Neuer Staurekord

12. Juni 2018 05:43; Akt: 12.06.2018 05:43 Print

«Lastwagen könnten auch nachts fahren»

von Stefan Ehrbar - Die Autobahnen sind überlastet wie nie. Politiker fordern Ausbauten, ein Experte spricht sich für teureres Autofahren aus.

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Das Bundesamt für Strassen (Astra) vermeldete am Montag einen neuen Negativrekord: Während 25'853 Stunden staute sich im vergangenen Jahr der Verkehr auf den Autobahnen. Die Zunahme gegenüber dem Vorjahr betrug 7,4 Prozent, obwohl die gesamte Fahrleistung auf den Nationalstrassen nur um zwei Prozent zunahm.

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Auf den kritischen Abschnitten wie vor dem Gubrist- und dem Bareggtunnel staut sich der Verkehr fast jeden Tag – auf der Zürcher Nordumfahrung durchschnittlich während 17 Stunden täglich. Das Astra warnt vor einer weiteren «unerwünschten Entwicklung»: Der Anteil der Autobahnen am Gesamtverkehr ging erstmals zurück, weil viele Abschnitte die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit erreicht hätten und sich der Verkehr so auf kantonale und städtische Strassen verlagere.

«Der Bund macht zu wenig»

Für SVP-Nationalrat Walter Wobmann ist klar, dass es mehr Beton braucht: «Die Nationalstrassen und die Umfahrungen müssen nun sehr schnell ausgebaut werden», sagt er. Das gelte insbesondere für jene Abschnitte, auf denen es viel Stau gebe. Weil die Verkehrszunahme auch durch die Zuwanderung bedingt sei, müsse auch diese gestoppt werden.

GLP-Präsident Jürg Grossen hingegen sagt, weitere Ausbauten würden nur punktuell helfen. «Richtig sinnvoll sind intelligente Konzepte zur Verkehrsvermeidung und Verkehrsleitung», sagt er. Dazu gehörten etwa Verkehrsleitsysteme, vermehrtes Homeoffice und angepasste Schul- und Arbeitszeiten. «Der Bund macht zu wenig», sagt Grossen. Zu den nötigen Massnahmen zählt er auch Mobility-Pricing, also Verkehrsabgaben, die von der Uhrzeit und der gefahrenen Strecke abhängen.

Sollen Lastwagen nachts fahren?

Das Mobility-Pricing soll in einem ersten Schritt im Kanton Zug getestet werden. Langfristig führe daran kein Weg vorbei, sagt Daniel Müller-Jentsch, Verkehrsexperte bei Avenir Suisse. «Staus sind der Preis, den man bezahlt, wenn man kein Mobility-Pricing will», sagt er. Die jährlich steigenden Stauzahlen seien schon fast ein Ritual. «Alle paar Jahre werden neue Milliardenpakete geschnürt. Aber neue Kapazitäten werden immer wieder vom Wachstum aufgebraucht.» Investitionen in Beton seien teuer und lösten das Hauptproblem nicht, nämlich die stauträchtigen Spitzenzeiten.

Um Verkehrsprobleme zu lösen, brauche es eine Kombination aus flexiblen Arbeitszeiten, variablen Tarifen für die Strassennutzung und innovative Technologien wie Elektrovelos oder interaktive Ampelschaltungen. Ein weiterer Vorschlag von Müller-Jentsch: «Für künftige selbstfahrende Elektro-Lastwagen könnte das Nachtfahrverbot aufgehoben werden.» In der Nacht seien die Strassen praktisch leer – ein riesiges Potenzial, das bisher ungenutzt bleibe.

Weniger Baustellen-Stau

Bis solche Lastwagen aber marktreif sind, dürften noch Jahre vergehen. Auf kurze Frist plant der Bund eine Entschärfung mit weiteren Ausbauten. Zurzeit wird etwa der Nordring Zürich mit einer dritten Gubrist-Tunnelröhre erweitert, und die A1 soll bei Crissier VD und zwischen Härkingen und Luterbach ausgebaut werden. Zudem will das Astra vermehrt Pannenstreifen als zusätzliche Fahrspur nutzen. Seit Anfang 2017 nutzt das Astra zudem Wechseltextanzeigen, die Autofahrern Verhaltenstipps geben, die den Verkehr flüssig halten sollen.

Immerhin einen Lichtblick hält das Astra für die staugeplagten Autofahrer bereit: Weil immer mehr Bauarbeiten zu verkehrsarmen Zeiten ausgeführt werden, sank die Zahl der Staustunden wegen Bauarbeiten auf nur noch 236 Stunden – weniger als ein Prozent aller Staustunden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Egon Waser am 12.06.2018 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Resultat rotgrüner Fehlpolitik!

    Ja klar jetzt kommen die grünen und roten Weltverbesserer! Keine Ahnung von Wirtschaft und Wohlstand! Wenn wir dann Alle Elektroautos fahren gibt es keinen Stau mehr... Ha, ha, ha. Es gibt nur eins...die ungebremste Zuwanderung stoppen und den Ausbau der Infrastruktur auf den Stand von heute bringen...

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  • fips am 12.06.2018 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie immer

    ja sicher pricing zahlen tuts der unterere und der mittelsstand die am 08.00 auf der arbeit sein müssen. der ceo kommt dann halt um 10.00 weniger zuwanderung und zwar 0 wäre wirklich eine lösung.

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  • pilatus am 12.06.2018 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pontius

    Wir schaffen das....odet doch nicht? noch mehr ungebetene reinlassen. jedes Jahr 120 tausend. die Hälfte hat Autos. con Grenzgängern ganz zu schweigen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tanja am 13.06.2018 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Probleme der Bevölkerung

    Und bezahlen muss der der Schichtarbeiter. Also der mit dem kleinsten Lohn. Das heisst er kann auswählen, im überfüllten Zug oder auf der Strasse stehen. Aber eng ist es immer. Leider wählt der Schichtarbeiter nicht mehr die SP. Die SP-Wähler stehen wahrscheinlich weniger im Stau.

  • XXX am 13.06.2018 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehr mit Homeoffice entlasten

    Viele von denen die tagtäglich in die Firma fahren, könnten genau so gut ihre Arbeit von Zuhause im Homeoffice verrichten. Leider sind die Arbeitgeber noch nicht so weit um dies ihren Mitarbeitenden zu ermöglichen.

  • Der Umdreher am 12.06.2018 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auto s auf Schiene

    Also ich wehre dafür das man die Auto s auf die schiene macht und den lkw s die freie bahn gibt so das alle weiterarbeiten können! Und die lkw s nicht mehr in den stau kommen wo die auto s verursachen

  • Karl Brodowsky am 12.06.2018 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wer Straßen baut, wird Staus ernten

    In einem dicht besiedelten Land, wie der Schweiz, kann man nur verlieren, wenn man versucht, der Autolawine hinterher zu bauen oder den Wettlauf gar zu gewinnen. Was hilft, ist die Stärken der Schweiz auszubauen, also noch mehr auf den ÖV zu setzen. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind für ein dicht besiedeltes Land nebem dem Velo am effizientesten. Benzinpreise hoch, Veloschnellwege ohne Ampeln, Planung von Siedlungen etc. nur mit guter ÖV-Anbindung. Selbst in LA ist die Nur-Auto-Politik kläglich gescheitert und man hat ein Metrosystem gebaut.

    • Velofahrer am 13.06.2018 11:37 Report Diesen Beitrag melden

      Super durch den Gotthardtunnel

      mit dem Velo

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  • Patrick Basilea am 12.06.2018 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Die Grenzgänger

    Für Grenzgänger sollte es ein Verbot geben! Es wär sinnvoll, dass Deutschland Frankreich und Italien in Beton investieren und all die Grenzgänger ihre Schabraken da lassen und die ÖV's nehmen. So haben die Kantone etwas davon und die Strassen wären zumindenst in Basel bis Baden zu 3/4 leer

    • Markus im AG am 12.06.2018 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick Basilea

      Dann lieber Patrik kannst Spitäler und Altersheime entlang der Grenze nur noch offen halten 30 Min. Nach der ersten ÖV verbinndung über die Grenze. Ich selber habe auch keine Lösung unser Landarzt hat 4 Jahre nach einem Nachfolger gesucht , jetzt sprechen wir halt nicht mehr Mundart in der Praxis aber wir haben 1 Arzt im Dorf.

    • U.G am 12.06.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick Basilea

      in Geneve sieht es nicht anders aus. Nur Kennzeichen von der Grande Nation.

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