Privatgärtner

20. April 2017 21:10; Akt: 21.04.2017 12:33 Print

«Man muss sich überlegen, ob sich Frostschutz lohnt»

Während die Bauern keinen Aufwand scheuen, ihre Pflanzen vor dem Frost zu schützen, setzen Hobbygärtner auf einfache Mittel.

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In der ganzen Schweiz haben sich diese Woche besonders die Obstbauern gegen den Frost gewappnet. Mit Frostkerzen oder Vliesdecken versuchen sie ihre Ernte zu retten. Für sie steht viel auf dem Spiel: Von den Früchten und dem jungen Gemüse hängt teils gar ihre Existenz ab.

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Werner Hermann vom Verband der Familiengärtner hat am Mittwochabend noch Familiengärten besucht. «Es waren viele da, um empfindliche Pflanzen abzudecken. Die Leute waren gut vorbereitet.» Die Gärtner hätten um jene Pflanzen Angst, die gerade in der Blüte seien.

In den Garten-Centern blieb es ruhig

Andere Hobbygärtner sehen die Frosttage etwas gelassener. Im Garten-Center Hauenstein in Rafz ZH etwa blieb der Ansturm auf Frostschutz-Produkte aus, wie Gärtnermeister Andreas Schedler sagt. Das hat verschiedene Gründe: «Viele wissen nicht, was sie machen sollen. Andere finden sich einfach damit ab.»

Auch im Jumbo verläuft alles im normalen Bereich. Verkaufsspitzen beim Frostschutz wurden keine festgestellt. «Wahrscheinlich, da zwischen dem Schneetreiben immer wieder strahlend schönes Wetter herrscht, was die Leute hoffnungsvoll stimmt», erklärt Sprecher Daniel Hofmann. Vlies und Bubble-Folie (Luftpolsterfolie) seien zudem das ganze Jahr erhältlich. Diese seien günstig und begehrt und schützten zudem gut. Auch Holzwolle bekommt man überall, die braucht es etwa für Erdbeeren.

Profis haben andere Mittel als Hobbygärtner

Dass die Hobbygärtner in den Fachmärkten keine Regale stürmen, heisst aber nicht, dass sie nichts gegen den Frost tun. Sie setzen laut Schedler aber eher auf einfachere Mittel: «Sie legen etwa ein Leintuch über das Beet, das schützt genauso gut wie Vlies. Oder dann stellen sie die empfindlichen Pflanzen an die Hauswand oder in die Wohnung.» Bei Obstbäumen könne man hingegen mit wenig Aufwand kaum etwas bewirken.

Weitere Punkte, weshalb die privaten Gärtner weniger Aufwand gegen den Frost betreiben, sind schlicht die verfügbaren Mittel und deren Kosten. «Als Profi hat man andere Möglichkeiten als als Privatgärtner», erklärt Schedler. «Wir haben unsere Bäume beispielsweise die ganze Nacht über alle 10 Minuten mit Wasser beregnet, damit sich eine schützende Eisschicht um die Knospen bildet. Das braucht aber viel Wasser und Planung.» Auch Frostkerzen seien mit Kosten verbunden, die Hobbygärtner eher scheuten. «Man muss sich überlegen, ob es sich wirklich lohnt.»

«Schäden sieht man nicht sofort»

Private Gärtner müssen sich wegen eines Ernteausfalls weniger Sorgen machen als etwa Bauern. Laut Schedler werde der Frost jedoch von vielen auch stark unterschätzt. «Heute denkt man einfach anders. Unsere Grosseltern hätten niemals jetzt schon gesät. Sie orientierten sich noch viel stärker am Wetter. Heute ist man spontaner.»

Gerade die warmen März- und Apriltage hätten viele vergessen lassen, dass es nochmals kalt werden könnte. «Das konnte man sich einfach nicht vorstellen.» Die Euphorie habe die Leute deshalb bereits früh in die Gartencenter getrieben, um sich mit Setzlingen einzudecken.

Wie gross die Schäden an den Jungpflanzen und Obstbäumen nun sind, lässt sich jetzt noch nicht sagen. «Das sieht man nicht sofort», so Schedler. Auch Hermann vom Verband der Familiengärtner erklärt, dass es bis zu drei Wochen dauern kann, bis die Schäden sichtbar werden. Bei Aprikosen- oder Pfirsichbäumen etwa droht im schlimmsten Fall ein Ausfall der Obsternte.

Schützen Sie Ihre Pflanzen? Schicken Sie uns Aufnahmen davon via feedback@20minuten.ch!

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kältemonteur am 20.04.2017 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    respekt

    an alle bauern, die schon so viel zu tun haben und jetzt auch noch so sehr viel zusätzlicher aufwand haben, ohne was dafür zu bekommen. vielen dank dass ich wegen euch immer einen vollen magen habe

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  • Celine am 20.04.2017 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme Bauern

    Mir tun die Bauern leid mit all der vielen Mehrarbeit. Leid tun mir die Privaten aber nicht. Denn ich habe schon Anfang April viele Balkone und Gaerten gesehen mit Pflanzen die erst nach Mitte Mai rausgehoeren.

    einklappen einklappen
  • Typhoeus am 20.04.2017 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kampf den Elementen

    Im Normalfall ist die Natur stärker. Aber hoffen wir für dieses Mal.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kevin am 21.04.2017 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    ist doch logisch

    ist doch logisch, dass privatgärtner keinen grossen aufwand betreiben. sie sind schlichtweg nicht auf den Ernteertrag angewiesen. es ist schön, wenn man Gemüse aus dem eigenen garten hat, aber nicht existenzentscheidend. bei Bauern sieht das ganz anders aus. die ernte sichert ihnen das einkommen und ihre Existenz. beruf und hobby sind immer zwei paar schuhe.

  • Stardusk am 21.04.2017 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Orangen und Zitronen

    Bin froh hab ich mein Orangen- und Zitronenbaum noch nicht aus dem Wintergarten genommen. Die blühen wie verrückt und sind bereits grösser als ich selbst bin. Habe meine helle Freude daran. Ab Mai dürfen dann auch die Beiden frische Luft schnuppern

  • Thomas am 21.04.2017 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht übertreiben!

    Bei mir im Garten müssen die Pflanzen von alleine überleben. Sonst haben sie in meinem garten nichts zu suchen.

  • Hildi am 21.04.2017 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Auch wenn Aprilwetter normal ist

    ...dass es aber schon so früh fast sommerlich warm wird, so dass auch die Bäume und alles andere sehr früh anfangen zu blühen, ist wohl nicht normal. Früher hiess es, Wonnemonat Mai, wenn alles blüht. Der Bärlauch ist auch schon fast durch und bald verblüht, obwohl man bis Juni ernten können sollte.

  • Tom Kalk am 21.04.2017 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Supermeteorologen

    Und da sagen unsere Supermeteorologen am 1. März ist der Frühlingsanfang