Doktor-Spiele

12. Juni 2017 07:06; Akt: 12.06.2017 08:10 Print

«Kinder untersuchen sich von Zunge bis Genitalien»

Sich gegenseitig die Geschlechtsteile zu untersuchen ist normal für kleine Kinder, sagt eine Sexualpädagogin. Wenn ein Kind nicht mitmachen will, soll man eingreifen.

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Dass kleine Kinder sich selbst und das Geschlecht von anderen erforschen ist normal. Erwachsene sollten nur eingreifen, wenn sich ein Kind unwohl fühlt oder zu etwas gezwungen wird. (Bild: youtube.ch)

Zum Thema
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Frau Bieri*, Ein fünfjähriger Bub soll versucht haben, einen anderen Buben zu penetrieren. Ist das normal?
Ob das Verhalten des Jungen normal ist, kann ich so nicht sagen, ich habe es nicht gesehen und die Schilderungen nicht gehört. Es ist aber typisch, dass Kinder im Alter von fünf Jahren Doktorspiele spielen. Sie sind wichtig für die sexuelle Entwicklung der Kinder und entstehen aus Neugier. Es sind meist die Eltern, die viel Angst haben bei diesem Thema.

Wie meinen Sie das?
Sie reagieren beschämt, wenn sie ins Kinderzimmer kommen und mehrere Kinder beim Dökterle entdecken. Kindliches Erkunden ist aber nicht mit der Erwachsenen-Sexualität zu vergleichen. Kinder erkunden unter Einbezug aller Sinne den Körper und die Geschlechtsteile und merken dabei was Bub und Mädchen ist. Dabei können auch zwei Buben einander untersuchen: Begonnen von der Untersuchung der Zunge bis zu den Genitalien. Das hat noch keine Bedeutung. Es ist genauso typisch, dass Buben einander untersuchen, wie dass Mädchen einander untersuchen oder ein Mädchen einen Buben oder umgekehrt. Manchmal imitieren Kinder auch Geschlechtsverkehr.

Und wenn ein Kind dem anderen etwas in den Anus oder die Vagina steckt?
Oft ist es ein Fiebermesser oder ein Tampon, der in den Füdlispalt gesteckt wird - manchmal auch ein Penis. Eine Penetration ist eher unwahrscheinlich. Wichtig ist, dass das Spiel einvernehmlich zwischen Kindern etwa gleichen Alters geschieht. Sinnvoller als Doktorspiele zu verbieten ist es, die Kinder zu einem sorgfältigen Umgang miteinander aufzufordern und Regeln zu setzen. Solange dies der Fall ist, sehe ich hier kein Problem.

Und wenn der Penis erigiert ist?
Schon Säuglinge und ganz kleinen Buben haben erigierte Penisse. Das ist normal. Kinder verschaffen sich auch Lustgefühle durch Selbststimulation. Ich erlebe oft, dass dies den Eltern sehr peinlich ist, weil sie das Gefühl haben, ihr Kind sei verdorben. Aber kindliche Sexualität ist nicht zu vergleichen mit der Erwachsenen- oder Paar-Sexualität. Bei den Kindern ist es mehr ein Sich-selbst-erforschen und es geniessen.

Was sollen Eltern machen, wenn sie ihre Kinder beim Dökterlen erwischen?
Ruhig bleiben und sich einen Überblick verschaffen. Sie sollen nicht mit einer unüberlegten Reaktion den Kindern zu verstehen geben, dass ihr Dökterle schlecht ist. Eingreifen muss man nur dann, wenn eines der Kinder zu etwas gezwungen wird oder wenn einem Kind weh gemacht wird. Wichtig ist auch, dass dies unter Gleichaltrigen passiert.

Kann so ein Verhalten auch abgeschaut sein - von einem Porno etwa?
Es ist so, dass kleine Kinder heute einen sehr leichten Zugang zu Sexfilmen und Pornos haben. Wenn die Seiten auf dem Tablet oder Smartphone nicht gesperrt sind, können Kinder per Zufall dort landen und werden unwillentlich mit sexualisierten Inhalten konfrontiert. Das ist Eltern leider zu wenig bewusst.

Was, wenn man sich Sorgen um das kindliche Doktorspiel macht?
Das konstruktive Gespräch mit den anderen Eltern suchen, finde ich wichtig. Davor scheuen sich die Eltern meist. Doch so ist es möglich, den kindlichen Entdeckungsformen Raum zu geben oder Grenzen zu setzen.

Wann sollten die Alarmglocken läuten?
Wenn ein Kind exzessiv immer wieder dieselben Doktorspiele verübt. Sexuelle Gewalt wird heute immer noch zu wenig zur Kenntnis genommen. Darum ist wichtig, dass genau hingeschaut wird. Besteht ein Verdacht auf sexuellen Missbrauch, sollte man sich Unterstützung holen und die Kesb einschalten.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Danke am 12.06.2017 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    Super Beitrag!

    Herzlichen Dank Frau Bieri! Sie beschreiben genau das, was ich empfinde - perfekt auf den Punkt gebracht. Stimme Ihnen zu 100% zu. Hoffe viele Eltern lesen diesen Artikel und beschäftigen sich mit diesem wichtigen Thema.

  • Damian am 12.06.2017 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute alte Zeiten

    Mein Nachbarsjunge zeigte mir in der Garage sein Schnäbi, wir waren beide 5. Ich durfte es dann auch anfassen. Meine Mutter kam rein und sagte, ah seid ihr am Dökterle und verschwand wieder. Wir gingen sehr offen damit um, zum Glück.

  • wasp am 12.06.2017 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt Grenzen

    Doktorspiele in Ehren, aber penetrieren, das geht gar nicht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr.Kern am 12.06.2017 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht übertreiben

    Das ist doch oft völlig normal. Ich mag mich noch gut daran erinnern wie eine Kollegin und ich in unserer Kindheit "Hund" gespielt haben. Als erstes kamen mal alle Kleider runter, ein Hund trägt a schlisslich keine Kleider. Danach haben wir uns auf allen vieren so ziemlich überall beschnüffelt und beleckt. Wie das Hunde nun mal tun. Irgend wann meinte sie, ohhh du hast ja sogar ein schwanz, sie nahm in in denn Mund und biss zu... Dann war das Hund spielen zu ende... Wir lachen Heute dreissig Jahre später noch herzhaft darüber.

  • [HazE]Büsi am 12.06.2017 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiederspruch

    "Oft ist es ein Fiebermesser oder ein Tampon, der in den Füdlispalt gesteckt wird - manchmal auch ein Penis. Eine Penetration ist eher unwahrscheinlich." Nunja sobald der Penis in Anus, Mund oder Vagina eingeführt wird ist dies eine penetration es tut mir leid! Und soetwas kann definitiv nicht normal bei 5 Jährigen sein!

    • Grosi59 am 12.06.2017 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @[HazE]Büsi

      Es kam ha gar NIE soweit, das waren NUR Trockenübungen beim Dökterlen, denn es steht ja von VERSUCHTER PENETRATION! Das ist ja KEINE, da es wahrscheinlich in diesem Alter zu wenig standhaft ist und auch noch nicht viel mit den Gedanken der Erwachsenen zu tun hat! Der Vater, der es der KESB gemeldet hat, hat es selber nicht mal gesehen, sondern die Frau..! Wieviele hysterische Mütter gibt es, welche Dökterlispiele schon als PFUI abtun... Es scheint wirklich Zeit für Aufklärung im Chindsgi sein, denn viele Eltern haben jeglichen normalen Bezug zur kindlichen Sexualität verloren und zur eigenen!

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  • Schnupfnudel am 12.06.2017 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kesb

    Immer wieder diese Kesb. Wir haben soo schlechte Erfahrungen gemacht. 2 Kinder leben bei der Mutter. Jedesmal wenn sie zum Vater zum Besuchswochenende kamen, wollte die Kleine 7j mit dem Vater Zungenküsse austauschen und langte ihm in den Schritt. Als er das dem kesb Vertreter meldete, sagte dieser zum Vater, er solle nicht so ein Theater machen. Bei der Mutter und ihrem Freud sei alles ok. Der Vertreter hat bis heute kein Gutachten erstellt.

    • [HazE]Büsi am 12.06.2017 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schnupfnudel

      Da muss man aber definitiv sagen dass kanns nicht sein. Eine 7Jährige sollte kein solches Verhalten an den Tag legen. Bleiben Sie drann oder jedenfalls der Vater, da kann bei der Mutter des Mädchens etwas nicht stimmen.

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  • Aidan.T am 12.06.2017 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Ja klar jedes mal die Kesb anrufen. Wer zahlt. Paha in 1000 Jahre rufe ich an. Dafür sind die Eltern zu ständig und die Erziehung des Kindes. Würde jeder 2 anrufen wäre Kesb überfordert.

  • ein schelm am 12.06.2017 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mhhh

    jetzt muss man das nur noch anderen klar machen. z.b. bestimmten kesb mitarbeitern, und manchen bestimmten politikern. ich finde es ohnehin erschreckend wie viel einfluss und macht eine behörde oder person unter dem vorwand des kindswohl auf die eltern ausüben kann. das ganze geht so weit, dass manche eltern das kesb und mit ihnen zusammen arbeitende behörden als direkte bedrohung ansehen, gleich nach den üblichen missetätern. manchmal sogar vor den üblichen missetätern.