51-jähriger Vater erzählt

13. April 2018 13:01; Akt: 13.04.2018 13:01 Print

«Leute sind überrascht, dass ich nicht der Opa bin»

Mit über 50 Vater zu werden, ist keine Seltenheit mehr. Ältere Papis erzählen von ihren Erfahrungen.

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2016 waren 1855 der frischgebackenen Väter bei der Geburt ihrer Kinder über 50 Jahre alt. 20 Jahre zuvor waren es erst 625. Doch was bedeutet eine Vaterschaft im fortgeschrittenen Alter für Eltern und Kinder?

Vier 20-Minuten-Leser berichten davon:

Markus Sägesser (61):
«Im vergangenen Oktober kam mein sechstes Kind zur Welt. Ich habe drei Kinder aus erster Ehe, das älteste ist 38 Jahre alt. Mit meiner zweiten Ehefrau, die 20 Jahre jünger ist als ich, habe ich nun nochmals drei Kinder im Alter von sieben und vier Jahren sowie fünf Monaten. Da ich selbstständig erwerbend bin, habe ich viel Zeit für meine Kinder und erlebe ihr Aufwachsen richtig mit. Das konnte ich bei meinen ersten drei Kindern nicht.»

Nicole und Markus Sägesser.

«Natürlich habe ich auch schon Sprüche gehört wie ‹Ist das der Grossvater?› Aber das ist eher selten. Ich sehe auch eher jünger aus und bin oftmals fitter als jüngere Väter. Meine drei kleinen Kinder sorgen dafür, dass ich jung bleibe. Jetzt, mit über 55 Jahren, bin ich viel ruhiger, kann mehr aushalten und habe nicht ständig das Gefühl, ich würde etwas verpassen, wenn ich zu Hause bei meiner Familie bin.»


R. O.* (16):
«Mein Vater war 49 Jahre alt, als ich zur Welt kam. Meine Mutter hingegen ist 17 Jahre jünger als er. Ich habe noch einen zwei Jahre jüngeren Bruder. Als Kind habe ich noch nicht realisiert, dass mein Vater älter ist als andere. Er ging oft mit uns wandern, wir waren viel unterwegs. In der Oberstufe wurde es dann schwieriger für mich: Meine Mitschüler machten oft Sprüche wie ‹Mein Grossvater ist ja noch jünger als dein Vater.› Damals ging mein Vater bereits in Pension. Ich musste mir also vieles anhören.
Besonders unangenehm waren mir die Elternbesuchstage in der Schule. Dort fiel mein Vater jeweils deutlich auf zwischen den jüngeren Eltern meiner Mitschüler. Positiv an einem älteren Vater ist, dass er viel Zeit für mich hatte und ich von seiner Erfahrung profitieren konnte. Trotzdem: Ich selbst möchte kein alter Vater sein, das werde ich anders machen.»


Armin Frei (58):
«2011 wurde ich im Alter von 51 Jahren zum zweiten Mal Vater mit meiner zweiten Ehefrau. 1984 bekam ich mit 24 Jahren meine Tochter. Sie wiederum gebar 2008 einen Buben. Mein siebenjähriger Sohn ist also der Onkel von meinem zehnjährigen Enkel. Die beiden verstehen sich sehr gut und gehen oft gemeinsam Fussball spielen. Sie sind wie Geschwister. Für mich war das nie ein Problem, es hat sich halt so ergeben.»

Armin und Tom Frei.

«Leider bin ich seit zwei Jahren alleinerziehend, da die Mutter meines Sohnes uns verlassen hat und zurück nach Thailand ging. Ich mag nicht daran denken, was geschieht, wenn ich mal nicht mehr da bin. Wenn ich mit meinem Sohn spazieren gehe, werden wir natürlich schon manchmal angesprochen. Die Leute reagieren dann überrascht, wenn ich sage, ich sei der Papi, nicht der Opa. Mein Sohn sagt aber oft zu mir ‹Papi, gäll, du bisch no jung›, auch wenn ihm auffällt, dass ich deutlich älter bin als die Eltern seiner Kindergartenfreunde. An meinem Erziehungsstil merkt man schon, dass ich schon etwas älter bin. Mir ist etwa wichtig, dass mein Sohn Anstand lernt.»


Ursi M.* (38):
«Bei meiner Geburt war mein Vater 56 Jahre alt. Meine Mutter hingegen war erst 37. Ich kam als jüngstes von fünf Geschwistern auf die Welt und war ein Nachzügler. Zwischen mir und meiner ältesten Schwester liegen 17 Jahre. Wenn ich früher mit meinem Vater unterwegs war, hörten wir manchmal schon die Leute sagen: ‹Das ist doch ihr Grossvater.› Gestört hat mich das aber nie, ich fand es lustig. Schliesslich hatte es auch Vorteile, dass mein Vater schon älter war: Er war 1924 geboren und erlebte deshalb den Zweiten Weltkrieg mit. Ich konnte von seiner Lebenserfahrung sicher profitieren, das merke ich noch heute. Leider ist mein Vater im Alter von 76 Jahren gestorben und konnte so weder meine Hochzeit noch die Geburt meiner drei Kinder miterleben. Das ist sicher ein Nachteil daran, wenn man erst spät Kinder bekommt.»

* Namen der Redaktion bekannt.

(sil)