Fiala nach Plagiat

12. Juli 2013 14:59; Akt: 12.07.2013 15:58 Print

«Ich bin beschämt»

von Désirée Pomper - Die ETH hat Doris Fiala den Mastertitel entzogen. Doch die FDP-Nationalrätin gibt sich nicht geschlagen: Sie will in den Sommerferien eine neue Arbeit verfassen.

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In Deutschland sorgten zwei grosse Plagiatsfälle für Aufsehen: trat im Februar 2013 von ihrem Amt zurück. Der Druck in der Affäre um ihren aberkannten Doktortitel war für die enge Vetraute von Kanzlerin Angela Merkel zu gross. Das war knapp: Der SPD-Fraktionsvorsitzende wird am 5. November 2013 von der Universität Giessen von den Plagiatsvorwürfen gegen seine Arbeit freigesprochen - er darf seinen Doktortitel behalten. Doch die Liste der entlarvten Plagiate ist lang, wie die folgenden Bilder zeigen. FDP-Nationalrätin musste sich Plagiat vorwerfen lassen. Ein Expertengutachten kam zum Schluss, dass Fiala zahlreiche Inhalte ohne korrekten Nachweis übernommen hat. Der ETH-Rektor erklärte die Arbeit für nicht bestanden. Fiala hat angekündigt nun eine neue Masterarbeit zu schreiben, um so ihren Titel zurückzubekommen. Neben Doris Fiala tauchte auch der Name von im Zusammenhang mit Plagiatsvorwürfen auf. Der langjährige Direktor des medizinhistorischen Instituts der Universität Zürich soll laut der «Rundschau» mehrere Doktortitel quasi verschenkt haben. Mörgeli vergab die Doktortitel für das Übersetzen alter Texte. Daraufhin wurde die Forderung laut, auch seine Dissertation auf Plagiate zu überprüfen. Der Fall hat immer weitere Kreise gezogen. Zuletzt hat die Uni Zürich eine Anzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung gegen ihn eingereicht. Dies weil er den Namen einer Expertenkommission öffentlich gemacht hatte. Im September 2012 wurde der der Doktortitel aberkannt. Der Schweizer Ärzteverband VSAO hatte Estermann das Recht abgesprochen, sich Dr. med. zu nennen. Mit dem Entscheid darf sie nur noch den von ihr 1993 in Bratislava erworbenen «MU Dr., Comenius-Universität in Bratislava» führen. Dieser Titel beruht nicht auf dem Abschluss einer Dissertation. Berühmtestes Plagiatsbeispiel ist und bleibt wohl der Fall Guttenberg: Im Februar 2011 wurde bekannt, dass in seiner Doktorarbeit Textpassagen wörtlich und ohne Quellenangaben übernommen hatte. Nur zwei Wochen nach Bekanntwerden der Vorwürfe, war Guttenberg seinen Doktortitel und sein Amt los. Nach dreimonatiger Prüfung kam die Kommission «Selbstkontrolle in der Wissenschaft» in ihrem rund 40 Seiten langen Bericht zum Schluss, dass zu Guttenberg in seiner Doktorarbeit vorsätzlich getäuscht hatte. Die Doktorarbeit von , deutsche FDP-Politikerin und Mitglied des Europäischen Parlaments, weist auf 80 Seiten rund 125 Plagiate auf. Die Universität Heidelberg hat der Politikerin nach einem Gerichtsentscheid deshalb den Doktortitel entzogen. Russlands Präsident soll Teile seiner Doktorarbeit dem Buch «Strategic Planning and Policy» aus den USA entnommen haben. «Zweifellos ein Plagiat», war sich zumindest Clifford G. Gaddy von der Washingtoner Brookins Institution sicher. Dem ehemaligen wurde vorgeworfen in seinen Memoiren «Decision Points» bei anderen Autoren abgeschaut und Inhalte von Zeitungsartikeln verwendet zu haben - und dies ohne die Quellen anzugeben. Der Bestseller-Autor musste sich Vorwürfen stellen, dass sein Buch «Sakrileg» ein Plagiat ist. Er soll dafür Thesen des Buchs «Der heilige Gral und seine Erben» verwendet haben. Ein britische Gericht entschied jedoch, dass Sakrileg kein Plagiat ist. Dan Brown war nicht der einzige berühmte Autor, der mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert wurde. Mit einer Schadensersatzklage zog die amerikanische Kinderbuchautorin Nancy Stoufler vor einigen Jahren gegen Bestseller-Autorin vor Gericht. Sie behauptete, dass Rowling nicht die Urheberin von Harry Potter sei. Das Gericht wies die Klage ab. Plagiate gibt es nicht erst seit kurzer Zeit. Viele grosse Dichter haben bereits früher bei ihren Kollegen abgeschaut und dies oft auch öffentlich zugegeben. Einer von ihnen war , der sich für die «Dreigroschenoper» bei einem mittelalterlichen Dichter bedient hatte. Und so bediente sich auch für seine Bühnenstücke gerne einmal bei anderen Autoren.

Die Masterarbeit der FDP-Nationalrätin Doris Fiala enthält Plagiate.

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Frau Fiala, die ETH hat Ihnen den Mastertitel entzogen, weil Ihre Arbeit Plagiate enthält. Wie geht es Ihnen?
Doris Fiala:
Glauben Sie mir, es ist wirklich hart für mich. Ich bin beschämt und emotional berührt. Es tut mir wahnsinnig leid, was passiert ist. Ich könnte mir die Haare raufen, dass ich so ein Lappi war und die Zitierregeln nicht genügend befolgt habe. Aber das Wichtigste für mich ist, dass die ETH ausgeschlossen hat, dass ich betrügen wollte und ich nicht vorsätzlich gehandelt habe.

Haben Sie Verständnis für den Entscheid der ETH?
Es nützt nichts, über diese Frage zu grübeln. Es ist jetzt einfach so und ich mache das Beste daraus. Man muss einfach seine Trägheit überwinden und wieder in die Hosen steigen. Ich bin ja noch nicht 95.

Sie haben bereits angekündigt, eine neue Masterarbeit zu schreiben. Warum tun Sie sich das an?
Die ganze Schweiz schaut auf mich. Ich will zeigen, dass ich einen Fehler wieder gutmachen will. Ausserdem habe ich, nachdem ich drei Kinder grossgezogen habe, meine Laufbahn Schritt für Schritt aufgebaut. Das lasse ich mir nicht kaputt machen. Ich habe so viel Zeit und Geld – rund 65’000 Franken – in diesen Master gesteckt. Man soll sehen, dass ich nicht aufgebe, sondern weiterkämpfe. Ich bleibe nicht auf dem Misserfolg sitzen.

Über welches Thema werden Sie Ihre neue Arbeit verfassen?
Ich habe tatsächlich bereits ein neues Thema für eine weitere Masterarbeit im Kopf. Es wird sich wieder um ein Sicherheitsthema handeln. Es muss aber zuerst noch von der ETH abgesegnet werden, deshalb möchte ich es noch nicht kommunizieren. Ausnahmsweise haben mein Mann und ich diesen Sommer keine Ferien geplant. Das heisst, dass ich mich bereits ab nächster Woche wieder in die Fachliteratur knien werde.

Werden Sie diesmal vorsichtiger mit den Fussnoten umgehen?
Das ist ja wohl klar. Ich habe meine Lektion gelernt. Ausserdem werde ich meine Arbeit eigenhändig durch ein Plagiatserkennungsprogramm lassen, bevor ich sie abgebe. So ein Fehler passiert mir nicht noch mal.

Werden Sie Ihre neue Masterarbeit wieder auf Ihre Homepage stellen?
Zuerst muss ich sie geschrieben haben, dann muss sie geprüft werden. Dann sehen wir weiter.

Denken Sie, dass Sie den Mastertitel beim zweiten Versuch bekommen werden?
Ich mache alles, beim zweiten Anlauf zu genügen. Ich weiss ja jetzt, was ich nicht mehr machen darf.

Die ETH hat angekündigt, die Regeln für die wissenschaftliche Praxis besser zu verankern.
Das ist dringend notwendig. Von anderen Universitäten und Fachschulen habe ich erfahren, dass dort sogar Semesterarbeiten einem Plagiats-Check unterzogen werden.

Ist Ihre Glaubwürdigkeit als Nationalrätin durch den Titelentzug beeinträchtigt?
Ich glaube nicht, dass mir die Geschichte schaden wird. Die ETH sagt ja explizit, dass ich weder betrogen noch geschummelt habe. Mir ist dieser Fehler passiert und ich lebe jetzt damit. Ich glaube, die meisten Leute denken, dass ich damit schon genug gestraft bin. Berufliche oder politische Konsequenzen muss ich deswegen nicht ziehen.

Warum sind Ihnen die Zitierfehler überhaupt unterlaufen?
Zu Beginn des Studiums bekam ich ein 12-seitiges englisches Handbuch. Doch ich war so vom Studium, dem Zeitmanagement, von Armee- und Sicherheitsfragen absorbiert, dass ich es nur kurz durchblätterte und ihm keine grosse Beachtung schenkte. Ich hatte in diesem Moment andere Sorgen als Fussnoten. Hinzu kommt: Ich habe keinen akademischen Hintergrund. Die Masterarbeit war meine erste wissenschaftliche Arbeit überhaupt. Deshalb hatte ich keine Erfahrungen mit dem Zitieren. Zum Studiengang wurde ich von der ETH auf Grund meiner Vorbildung, meiner Berufserfahrung und meiner Arbeit im National- und Europarat zugelassen. Der ETH war einfach zu wenig bewusst, dass besonders eine exponierte Person wie ich, die zudem noch nie wissenschaftlich gearbeitet hat, besser begleitet und kontrolliert werden müsste.

Ihre Masterarbeit wurde einem Plagiatscheck unterzogen, nachdem Ihre Ambitionen fürs Zürcher Stadtpräsidium publik wurden. Wissen Sie inzwischen, wer dahintersteckt?
Ich bin überzeugt, dass es sich um einen gezielten politischen Angriff gehandelt hat. Es ist unglaublich, mit welch harten Bandagen heutzutage gekämpft wird. Die Frage, wer dahinter stecken könnte, hat mich zuerst zermürbt. Doch ein guter Freund gab mir den Rat, mich davon zu befreien, und hat Goethe zitiert: «Was klagst du über Feinde? Sollten solche je werden Freunde, denen das Wesen, wie du bist, im Stillen ein ewiger Vorwurf ist». Ich blicke jetzt nach vorne und werde mich nicht weiter hintersinnen. Es ist, wie es ist.

Hatte die Affäre auch eine gute Seite?
Ich habe unzählige Zuschriften bekommen, auch von Professoren und Ärzten, denen es leid tut, dass ich unter die Räder gekommen bin. Sie schrieben mir, dass sich viele Akademiker fürchten müssten, wenn man ihre Arbeiten heute mit einem Plagiatsprogramm scannen würde. Alles in allem: Noch nie habe ich so grossen Zuspruch aus der Bevölkerung erhalten. Dafür bin ich sehr dankbar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S.J. am 12.07.2013 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und Tschüss

    Betrug bleibt Betrug. Wie viel mal hat sie das noch gemacht? Sorry dies heisst, den Hut nehmen. Wie Herr Mörgeli.

  • Kurt am 14.07.2013 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abtreten

    Diese frau ist betrügerin und muss sofort abgesetzt werden. Am kann ihr nicht mehr trauen

  • Werner am 14.07.2013 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nicht nur beschämend sondern Pfui

    Solche Politiker sind kein Vorbilder, welche sich mit fremden Federn schmücken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner am 14.07.2013 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nicht nur beschämend sondern Pfui

    Solche Politiker sind kein Vorbilder, welche sich mit fremden Federn schmücken.

  • Malin am 14.07.2013 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Ärgernis

    Politiker geben immer nur soviel zu, wie man ihnen beweisen kann. Genau wie bei der Kirche!

  • Kurt am 14.07.2013 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine titel in indien gekauft

    Ich alle meine arbeiten in indien schreiben lassen. Durch das übersetzen ist ein plagiat nachweis nicht mehr möglich

  • Kurt am 14.07.2013 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit geld

    Hier sieht ma das man sich mit der nötigen frechheit und skrupellosogkeit alles kaufen kann

  • Kurt am 14.07.2013 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abtreten

    Diese frau ist betrügerin und muss sofort abgesetzt werden. Am kann ihr nicht mehr trauen