Erste Hilfe

25. Dezember 2017 21:15; Akt: 25.12.2017 21:15 Print

«Jeder Haustierhalter sollte in den Nothilfekurs»

von B. Zanni - Samariterkurse für Haustiere sind gefragt. Eine Tierschutzorganisation sieht dies als Muss für jeden verantwortungsvollen Halter.

Priska Pola, Leiterin Nothilfekurs für den Hund, demonstriert, wie man einem Hund Erste Hilfe leistet. (Video: B. Zanni)
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Mitten auf dem Spaziergang auf einer abgelegenen Alp schwillt Bellos Hals an. Nach erfolgloser Beatmung durch sein Herrchen und qualvollen Minuten stirbt der Hund – der Wespenstich hat einen allergischen Schock ausgelöst. In einem anderen Fall liegt eine Katze regungslos auf dem Boden. Beim Durchbeissen eines Stromkabels hat Nala einen Herzstillstand erlitten. Sofort leitet die Besitzerin der Katze eine Herzdruckmassage ein.

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«Damit rettete sie der Katze das Leben», sagt Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection. Auch Bello hätte überlebt. «Doch dass dafür eine Kortisontablette gereicht hätte, wusste sein Herrchen nicht», berichtet Priska Pola, Leiterin Nothilfekurs für den Hund.

Im Notfall überfordert

Schwebt das Tier plötzlich zwischen Leben und Tod, sind viele Besitzer überfordert. Schon etliche Tiere seien wahrscheinlich gestorben, weil deren Besitzer im Notfall falsch reagiert hätten, sagt Lucia Oeschger, Kampagnenleiterin der Tierschutzorganisation Vier Pfoten.

Die Organisation rät deshalb allen Heimtierhaltern, einen Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren. Oeschger: «Genauso wie das korrekte Füttern und eine artgemässe Unterbringung gehört die Fähigkeit, seinem Tier Erste Hilfe leisten zu können, zur Verantwortung jedes Haustierbesitzers.»

«Früher überliess man Tiere eher dem Schicksal»

Erste-Hilfe-Kursen für Hunde und Katzen haben bereits grossen Zulauf. Die Tierschutzorganisation Network for Animal Protection Netap bietet seit fünf Jahren halbtägige Kurse für 65 Franken an. «Unsere Kurse sind mit rund 200 Teilnehmern pro Jahr immer ausgebucht», sagt Esther Geisser. Auch Priska Pola, die für 220 Franken eintägige Hunde-Nothelferkurse durchführt, sagt: «Die Nachfrage hat sich seit dem Start 2010 auf rund 100 Teilnehmer pro Jahr verdoppelt.»

Geisser stellt fest, dass Halter zunehmend der Meinung sind, Tiere hätten in einem Notfall dieselbe medizinische Versorgung verdient wie Menschen. Früher dagegen seien sie in Notfallsituationen eher dem Schicksal überlassen worden. «Hatte eine Katze einen Unfall, gingen manche Besitzer nicht einmal zum Tierarzt. Sie fanden, Katzen seien zäh genug, um dies zu überleben.»

«Jeder Tierhalter sollte in den Nothilfekurs»

Versteckte Notfälle

In den Kursen lernen die Teilnehmer, ihr Tier zu beatmen, Herzdruckmassagen anzuwenden und Verletzungen zu behandeln. Ein grosser Teil dreht sich um das Erkennen von Notfällen. «Vergiftungen oder Magendrehungen bei Hunden sehen oft harmloser aus, als sie sind», sagt Priska Pola.

Esther Geisser macht darauf aufmerksam, dass gefährliche Bissverletzungen oft übersehen werden. «Bleiben im Pelz versteckte Verletzungen unbemerkt, können diese zu gefährlichen Infektionen führen.» Nach einem Scherbenschnitt seien starke Blutungen möglich. Geisser betont aber: «Die Erste Hilfe kann lebensrettend sein, ersetzt den Gang zum Tierarzt aber nicht.»

«Besitzer sollen keine Schuldgefühle bekommen»

Unter Tierexperten sind die Kurse umstritten. «Es darf nicht so weit kommen, dass Haustierbesitzer, die keinen Kurs besuchen, Schuldgefühle bekommen», sagt Huntetrainerin Yvonne Förster. Schliesslich könnten auch viele Menschen anderen nicht Erste Hilfe leisten. Dank der Handys seien Rettungskräfte schnell vor Ort. «Ein solches Flächendeckendes Rettungssystem für Tiere wäre ebenso interessant.»

Laut Förster besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit für Notsituationen, sofern die Besitzer über ihr Tier gut informiert sind und eine ungefährliche Umgebung schaffen. Wissen, wie man richtig handle, schade nie. «Doch es besteht die Gefahr, dass man den Nothelferkurs aus Pflichtbewusstsein besucht und einfach absitzt. Dann kann in einem Notfall dem Tier auch geschadet werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franz W. am 25.12.2017 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Marktlücke

    Oh, ist hier eben eine neue Marktlücke formuliert worden?

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  • Sidney Crosby #87 am 25.12.2017 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Das solche Leute, welche solche Vorschläge bzw. Forderungen haben nicht laut vor Schmerzen schreien müssen, erstaunt mich immer wieder!

  • La Vinci am 25.12.2017 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ich mich immer wieder frage

    Tut so ein Schwachsinn wirklich nicht weh?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • AlexK am 28.12.2017 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Öhm

    Wie wäre es mit obligatorischem Nothilfekurs für Menschen? Das würde mal Sinn machen. Vom Staat bezahlt.

  • s.t. am 27.12.2017 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ameisenhaltung

    wird das bei meinen ameisen auch erwartet?

    • AlexK am 28.12.2017 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @s.t.

      Nein. Bei Imkern aber schon.

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  • Marcello 1152 am 27.12.2017 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das auch noch

    es ist ja schon sehr traurig wenn man seinen eigen lieb gewonnen vierbeo er so leiden sieht. aber bitte übertreibt es nicht. ich gehe in einen nothelferkurs damit ich auto fahren darf. aber ob ich je dann im notfall nicht versage steht auf einem anderen blatt.

  • Grisu am 27.12.2017 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oh je...

    Au ja genau...die obligatirischen Hundehaltekurse werden abgeschaft und jetzt muss schnell was neues her um Kohle zu schäffeln. Sorry aber die Leute sind ja schon überfordert wenn sie ersteHilfe beim Menschen leisten sollten geschweige denn eine Herzdruckmassage zu machen obwohl jeder Autofahrer den Nothilfekurs gemacht hat. Wie sollen genau diese erste Hilfe beim Tier leisten?

  • Walter Schmid am 27.12.2017 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierquälerei

    Gibt es einen Kurs für Tierschützer mit dem Motto Wie kann ich verhindern, dass mir solche absurden Ideen in den Sinn kommen. Ich wünsche euch fröhliche Schnauze-Mundbeatmung, obwohl ich finde, dies würde unter Tierquälerei gehen. Armes Tier.