Carla del Ponte

10. Mai 2018 21:23; Akt: 11.05.2018 12:36 Print

«Indizien für Schweizer Waffen in Syrien»

In ihrem neuen Buch über den Krieg in Syrien macht die ehemalige Bundesanwältin Carla del Ponte der Schweiz und der UNO schwere Vorwürfe.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Kommende Woche erscheint «Im Namen der Opfer», das neue Buch der früheren UNO-Chefanklägerin Carla del Ponte (71). Darin zieht die Tessiner Juristin Bilanz über die Rolle der internationalen Gemeinschaft im Syrienkonflikt und schildert die Gräueltaten, die sowohl von der Terrormiliz Islamischer Staat wie auch von den Truppen des syrischen Machthabers Bashar al-Assad begangen wurden. Doch nicht nur: In ihrem Buch macht del Ponte auch der Schweiz schwere Vorwürfe wegen dem Einsatz von Schweizer Waffen an der Kriegsfront.

Im Interview mit der «Schweizer Illustrierten» spricht del Ponte Klartext: «Wir haben Indizien dafür, dass die Waffen auch aus der Schweiz über Saudiarabien nach Syrien kamen. Aber wir können es nicht beweisen», sagt sie. Sie fordert ein Verbot von Schweizer Waffenexporten — insbesondere auch für die sogenannten Dual-Use-Materiale. Das sind Güter, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke verwendet werden können. «Sie können benützt werden, um Nervengas herzustellen. Das sollte man auf jeden Fall verbieten», sagt die Tessinerin.

«Eine Schande für die UNO»

Del Ponte wirft der internationalen Gemeinschaft im Syrien-Konflikt totales Versagen vor. «Wir haben nichts bewirkt !», sagt sie. Nach sechs Jahren bei der Unabhängigen Internationalen UNO-Untersuchungskommission für Syrien gab sie im August 2017 ihren Posten auf. «Es ist eine Schande für die UNO», so del Ponte im Interview mit der SI.

Sie träume allerdings immer noch davon, dass Bashar al-Assad eines Tages eine lebenslange Haftstrafe bekommen wird. «Ich weiss, dass man gegen Assad einen schönen Prozess machen könnte. Ich würde es schon machen, aber dann müssten wir morgen damit anfangen!»

Trump handelte richtig, als er bombardierte

Ihre traurigsten Erinnerungen aus ihrer Zeit in Syrien betreffen die Kinder. «Die Kinder als Opfer, die Kinder als Flüchtlinge. Diese Jugend ist vom Krieg traumatisiert. Man sieht es bei den Kindern in den Augen, wie sie leiden, was sie durchmachen.»

Dennoch habe sie sich gefreut, als Donald Trump kürzlich Syrien bombardierte. «Ich habe mir gesagt: Endlich macht jemand etwas! Trotzdem glaube ich, dass Syrien eine politische, nicht eine militärische Lösung braucht.»

Daran sei aber niemand interessiert, klagt del Ponte. «Es gibt keinen politischen Willen, an der Situation in Syrien etwas zu verändern und den Opfern Gerechtigkeit zukommen zu lassen», sagt sie. «Ich hoffe, dass jene, die nach mir kommen, weiterkämpfen. Aber ich habe gemacht, was ich konnte! Ich habe alles gegeben für das, was ich gemacht habe. Und ich bin froh darüber, und ich würde es wieder machen.»

(kle)