Stiefkind-Adoption

14. Dezember 2012 07:30; Akt: 14.12.2012 09:53 Print

«Homos sind genauso gute Eltern wie Heteros»

von Simon Hehli - Künftig dürfen Schwule und Lesben Kinder ihrer Partner adoptieren. Regenbogenmutter Martina Scheibling erklärt, warum sie trotzdem nicht jubelt – und warum ihren Kindern kein Vater fehlt.

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Martina Scheibling von Känel (links) mit ihrer Partnerin Maria von Känel Scheibling und den gemeinsamen Kindern. Die beiden Frauen sind im Vorstand des Vereins Regenbogenfamilien tätig, der sich für die Gleichstellung von homosexuellen mit heterosexuellen Eltern einsetzt. (Bild: ZVG)

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Sie haben zusammen mit ihrer Partnerin zwei Kinder, eines davon haben Sie geboren. Der Nationalrat hat am Donnerstag den Weg freigemacht, damit Sie nun durch Stiefkindadoption auch rechtlich eine Familie werden können. Ein grosser Tag für Sie?
Martina Scheibling von Känel: Ja – auch wenn ich noch nicht am Triumphieren bin: Das Gesetz muss nun vom Bundesrat umgesetzt werden.

Umfrage
Sollen Homosexuelle künftig Kinder ihrer Partner adoptieren dürfen?
61 %
34 %
5 %
Insgesamt 6428 Teilnehmer

Was bedeutet die Möglichkeit der Stiefkindadoption für Sie?
Der Entscheid ist eine Anerkennung unserer Form von Familie. Unsere beiden Kinder werden künftig geschützt sein, wenn etwas Schlimmes passiert – so können sie etwa eine Invalidenrente bekommen, wenn meiner Partnerin oder mir etwas zustösst. Das ist heute nicht möglich.

SVP-Nationalrat Oskar FreysingerOskar
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SVP, VS
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betonte in der Debatte, ein Junge könne seine sexuelle Identität nur mit einem väterlichen Vorbild entwickeln. Besteht nicht die Gefahr, dass Ihr Bub verweiblicht wird?

Nein, diese Angst ist völlig unbegründet. Wir leben ja nicht in einem Vakuum. Unsere Kinder haben genug männliche Bezugspersonen, etwa die Göttis oder die Nachbarn. Es gibt auch genug Studien, die belegen, dass Kinder in Regenbogenfamilien keinerlei Schaden nehmen. Mit dem gleichen Argument könnte man sich ja auch gegen alleinerziehende Väter oder Mütter richten – da ist es genau so wenig stichhaltig.

Auf der Linken hingegen war die Rede von Gleichbehandlung. Ist das nicht sowieso eine Illusion, weil Schwule viel schwerer an ein eigenes Kind herankommen können als Lesben?
Es gibt Schwule, die dasselbe Problem haben wie wir. Zum Beispiel solche, die aus einer früheren hetereosexuellen Beziehung ein Kind haben, dessen Mutter verstorben oder nicht mehr präsent ist. Oder Männer, die im Ausland ein Kind adoptiert haben und wollen, dass ihr Partner zum gleichberechtigten Vater wird.

2005 sagte das Volk auch darum Ja zum Recht auf eingetragene Partnerschaften, weil Adoptionen verboten blieben. Spielen die Homosexuellen und ihre Verbündeten im Parlament mit gezinkten Karten, wenn Adoptionen nun doch möglich werden?
Wir haben nichts versprochen. Als wir Unterschriften sammelten für unsere Petition für die Stiefkindadoption, waren viele Leute schockiert, als sie erfuhren, dass eine solche bis jetzt verboten ist. Seit das Partnerschaftsgesetz ausgearbeitet wurde, sind fast zehn Jahre vergangen. Es war klar, dass die Adoptionen wieder zum Thema würden. Die gesellschaftlichen Realitäten verändern sich – und die Politik muss sich diesen anpassen.

Einen Sieg auf der ganzen Linie können die Homosexuellen nicht verbuchen: Im Gegensatz zum Ständerat gab der Nationalrat kein grünes Licht für die Volladoption. Wie schwer wiegt die Enttäuschung darüber?
Der wichtigste Punkt für uns ist, dass die bestehenden Familien durch die Stiefkindadoption eine rechtliche Absicherung erhalten. Was die Adoption von anderen Kindern anbelangt, werden wir aber trotzdem dranbleiben und weiterhin Aufklärungsarbeit betreiben.

Wieso sollten Schwule und Lesben auch fremde Kinder adoptieren können?
Sie können genau so gute Eltern sein wie Heterosexuelle. Es geht ja auch nicht immer um völlig fremde Kinder: Ein schwuler Götti darf sein Patenkind, dessen Eltern gestorben sind, nicht adoptieren, wenn er in einer eingetragenen Partnerschaft lebt. Wäre er ungebunden, wäre es hingegen möglich. Es sind solche komischen gesetzlichen Regelungen, die wir ändern wollen.

Es ist abzusehen, dass nun auch der Ständerat von der Volladoption abrückt. Befürchten Sie, dass das Thema dann vom Tisch sein wird?
Vorerst könnte das schon passieren. Aber irgendwann wird die Zeit reif sein, dass die Schweiz auch diesen Schritt wagt. Denn wie gesagt: Es spricht einfach nichts dagegen.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Das kann ich nur bestätigen. Ich bin selber in einer homosexuellen Beziehung gross geworden. Nachdem meine Mutter gestorben ist, bin ich mit 6 Jahren zu meinem Vater und dessen Lebenspartner gezogen. Geschadet hat es mir nicht. Schwul bin ich deswegen auch nicht geworden und auch Hänseleien gab es nicht. Mein Vater und sein Freund sind seit mittlerweile 40 Jahren zusammen, es gibt nicht viele Heterobeziehungen die so lange halten. – Mäseli

ich lebe in Israel und hier dürfen Homosexuelle Paare auch Kinder haben (z.b. ein lesbisches Paar darf durch Samenspende ein eigenes Kind haben)..ich verstehe nicht warum dies ein Problem sein soll.. kommt doch nicht auf das Geschlecht der Eltern an..die Kinder sollen sich geliebt und gewollt fühlen, das ist das wichtigste! – susi gogol

Und ob etwas dagegenspricht! Die Erklärungsnot die einem Kind aufgezwungen wird, wenn es auf diese Form von Familie resp. der sexuellen Ausrichtung seiner "Eltern" angesprochen wird. Alles spricht momentan von Mobbing und genau so wird dieses auf dem Pausenhof auch gefördert. Zudem gibt es unzählige, leidige Prozesse die geführt werden, damit einem heterosexuellen Elternteil das Recht zugesprochen wird, für sein Kind zu sorgen. Wieso sollen homosexuelle plötzlich besser gestellt sein? – Hugen Tobler

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sabrina Strebel am 14.12.2012 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Absurdes Verbot

    Das Verbot ist absurd. Ich habe bis jetzt keine Argumente lesen können, die dagegen sprechen. Alles wie Hänseleien, Religion, Natur, Mann & Frau sind Scheinargumente. Fast alle Kinder werden aus irgendwelchen Gründen gehänselt (z.B. keine Marken Klamotten). Religon... oje... Flora und Fauna kennen die Homosexualität und letzteres: Ob Mann & Frau, dafür gibt es keine rationalen Argumente.

  • C.B. am 14.12.2012 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schon interessant...

    ... da wird von armen Kindern gesprochen die in der Schule gehänselt werden. Aber persönlich hat niemand etwas gegen gleichgeschlechtliche Paare. Wenn also jeder seinen Kindern diese Grundhaltung mitgibt, warum sollte dann ein Kind mit gleichgeschlechtlichen Eltern gemobbt werden? Kindern spiegeln vor allem die Werthaltung der Eltern

  • Doesn't matter am 14.12.2012 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache Liebe

    Ich bin ein Scheidungskind, meine Eltern waren nie da, als ich aufgewachsen bin. Ich habe meine Kollegen nicht beneidet, weil sie eine intakte Familie hatten, sondern weil sie die Liebe erfahren haben, die ich immer gesucht habe. Ich wäre lieber in einer Regenbogenfamilie aufgewachsen, hauptsache ich hätte eine Familie, die mich liebt, gehabt...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ralph Wagner am 14.12.2012 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Natur?

    Wer behauptet, dass die Adoption bei gleichgeschlechtlichen nicht von der Natur vorgesehen ist, der sieht wohl nicht, dass weder die Ehe oder die Adoption allgemein von der Natur vorgesehen ist. Auch die künstliche Befruchtung ist wie der Name schon sagt, nicht natürlich. Wir leben heute aber nicht in einem Naturvolk sondern in einer modernen, zivilisierten Gesellschaft und einem Rechtsstaat. Sollten wir jedenfalls.

  • Sabrina Strebel am 14.12.2012 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Absurdes Verbot

    Das Verbot ist absurd. Ich habe bis jetzt keine Argumente lesen können, die dagegen sprechen. Alles wie Hänseleien, Religion, Natur, Mann & Frau sind Scheinargumente. Fast alle Kinder werden aus irgendwelchen Gründen gehänselt (z.B. keine Marken Klamotten). Religon... oje... Flora und Fauna kennen die Homosexualität und letzteres: Ob Mann & Frau, dafür gibt es keine rationalen Argumente.

  • hansepeti am 14.12.2012 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    kinder müssen zwingend beide seiten mit allen stärken/schwächen kennenlernen. es wird mir schlecht wenn ich frauenpaare sagen höre, es brauche den mann gar nicht. umgekehrt haben homos die pflicht, dem kind die weiblichen veranlagungen näher zu bringen. ob das geht bezweifle ich. genauso, wie hetero paare welche sich nach karriere und efh noch kinder "leisten".. sorry, aber rein von der fam aufstellung war es früher nicht besser, aber klarer

  • Markus Blocher am 14.12.2012 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Wenn diese Paare aufgrund ihrer Einstellung von der Natur aus keine Kinder kriegen können, sollen sie auch keine adoptieren dürfen. Auch zum Wohle des Kindes.

  • chrigi am 14.12.2012 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    finde ich nicht zwingend gut

    Grundsätzlich denke ich, das andere Gründe als die Sexualität der Eltern im Vordergrund stehen, wenn es um die Frage des Kindswohl geht. Trotzdem bin ich skeptisch, denn der Hund liegt wie immer im Detail. Fremdadoptionen bleiben verboten, was aber ohnehin schwierig wäre für homosexuelle Paare. Kinder werden meist nur an absolute Musterpaare vergeben. Somit gäbe es nur die Möglichkeit, das Kind des Lebenspartner zu adoptieren, was eigentlich nur Lesben betrifft, da Kinder bei einer Trennung fast immer bei der Mutter landen. Dementsprechend würden Schwule dabei krass benachteiligt werden.

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