Neues Trendwort

21. November 2014 11:46; Akt: 21.11.2014 13:00 Print

«Männer würden sich nie lumbersexuell nennen»

Sie tragen Holzfäller-Hemden, Stiefel und Bärte und werden lumbersexuell genannt. Experten erklären, weshalb wir alles benennen müssen und wer solche Ausdrücke kreiert.

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Der Begriff Metrosexualität wurde 1994 erstmals vom britischen Journalisten Mark Simpson publiziert. Das Wort setzt sich aus den Bezeichnungen «metropolitan» und «heterosexual» zusammen. Der Mann, der am meisten mit diesem Lebensstil in Verbindung gebracht wird, ist David Beckham. Er verkörpert quasi die Metrosexualität, bei der sich der Mann nicht schämt, sich mit Gesichtscreme und Haargel einzuschmieren, Ohrringe zu tragen, sich die Augenbrauen zu zupfen und die Beine zu rasieren. Es war dann auch Simpson, der dem neuen Typus Mann wieder einen Namen gab. In einem Essay im «Telegraph» schrieb er über Spornosexualität, einer Mischung aus «Sport» und «Porno». Dabei handelt es sich um eine noch extremere Form der Metrosexualität. Der Mann fokussiert dabei nur noch auf seinen Körper, trainiert täglich im Fitnesscenter, widmet sein Leben dem Sixpack und will für dieses dann auch von Frauen angehimmelt werden. Deswegen posiert er überall oben ohne. Das Paradebeispiel hierfür: Christiano Ronaldo. Dieser Begriff, der von einer US-Marketingagentur erfunden wurde, beschreibt einen Modestil, der eigentlich gar keiner ist. Denn die Idee dahinter ist, so gewöhnlich wie möglich auszusehen. Dank 08/15-Kleidungsstücken, wie Musiker Ed Sheeran sie hier trägt, soll verhindert werden, dass man aus der Masse hervorsticht. Dieser Stil ist der letzte Schrei. Obwohl es ihn schon lange gibt, sorgt er derzeit auf der ganzen Welt für Schlagzeilen. Der Grund: Das Modemagazin «Cosmopolitan» hat dem Trend einen Namen gegeben. «Lumber» bedeutet auf Englisch Bauholz. Hierbei geht es aber nicht, wie man vermuten könnte, um Männer, die auf Holz stehen, sondern um Männer, die so tun, als wären sie Holzfäller, Lumberjacks also. Sie tragen karierte Flanellhemden, schwere Schuhe, die jedem Wetter trotzen, und lange, ungepflegte Bärte.

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Metrosexuell, spornosexuell, Norm Core, Hipster, Nerd, Nipster und wie sie alle heissen. Nun hat sich noch ein neuer Name in die Männer-Trend-Kleider-Lebensstil-Liste eingereiht: lumbersexual. Wortwörtlich heisst das so viel wie Bauholz-sexuell.

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Gemeint sind aber Männer, die den typischen Holzfäller-Look tragen: karierte Flanellhemden, schwere Stiefel und lange Bärte, wie Storyfilter schreibt. Obwohl der Stil des «lumberjacks» (eben: Holzfäller) nicht neu ist, sorgt er seit der offiziellen Namensgebung vom Modemagazin «Cosmopolitan» und dem Newsportal Buzzfeed weltweit für Schlagzeilen.

«Kleiderfirmen wollen damit Werbung betreiben»

Doch woher kommen eigentlich all diese Namen? Stecken Firmen dahinter, die mit einem cleveren Marketing-Trick agieren? Oder brauchen Journalisten einfach einen Begriff, um über diesen Trend schreiben zu können? Frank Luck, Gender-Experte der Uni Basel, sagt: beides.

Luck erklärt, es sei wichtig zu unterscheiden, ob wir es mit gesellschaftlichen oder ökonomischen Prozessen zu tun hätten. Phänomene zu benennen, könne eine Marketing-Strategie sein. «Mann-Sein» könne neuerdings aber vielfältig gelebt werden, dies sei ein bedeutender gesellschaftlicher Wandel. Wohl sei es aber auch eine Notwenigkeit für Journalisten, Trends einen Namen zu geben, damit eine Berichterstattung möglich ist.

Auch Karin Frick, Trendforscherin vom Gottlieb-Duttweiler-Institut, sagt, die Erfindung dieser Namen bediene das Interesse verschiedener Parteien. Das Ziel sei aber immer dasselbe: Aufmerksamkeit generieren, provozieren, etwas kreieren, das polarisiere und im Gedächtnis bleibe. «Kleiderfirmen beispielsweise wollen mit solchen Ausdrücken vom Modeheftli in den redaktionellen Teil kommen, um Werbung für ihre Flanellhemden zu machen.»

«Journalisten wollen Begriffe prägen»

Doch auch Journalisten hätten ein Bedürfnis, mit derartigen Bezeichnungen ein Trendwort zu erschaffen oder einen Begriff zu prägen, damit sie weiter zitiert und beachtet würden. «Unter Journalisten, Bloggern und anderen Publizierenden herrscht ein harter Wettkampf. Wer ein solches Reizwort erfindet, macht Eindruck.»

Je emotionalisierter ein Wort sei, desto besser. Daher enthielten viele dieser Ausdrücke den Begriff «sexuell», das sorge bekanntlich für Aufregung und habe einen hohen Reizwert, so Frick. «Kein Mann würde aber sich selbst als lumbersexuell oder spornosexuell bezeichnen.» Schliesslich wolle niemand schubladisiert werden. Diese Ausdrücke brauche man eher in abwertender Art, um über andere zu sprechen.

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