Israelischer Botschafter

28. November 2012 15:34; Akt: 28.11.2012 15:42 Print

«In der Uno verschwenden die Palästinenser Zeit»

von Lukas Mäder - Der Bundesrat will den Palästinensern eine stärkere Position in der Uno verschaffen – und riskiert damit die guten Beziehungen zu Israel. Botschafter Yigal B. Caspi zeigt sich gelassen.

storybild

«Es wird keine harsche Reaktion Israels geben»: Yigal B. Caspi, der Botschafter Israels in Bern. (Bild: pd)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Schweiz unterstützt das Anliegen Palästinas, in der Uno zum Beobachterstaat aufgewertet zu werden. Sind Sie enttäuscht?
Yigal B. Caspi: Wir haben uns im Vorfeld mehrmals mit dem Bundesrat über das Thema ausgetauscht und gehofft, dass er unsere Position akzeptiert. Aber die Schweiz hat ihre eigene Sicht auf die Dinge.

Belastet der Entscheid die Beziehungen zur Schweiz?
Wir haben gute bilaterale Beziehungen zur Schweiz. Unter Freunden nimmt man nicht eine einzelne Abstimmung zum Anlass, diese zu ändern. Ausserdem betrifft die Resolution nicht direkt die Beziehungen zwischen Israel und der Schweiz.

Dann werden Sie keinen diplomatischen Protest einlegen?
Ich glaube nicht. Wir werden die Abstimmung in der Uno abwarten und allenfalls darauf reagieren.

Bundesrat Didier Burkhalter nannte die Resolution pragmatisch und konstruktiv.
Ich würde sie nicht konstruktiv nennen. Die Resolution legt den Fokus auf den Uno-Status statt auf Verhandlungen. Die Palästinenser verschwenden ihre Zeit in der Uno. Ich verstehe nicht, warum sie nicht zu uns kommen und verhandeln. Israel ist bereit, morgen Verhandlungen zu beginnen. Der Uno-Status ändert nichts am Friedensprozess.

Kritische Stimmen hierzulande fürchten, dass die Rolle der Schweiz als Vermittlerin im Nahen Osten Schaden nimmt. Was denken Sie?
Ich glaube nicht. Nur weil wir nicht in allem gleicher Meinung sind, werden wir ein Vermittlungsangebot nicht zurückweisen. Aber fehlende Vermittler sind nicht das Problem.

Sondern?
Es fehlt der Wille, die richtigen Verhandlungen zu beginnen. Die Palästinenser stellen dafür Vorbedingungen.

Kann die Abstimmung über den Uno-Status daran etwas ändern?
Die palästinensische Seite hat versprochen, nach der Uno-Abstimmung Verhandlungen zu beginnen. Wir müssen zusammensitzen und alle schwierigen Probleme auf den Tisch legen. Es werden keine einfachen Gespräche. Aber für einen Fortschritt im Friedensprozess braucht es direkte Verhandlungen. All die unzähligen Uno-Resolutionen zum Nahostkonflikt haben nie etwas gebracht.

Dann wird Israel nicht mit Retorsionsmassnahmen reagieren, wenn Palästina Beobachterstaat in der Uno wird?
Wir müssen das Resultat der Abstimmung abwarten. Aber es wird keine harsche Reaktion Israels geben. Die Frage ist auch, was die Palästinenser tun werden. Als Beobachterstaat in der Uno können sie anfangen, Israel zu schikanieren. Beispielsweise indem sie den Internationalen Strafgerichtshof anrufen. Darauf würden wir reagieren. So könnten wir die unbezahlten Stromrechnungen der palästinensischen Autonomiegebiete in Millionenhöhe einfordern.

Vor zwei Wochen kam es im Gazastreifen zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Wie haben Sie die Haltung der Medien und der Bevölkerung in der Schweiz wahrgenommen?
Relativ unvoreingenommen. Die Medien und der grösste Teil der Bevölkerung haben verstanden, dass Israel nicht gegen wehrlose Leute im Gazastreifen vorgeht. Die Schweizer haben die Bilder der Raketenangriffe gegen die israelische Zivilbevölkerung gesehen. Die Hamas hatte ja nicht militärische Ziele im Visier, sondern nahm in Kauf, auch Kindergärten, Schulen oder Spitäler zu treffen. Auch dank unserem neu entwickelten Raketenabwehrsystem konnten wir Schlimmeres verhindern.

Israel ist im Rüstungsbereich führend und kooperiert auch mit der Schweiz.
Wir haben zu befreundeten Ländern in allen Bereichen gute Beziehungen und teilen unsere technologischen Entwicklungen. Wenn die Schweizer Armee israelische Technologie will, sind wir gerne bereit, diese zu liefern.

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pierrot am 28.11.2012 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .. Wie üblich... Israelus wie sie sind...

    Einseitige Meinung eines Staates ...

  • Marc am 28.11.2012 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Meinung

    Jeder darf hier seine eigene Meinung vertreten. Pro Israel oder Pro Palästina. Die andere Meinung jedoch zu beleidigen alias "verblendet" sein oder gar als "Judenfeindlich" zu betiteln ist einfach nur intollerant und geschmacklos. Wäre schön, wenn man das hier unterlassen könnte!

  • spotlite zh am 28.11.2012 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Unrechtstaat

    Ich finde das OK. Solange sich der Staat Israel benimmt wie Besatzer und weiterhin illegale Siedlungen baut, wäre ich sogar dafür, Israel aus der UNO zu suspendieren. Man kann nicht über Palästina schimpfen und sich selbst nicht an minimale Forderungen (Illegale Siedlungen räumen) halten. Die Schweiz hat neutral zu sein, da gehört es auch dazu, dass man Israel zurechtweist. Pervers ist nur, dass wir so einem Unrechtstaat Waffen liefern. Dafür gibt es keine Rechtfertigung, das ist nahezu kriminell.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 29.11.2012 00:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nana

    um die gegenwart zu verstehen muss die geschichte verstanden werden. um sicher in die zukunft zu gehen ...

  • spotlite zh am 28.11.2012 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Unrechtstaat

    Ich finde das OK. Solange sich der Staat Israel benimmt wie Besatzer und weiterhin illegale Siedlungen baut, wäre ich sogar dafür, Israel aus der UNO zu suspendieren. Man kann nicht über Palästina schimpfen und sich selbst nicht an minimale Forderungen (Illegale Siedlungen räumen) halten. Die Schweiz hat neutral zu sein, da gehört es auch dazu, dass man Israel zurechtweist. Pervers ist nur, dass wir so einem Unrechtstaat Waffen liefern. Dafür gibt es keine Rechtfertigung, das ist nahezu kriminell.

    • Gunnar Jauch am 01.12.2012 10:37 Report Diesen Beitrag melden

      Siedlungen in besetztem Gebiet

      Da bin ich ganz Ihrer Meinung, spotlite! Israel will trotz Protesten der USA 3000 Wohneinheiten in Ost-Jerusalem erstellten, womit Ramallah, Betlehem und die West Bank von Jerusalem abgetrennt und eine Zweistaatenlösung endgültig verunmöglicht würde. Und Netanjahu droht mit einer Legalisierung aller Siedlungen auf der West Bank. Auf diese Weise, ohne jegliche Konzessionen, kann nie der für Israel dringend notwendige Freiden entstehen!

    einklappen einklappen
  • Johann am 28.11.2012 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    "Die UNO Resulotionen bringen nichts"

    Klar - wenn sich das aktuelle UNO Mitglied nicht daran hält und die andere Partei nicht in die UNO darf.......

  • ruedi am 28.11.2012 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voreingenommen

    Mir ist aufgefallen das alle Komentare die das verhalten von Israel kritisieren in Ihren Beiträgen von Palästinensern schreiben und nie ist die Rede von radikal islamischen Hamas, wie kommt das?

  • Marc am 28.11.2012 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Meinung

    Jeder darf hier seine eigene Meinung vertreten. Pro Israel oder Pro Palästina. Die andere Meinung jedoch zu beleidigen alias "verblendet" sein oder gar als "Judenfeindlich" zu betiteln ist einfach nur intollerant und geschmacklos. Wäre schön, wenn man das hier unterlassen könnte!

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren