Klimaerwärmung

29. Januar 2018 15:07; Akt: 29.01.2018 15:07 Print

«In hundert Jahren haben wir keine Gletscher mehr»

von D. Krähenbühl - Der Klimawandel wird auch in der Schweiz Folgen hinterlassen. Wir tun aber noch viel zu wenig für den Klimaschutz, sagt ein Experte.

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In den letzten dreissig Jahren sind die Temperaturen in der Schweiz um rund 1 Grad Celsius gestiegen. Die sichtbarsten Auswirkungen sieht man in den Alpen: Das Gletschervolumen hat dort seit 1999 um 12 Prozent abgenommen – 3 Prozent allein letztes Jahr. Mit den 1.5 Milliarden Kubikmetern an geschmolzenem Gletschereis könnte jeder Schweizer Haushalt ein 25 Meter langes Schwimmbecken füllen.

Sollte es nicht gelingen, die globale Erwärmung zu begrenzen, könne die Jahrestemperatur in der Schweiz bis Ende dieses Jahrhunderts um 4.5 bis 6.5 Grad Celsius höher liegen als noch vor 150 Jahren, schreibt die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. 20 Minuten will es genau wissen und hat darum mit Reto Knutti, ETH-Professor für Klimaphysik gesprochen.

Herr Knutti, wie steht es um unsere Gletscher?
Bei den Gletschern sieht die Lage sehr schlecht aus. Wenn wir so weitermachen wie bisher, haben wir am Ende des Jahrhunderts praktisch keine Schweizer Gletscher mehr. Je nach Berechnungen, wird beispielsweise bald nichts mehr von der 800-Meter dicken Eisschicht auf dem Konkordiaplatz beim Aletschgletscher übrigbleiben. Auch Szenarios für die anderen Schweizer Gletscher wie den Rhonegletscher sehen nicht gut aus. Das Eis wird in der Schweiz zum grossen Teil verschwinden.

Sollte der CO2-Ausstoss gemäss Pariser Abkommen nicht erheblich reduziert werden?
Doch, aber momentan ist es ein Abkommen auf Papier. Die Verpflichtungen erfolgten nur auf freiwilliger Basis. Und die Zusagen, die die Länder machten, reichen nicht annähernd aus, um das Klima nachhaltig zu schützen. Wenn ein Land die selber gestellten Vorgaben nicht erfüllt, gibt es keinen Mechanismus, um dieses Land zu bestrafen. Aber wir sind zuversichtlich, dass immer mehr Länder auf erneuerbare Energien und Unternehmen auf effiziente Technologien umsteigen, weil diese immer günstiger werden.

Tut die Schweiz genug für den Klimaschutz?
Die Schweiz liegt irgendwo im Durchschnitt, gehört aber definitiv nicht zu den Vorzeigeschülern. Unser Ziel ist es, bis 2030 50 Prozent der CO2 Emissionen einzusparen. Das ist ehrgeizig. Problematisch dabei ist, dass davon 20 Prozent im Ausland erfolgen können. Die Schweiz zahlt also einem Drittweltland – das selber auch CO2 einsparen muss – Geld, weil es so ökonomischer ist. Mit dieser Form des Ablasshandels befindet sich die Schweiz definitiv auf dem Holzweg.

Fehlt das Bewusstsein über die Konsequenzen?
Die meisten Leute sind heutzutage über den Klimawandel informiert und machen sich auch ziemlich Sorgen, wie erst kürzlich eine Umfrage gezeigt hat. Trotzdem passiert zu wenig. Wenn es darum geht, etwas zu ändern, tun alle schwierig – sowohl die Politik als auch die Gesellschaft. Ich vergleiche das mit den Jahresvorsätzen: Der Wille ist da, aber bei der Umsetzung harzt es. Es ist unbequem, mühsam und ausserdem gibt es Wichtigeres im Leben.

Was kann das Swiss Arctic Project dazu beitragen?
Wir haben also nicht das Problem, dass wir nicht genügend über den Klimawandel informiert wären, sondern damit, die Leute so weit zu bringen, dass sie ihren Lebensstil ändern. Darum kann eine solche Forschungsreise unheimlich wichtig sein, um eine Verbindung zu jenen Personen zu schaffen, die sonst das Problem nicht aktiv wahrnehmen. Es ist nämlich nicht nur wichtig, was gesagt wird, sondern auch, wer es sagt. Der Überbringer der Botschaft ist also mindestens so wichtig wie der Inhalt selbst. Darum hat das Projekt sehr viel Potential.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 29.01.2018 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    macht doch nichts....

    bald gibt es auch keine Regenwald mehr, keinen Giraffen und keine Tiger....macht aber nichts, wir können die Tiere ja unseren Kindern in Büchern zeigen. Hauptsache jeder darf so viele Kinder in die Welt setzen wie er will....ob er oder sie dafür aufkommen können, spielt keine Rolle, die anderen zahlen dann schon dafür. Hauptsache die Überbevölkerung nimmt ihren Lauf....und das wird sie.....

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  • Lex Luthor am 29.01.2018 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleines Problem

    In 100 Jahren wird das unser geringstes Problem sein. Wir können uns höchstens einen Bruchteil der Folgen vorstellen, weil so viel ineinander greift und sich gegenseitig beeinflusst.

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  • ralph diemer am 29.01.2018 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eis

    bin gespannt was der gletscher alles so freigibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hobby-Philosoph am 30.01.2018 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Think positiv

    Alles hat seine Zeit, seine Zyklen. Erwärmung, Abkühlung, Ebbe und Flut, Sonne und Regen. Das nennt man Natur.

  • Albert Bitzius am 30.01.2018 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flieg Fisch

    Bitte nehmt nicht jeden Kommentar hier für bare Münze. Selbst meine nicht. Wenn sich dann aus Recherchen nur eine ominöse Quelle ergibt oder sich ein Experiment nicht wiederholen lässt, ist es keine Wissenschaft. Ob Hysteriker oder Leugner, wer glaubt ohne selbst zu denken hat immer verloren. Flieg Fisch, lies und gesunde.

  • Markus Jauch am 30.01.2018 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    das ist ,und bleibt auch so , ob dies der Mensch will , oder nicht ! Denn unser Globus erneuert sich immer von NEUEM , da haben wir nicht mal etwas dagegen zu halten . Es ist an der Zeit mit dem Unsinnigen Glauben zu Leben ,dass man mit Geld das ganze wieder in Ordnung bringen könnte ,ist geradezu ein unsinniges Unterfangen ,was nur mit dem Gedanken eine Rolle spielt ,hier mit Geld, das ganze verhindern zu wollen ! ... Warum fängt man auch nicht mal an ,etwas kürzer zutreten ,mit der Unsinnigen Wirtschaftlichen Überproduktion ,welche es gerade ausmacht !

    • Klimaindustrie am 30.01.2018 13:47 Report Diesen Beitrag melden

      mit Geld

      kann man es zwar nicht ändern aber man kann daran prima verdienen.

    • Sali Hoi am 30.01.2018 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      stimmt

      es stimmt das sich das Problem erneuert.

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  • Albert Bitzius am 30.01.2018 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Xenophob sind die geistig Armen

    Ihr seid ängstlich, xenophob, verschwenderisch, aber wollt euch nicht ändern. Was ist schlimm daran einfach etwas bescheidener zu sein? Wer Glück mit Besitz verwechselt, hat nie gelebt.

    • Markus Jauch am 30.01.2018 12:53 Report Diesen Beitrag melden

      herr

      Älbert Bitzius / genau ,Du bringst es auf den Punkt

    • Jaja am 30.01.2018 13:34 Report Diesen Beitrag melden

      Und die einzigen

      Wo dass nicht betrifft, sind unsere lieben Moralapostel, ach wie einfach dass leben sein kann, wenn man die Probleme nur bei den anderen sieht.

    • rucki am 30.01.2018 13:56 Report Diesen Beitrag melden

      albert

      lieber Xenophob als von den Fachkräften zertrampelt, sonst noch Fragen?

    • Albert Bitzius am 30.01.2018 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @rucki

      Wenn Sie es trotz bester Voraussetzungen nicht geschafft haben eine Fachkraft zu werden, dann tut es mir selbstverständlich leid. Für Sie muss es tragisch sein von jemanden ausgestochen zu werden, der kaum unsere Sprache spricht. Andererseits sind eventuell einfach kein besonders netter Mensch.

    • rucki am 30.01.2018 16:15 Report Diesen Beitrag melden

      albert

      ich weiss nicht was du rauchst aber das Zeug muss ein Hammer sein, möchte ich haben. Auch wenn ich keine Fachkraft wäre, könnte mich eine "Fachkraft" ohne Sprachkenntnisse kaum ausstechen.Wenn sich jemand Sorgen machen sollte, dann ist es die Sozialindustrie die an der Nadel des Staates hängt und keine Ahnung hat, dass sich das Blatt langsam aber sicher wendet.

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  • manno mann am 30.01.2018 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    in genau 126'076 jahren

    kommt der gletscher zurück wie nie zu vor! in 34'678 jahren, werden die stärksten je gemessenen erdbeben statt finden etc etc ..... nicht vergessen wir leben auf der erde no. 01 , in der milchstrasse 25, galaxie 234'543, in 3245 weltallen!!!!