Gleichberechtigung

12. April 2017 14:29; Akt: 12.04.2017 14:29 Print

«Männer spüren Folgen der Rollenverteilung»

von D. Pomper - Warum fühlen sich mehr Männer diskriminiert als Frauen? Gleichstellungs-Expertin Martha Weingartner glaubt, dass Männer empfindlicher auf Benachteiligungen reagieren.

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Frau Weingartner, 83 Prozent finden, dass Männer und Frauen in der Schweiz nicht gleichberechtigt sind. Das zeigt eine 20-Minuten-Umfrage mit über 6800 Teilnehmern. Erstaunt Sie das?
Auf den ersten Blick schon. Denn wir hören oft, die Gleichstellung sei doch jetzt erreicht. In der Schweiz stünden Männern und Frauen alle Türe offen, sie hätten die gleichen Bildungschancen, die gleichen politischen Rechte, viele Paare teilten sich die Kinderbetreuung. Es gebe keine stossenden Ungleichheiten mehr. Aber wenn man sich konkrete Beispiele überlegt, dann kommen viele ins Grübeln.

An welche Beispiele denken Sie?
Bei unserer Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich melden sich viele junge Mütter, die auf dem Arbeitsplatz plötzlich Schwierigkeiten bekommen. Sobald die Frauen schwanger sind und Kinder haben, merken sie, dass es Hürden gibt. Einige verlieren noch während dem Mutterschaftsurlaub ihren Job oder erhalten eine Kaderstelle nicht, wenn sie Mütter werden. Viele dieser Frauen waren zuvor der Meinung, dass sie alles erreichen können, wenn sie nur wollen. Dann aber werden sie mit der Realität konfrontiert. Auch mit sexueller Belästigung oder Gewalt sind viele Frauen konfrontiert.

Dennoch geben mehr Männer als Frauen an, sich hierzulande diskriminiert zu fühlen. Warum?
Männer reagieren empfindlicher auf Benachteiligungen als Frauen. Die Männer sind sehr gut darin, ihre Anliegen an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie sind gut vernetzt und schaffen es mit effektvollen Aktionen, ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Vor einigen Jahren beispielsweise haben Väter Bundesrätin Simonetta Sommaruga tonnenweise Pflastersteine geschickt, um für das gemeinsame Sorgerecht zu kämpfen. Manche Männer stellen aus eigener Betroffenheit vehement Forderungen. Andere anerkennen, dass Frauen öfter benachteiligt sind als Männer und engagieren sich zusammen mit Frauen für die Gleichstellung. Dann gibt es noch die Antifeministen, die ziemlich frauenfeindlich sind.

Auch die Frauen haben mit dem Frauentag und dem Frauenmarsch grosse Events auf die Beine gestellt.
Viele Frauen scheinen geschlechtsspezifische Benachteiligungen nicht als solche wahrzunehmen. Andere haben keine Zeit, sich für ihre Anliegen einzusetzen. Von mehrfach belasteten alleinerziehenden Müttern beispielsweise hört man kaum etwas, obwohl sie Gründe hätten, Forderungen zu stellen.

Männer geben an, sich besonders bei ihren Rechten als Vater und beim Militär- und Zivildienst benachteiligt zu fühlen.
Viele Männer spüren die schmerzhaften Folgen der traditionellen Arbeitsteilung. Wenn der Mann jahrelang das Geld nach Hause gebracht hat und sich die Frau um die Kinderbetreuung gekümmert hat, dann ist es schwierig, nach der Scheidung eine andere Aufteilung der Kinderbetreuung zu realisieren. Beim Militär- und Zivildienst kann ich verstehen, dass sich Männer benachteiligt fühlen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass Frauen sehr viel unbezahlte Sorgearbeit leisten. Die Frauen erhalten entsprechend weniger Altersrente. Man muss die Benachteiligung der Männer also im Kontext sehen.

62 Prozent der Männer finden, dass die Gesellschaft zu hohe Anforderungen an sie stellt. Warum?
Da kann ich nur mutmassen. Es hat vielleicht damit zu tun, dass die Männer mit widersprüchlichen Erwartungen konfrontiert sind. Auf der einen Seite der Beschützer, der im Notfall Frau und Kind verteidigt, und auf der anderen Seite der fürsorgliche Mann, der auch im Haushalt und in der Kinderbetreuung kompetent ist.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reiner Zufall am 12.04.2017 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Empfindlicher auf Benachteiligungen?

    Empfindlicher auf Benachteiligung reagieren? Ich glaube, ich spinne! Ich bin Alleinverdiener, erziehe und beherberge als Vater meine drei Jugendlichen alleine. Dass das so ist, war gar nicht so einfach. Das KESB blockierte alles und liess erst nach gerichtlichem Entscheid von mir ab. Kinderunterhalt sehen wir keinen. Im Gegenteil, mit Segen des Gerichtes zahle ich noch Unterhalt an meine Ex, die schlicht nicht arbeiten geht/will und sich krankschreiben lässt, ohne jemals eine plausible gesundheitliche Störung vorweisen zu können. Wenn das keine Benachteiligung ist?! Ich bin also empfindlich?

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  • MichiZug am 12.04.2017 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Erfahrung

    Fragt mal Frauen wo sie sich diskriminiert fühlen. Wie aus der Pistole geschossen kommt das Wort "Lohn". Wenn du dann weiterfragst und wissen willst was denn ihre männlichen Kollegen in der Firma verdienen, weiss sie es aber dann aber gar nicht.

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  • G. Ender am 12.04.2017 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    fazit

    Jeden Tag dasselbe ewige leidige Thema auf dieser Seite. Es wird langsam aber sicher langweilig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mäge0968 am 13.04.2017 05:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Logo versteckt

    Und ich dachte mir: wieso hat diese Bewegung einen Pferdefuss zum Logo ;-) Seht ihr den auch?

  • Nationless am 12.04.2017 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Männer sind selber Schuld

    Die Schweizer Männer sind selber Schuld. Wer will die Dienstpflicht aufrecht erhalten? Die Schweizer Männer! Das Militär volontär zu gestalten, auf das wollen die meisten Schweizer Männer nicht kommen, denn die halten es als Lebensschule und Pflicht oder Ehre für die Oberen im Kriegsfall einzustehen.

    • TheProGrammer am 12.04.2017 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nationless

      Ich bin 18 und deshalb ist das Militär gerade bei mir und meinen Kollegen Thema, KEINER (auch die Durchtrainierten) von ihnen will ins Militär und von unseren Vätern findet es zwar niemand besonders schlecht, es wird aber allgemein als unnütz betrachtet.

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  • Lydia am 12.04.2017 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mann sein muss leicht sein

    Mich stören eher die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten, die man als Frau ertragen muss. Als Frau wird man ständig angegraben, meist unerwünscht und lästig, aber dieses Privileg muss man als Frau ja gutheissen, sonst ist man weiss Gott was. Einfach seine Ruhe zu wollen und einen potenziellen Partner abzulehnen, ist unsexy. Ich fühle mich als Frau manchmal wie eine Werbetafel, als Mann hat man einfach seinen Frieden, darf rauchen, trinken, albern tanzen, ungepflegt sein, seine Triebe ausleben, ohne dass es sich nicht "gehört" Da sieht man die wirkliche Ungleichheit und nicht im Gesetz.

  • fastreader am 12.04.2017 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stop the hate

    Und jetzt beginnt der Hass wieder und Männer argumentieren, dass sie tatsächlich mehr benachteiligt sind. Aber das ist doch komplett unwichtig, wem es schlechter geht. Die meisten genannten Probleme hängen zusammen. Wenn Männer sich mehr um die Kinder kümmern möchten, wäre es doch auch wichtig, dass die Frau ein gewisses Einkommen hat und für ihn Teilzeitarbeit möglich ist. Dasselbe umgekehrt, damit Mütter arbeiten können, muss es für die Väter möglich sein, ihr Pensum zu reduzieren. Wieso muss es entweder oder sein, man sollte gemeinsam versuchen, due gesellschaftliche Norm zu überwinden

    • Bobtail am 13.04.2017 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @fastreader

      So lange es einem Sanitär, Polymechaniker oder Handelskaufmann nur unter widrigsten Umständen möglich ist in Teilzeit zu arbeiten (z. B. 50 - 60%), ist es auch für die Frau oder Partnerin schwierig Kinderbetreuungszeit an ihn abzugeben. Der Mann soll auch für seine Rechte und für die Männeremanzipation einstehen, gerade in einer noch so patriarchal geprägten Gesellschaft.

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  • fastreader am 12.04.2017 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sieht man auch in den Kommentaren

    Wenn Frauen z.b. als junge Mütter Probleme haben, eine Stelle zu finden, dann bekommen sie von allen Seiten zu hören, dass sie gefälligst zuhause bleiben sollen und sich um ihr Kind zu kümmern haben. Sie sind mehr in der gesellschaftlichen Struktur eingebunden und trauen sich villeicht nicht, sich stärker einzusetzen. Wenn ein Mann sich um sein Kind kümmern möchte (Sorgerecht), ist das eine bewusstere Entscheidung und wenn es nicht ermöglicht wird, kämpft man stärker dafür. Im allgemeinen denke ich, dass deutlich mehr Frauen von diesem Problem betroffen sind, aber man hört mehr von den Männern