Gewalt gegen Kinder

08. Oktober 2017 21:40; Akt: 08.10.2017 21:40 Print

«Man sieht die Narben immer noch»

Zwei von fünf Kindern in der Schweiz erleben Gewalt durch ihre Eltern. 20-Minuten-Leser erzählen, wie sie Schläge und Gewalt in der Familie erlebt haben.

storybild

In der Schweiz erleben zwei von fünf Kindern leichte Gewalt. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Laut dem Zwischenergebnis einer ZHAW-Studie erleben zwei von fünf Schweizer Kindern leichte Gewalt wie zum Beispiel eine Ohrfeige. Jedes fünfte ist Opfer massiver Gewalt, wie die «Nordwestschweiz» berichtete. Einige 20-Minuten-Leser erzählen, wie sie gezüchtigt wurden und wie sie das erlebt haben.

«Meine Mutter liess mich glauben, ich sei schuld an ihren Schlägen»

Yvonne:«Ich wurde von meiner Mutter regelmässig geschlagen. Viele Jahre hatte ich nur ganz wenig Selbstwertgefühl oder generell sehr wenig Vertrauen in die Mitmenschen. Ich stelle mich heute noch öfter hintan. Meine Mutter hat mich immer im Glauben gelassen, ich sei böse und demzufolge auch selber schuld an den Schlägen, sie müsse mich schliesslich bestrafen. Sie war klar überfordert mit ihrer Situation. Mittlerweile bin ich selber Mutter eines erwachsenen Sohnes und habe viel unternommen, um mit meiner Kindheit abzuschliessen, was mir auch ziemlich gelungen ist. Mein Verhältnis zu meiner Mutter ist aber immer noch sehr oberflächlich, irgendwie kann ich ihr nicht verzeihen.»

«Meine Mutter hat mich zwangsernährt»

Jennifer:«Wir drei Kinder aus den 1960ern erlebten durch die gesamte Kindheit massive Gewalt von beiden Eltern. Vater Schweizer, Mutter Deutsche. Ich wurde von meiner Mutter zwangsernährt: an den Stuhl gebunden, Hände auf den Rücken und Nase zugehalten. Erbrochenes wurde wieder zurückgeschoben. Schläge mit dem Teppichklopfer waren Standard. Vom Vater wurden die Brüder getreten, geboxt und geschlagen bis ins Spital. Heute haben wir keinen Kontakt mehr zu ihnen.»

«Ich wurde für Vergehen meines Bruders verprügelt»

C. S.:«Ich war ein Mädchen, in den früheren Fünfzigern geboren und meine Mutter hatte vermutlich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Sie mochte Frauen a priori nicht und hasste sie. Ich wurde ständig für Vergehen, die mein Bruder
begangen hatte, verprügelt und bis zum Tode meiner Mutter und meines Vaters verfolgt und schikaniert. Meine Mutter machte mir
jeden Freund schlecht und verbot mir sogar mit grossem Druck der Familie den Umgang mit diesen, als ich schon 30 oder 43 Jahre alt war.»

«Die Nachbarn unternahmen nichts»

L. M.:«Ich wurde als Kind regelmässig von meinem Vater, Süditaliener, ganz schlimm verprügelt. Heute bin ich 34 Jahre alt und noch immer sieht man die feinen Narben der Gürtelschnalle auf meinem Rücken. Obwohl Nachbarn mitbekommen haben, dass ich öfter Hämatome am ganzen Körper hatte, wurde nichts unternommen. Bereits als Dreijährige lief ich öfter von zu Hause weg. Als mein Ex-Mann vor meinen Augen unsere kleine Tochter schlug, packte ich meine Sachen und bereitete die Scheidung vor. Bitte nie wegschauen!»

«Ich erlebte jeden Tag Gewalt und Hunger»

Stella:«Mit neun Jahren kam ich als Pflegekind zu einer Bauernfamilie. Dort erlebte ich jeden Tag als Verdingkind Gewalt, Hunger und Angst, was bis zur Bewusstlosigkeit und ausgeschlagenen Zähnen führte. Sieben Jahre musste ich diese Schmach erleben.»

(vro)