Waffenschmuggel

25. April 2018 08:33; Akt: 25.04.2018 08:41 Print

«Möglich, dass ein Anschlag geplant war»

In Italien wurde ein Bosnier verhaftet, weil er in seinem in der Schweiz gemieteten Auto Waffen schmuggelte. Das sei kein Einzelfall, sagt ein Experte.

Ein Video der italienischen Polizei zeigt die geschmuggelten Waffen des Bosniers. (Video: Carabinieri Gorizia)
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Bei einer Routinekontrolle zwischen der slowenischen und der italienischen Grenze hat die italienische Polizei in Gorizia einen 52-jährigen Mann mit den Initialen C. J. festgenommen, der zahlreiche Waffen in seinem gemieteten Auto transportiert hatte. Der Bosnier war auf dem Weg nach Barcelona, als er aufgegriffen wurde. Bei der Durchsuchung des Peugeots 206 mit Schweizer Nummernschild fanden die Beamten unter anderem Maschinenpistolen, Schrotflinten, mehrere Kalaschnikow-Gewehre und dazugehörige Munition.

«Es ist bekannt, dass das Material von Waffenschmuggel meistens aus dem Balkan kommt», sagt Alexandre Vautravers, Sicherheitsexperte und Leiter des neuen Master-Studiengangs Globale Sicherheit an der Universität Genf. «Solcher Schmuggel kommt häufiger vor, als man denkt.» Neu in diesem Fall sei allerdings, dass so viele automatische Waffen transportiert worden seien.

«Der Balkan ist eine wichtige Quelle für illegale Schusswaffen in Europa», bestätigt Francesco Marone, Terrorismus-Experte beim Mailänder Institut für Internationale Politische Studien (Ispi), gegenüber 20 Minuten. Mit Ausnahme zweier Pistolen aus Italien seien die Waffen in Balkan-Ländern hergestellt worden.

«Terroranschlag vereitelt»

Es sei schwer abzuschätzen, ob der Schmuggel in den letzten Jahren zugenommen habe, sagt Alexandre Vautravers. «Seit 2015 gibt es in Europa einen grossen Druck, um die Zusammenarbeit zwischen den Nationen zu verbessern und so Schmugglern besser auf die Spur zu kommen.»

Er bezweifelt, dass der 52-Jährige alleine gehandelt hat: «Wir haben bei Terroranschlägen wie bei «Charlie Hebdo» oder beim Bataclan gesehen, dass ein grosses Netzwerk im Hintergrund agiert.»

So sei eine Person oder eine Gruppe für die Lieferung der Waffen zuständig, eine andere für die Logistik oder für die Ausbildung an den Waffen. «Es ist also absolut möglich, dass ein Terroranschlag mit diesen Waffen geplant war und die Polizei diesen vereitelt hat.»

«Sicherheitslücke in Katalonien»

Infrage komme aber auch, dass die Waffen nicht für extremistische Kreise bestimmt gewesen seien, sondern für Drogen-Netzwerke oder andere kriminelle Organisationen. In Südfrankreich sei dieses Problem der Polizei gut bekannt. «Drogen-Gangs beschützen mit solchen Waffen ihr Territorium vor anderen Gruppen.» Dieser Meinung ist der italienische Experte Marone auch. Die meisten Anschläge in Europa - mit Ausnahme von Frankreich 2015 und Belgien 2016 - seien nicht mit Schusswaffen verübt worden.

Das Ziel Barcelona macht für Vautravers durchaus Sinn, denn: «Die Verschlechterung der allgemeinen Sicherheitslage in Katalonien hat hauptsächlich mit der Unabhängigkeitsbewegung zu tun.» Die Guardia Civil – in Spanien für die Terrorbekämpfung zuständig – dürfe aus politischen Gründen in Barcelona nicht mehr operieren. «Die dadurch entstandene Sicherheitslücke nutzen nun kriminelle oder extremistische Kreise aus.»

(dk/kle)