreitet zum «Prüfstand»-Podium.

Streit um staatliche Gelder

«Die Leute haben ihrem Argument nicht geglaubt, dass es normal weitergeht, wenn man drei Viertel der SRG-Einnahmen streicht. Und darum haben Sie letzte Woche ihre eigene Initiative verraten. Sie kamen und wollten doch wieder öffentliche Gelder», sagt Projer.

Er spielt auf den Plan B an, welchen die Initianten kürzlich präsentiert haben. Obwohl im Initiativtext Subventionen verboten werden, rechnen die No-Billag-Leute mit Steuergeldern von 50 bis 300 Millionen Franken (20 Minuten berichtete). Kessler verteidigt das Papier: «Es handelt sich um Szenarien, nicht um Wunschvorstellungen. Meine Wunschvorstellung ist nur das Szenario 1 mit 50 Millionen Staatsgeldern.»

Ein hoher Stapel 10er-Nötli

Zum Abschluss der Sendung geht es um die Frage, ob die SRG bei einem Nein Reformen einleiten würde. Doris Leuthard warnt davor, dass man bei Einsparungen Sendungen steichen müsste. Kessler erwidert: «Man kann auch effizienter produzieren. Die SRG erhält jedes Jahr 1,3 Milliarden Franken. Wissen Sie, wie hoch der Stapel wäre, wenn man dieses Geld in 10er-Noten aufeinander legt? Dreizehn Kilometer. Das ist dreimal so hoch wie das Matterhorn, Frau Bundesrätin.»

Leuthard betont, dass auch für die Landwirtschaft und die Armee Milliarden ausgegeben würden. «Das sind Aufgaben, die nicht gratis sind.» Auch um die Kultur im viersprachigen Land, die Musik- und die Filmschaffenden bräuchten Unterstützung, um ihre Werke an den Mann bringen zu können.

Die ganze Sendung können Sie auf der Website des SRF anschauen.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urs Schäppli am 03.02.2018 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Projer...

    Ich verstehe nicht warum Projer sich als "Moderator" immer wieder emotional in die Diskussion einmischt..

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  • Franck am 03.02.2018 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher nicht

    Proijer und seine Arena haben alles dran gemacht um ihre goldene Käfig nicht zu verlieren. Eine Schande für die SRG

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  • Kurt am 03.02.2018 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medienvielfalt

    3 Arena Sendungen zu einer Initiative. Wenn das nicht ein Versuch ist, um jeden Preis die eigenen Interessen zu verteidigen. Die SRG nennt es "Medienvielfalt".

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Die neusten Leser-Kommentare

  • EyeInTheSky am 04.02.2018 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht zu weit!

    Natürlich gehen die Emotionen hoch, nichts desto trotz handelt es sich nur um eine Abgabe. Moderatoren Familie/Kinder zu bedrohen geht aber zu weit.

  • Aldy am 04.02.2018 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaubt den in der Schweiz im ernst einer...

    Das wir als mpndige Bürger wahrgenommen werden ? Ja ? Dann soll mir mal einer Erklären was all die Verbote dann als Rechtfertigung haben welche alleine auf Selbstschädigung hinauslaufen wie z.b. Drogenkonsum, anschnallen im Auto Helmtragen und so weiter, wären wir tatsächlich mündige Bürger dann wären alle diese Gesetze nicht nötig, wir sind alles andere als frei, der Staat sagt genau was wir dürfen und was nicht, und sonst wird man bestraft in der Schweiz wird einem Freiheit gut verkauft tatsächlich hat man auch wenig davon....Leider

    • Roli1966 am 04.02.2018 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Aldy

      und ohne diese Regeln wäre alles besser? Leider sind eben sehr viele Erwachsene alles andere als mündig

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  • Anna am 04.02.2018 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Thema Gebühr

    Während Steuern ohne konkrete Gegenleistung erhoben werden, setzt die Erhebung von Gebühren die tatsächliche Inanspruchnahme einer Leistung voraus. Dabei wird zwischen Benutzungsgebühren und Verwaltungsgebühren unterschieden. Abzugrenzen ist die Gebühr von den Beiträgen, die für die bloße Bereitstellung einer Leistung unabhängig von ihrer tatsächlichen Inanspruchnahme erhoben werden. Beispielsweise wird in Deutschland seit 2013 keine Rundfunkgebühr mehr erhoben, sondern ein Rundfunkbeitrag. ~wikipedia

    • Roli1966 am 04.02.2018 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anna

      dann nennen wir das eben Beitrag - ändert gar nichts

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  • Beobachter 73 am 04.02.2018 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neuer Bestatter...

    Herr Projer ist der neue SRF Bestatter...

  • Xavier Bachmann, Berlingen am 04.02.2018 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Erpresser SRG mit JA zum Sparen zwingen

    Die SRG wird auch bei der 200 Franken Initiative sagen, dass sie dann schliessen müsse. Das ist nun ihr Plan B für jede Budgetkürzung. "Auch nur eine Million sparen? Dann liquidieren wir die SRG und entlassen alle Mitarbeiter!" Lasst euch nicht erpressen, stimmt bitte JA, sonst sparen die nie und wollen immer mehr.

    • Roli1966 am 04.02.2018 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Xavier Bachmann, Berlingen

      funktioniert leider nicht

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