Herzstillstand im Laden

13. Juni 2017 08:34; Akt: 13.06.2017 13:33 Print

«Mein Bekannter hätte gerettet werden können»

Ein Mann hatte in einem Bahnhofsshop einen Herzstillstand. Die Angestellte traute sich nicht, Erste Hilfe zu leisten. Bei Notfällen reagiert jeder Fünfte so.

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Es war ein tragischer Fall, der sich vor mehr als zwei Wochen in einem Bahnhofsshop im Grossraum Zürich ereignete. «Ein Bekannter von mir hatte dort einen Herzstillstand, brach zusammen», erzählt die Medizinstudentin Lara*. Die Verkäuferin im Shop soll sich sofort an die Notrufzentrale gewandt haben, wie die Verwandten ihr erzählt haben.

Der Mitarbeiter am Telefon soll daraufhin versucht haben, die Shop-Angestellte bei den Erste-Hilfe-Massnahmen anzuleiten. «Doch die Frau hat gesagt, sie wisse nicht, wie das geht, sie könne das nicht», erzählt Lara. Bis die Sanitäter zehn Minuten später eingetroffen seien, sei jede Hilfe zu spät gewesen – und der Bekannte verstorben.

«Unverzüglich mit der Herzdruckmassage beginnen»

Die Medizinstudentin macht der Verkäuferin keinen Vorwurf. «Sie hätte in Erster Hilfe ausgebildet sein sollen, dann hätte mein Bekannter gerettet werden können.» Migros und Coop etwa tun dies. Bei Valora, zu der der Shop gehört, hingegen nicht (siehe Box).

Sprecher Roland Portmann von Schutz und Rettung Zürich bestätigt dass die Ersthelfer vor Ort wichtig sind. «Hat jemand einen Herzstillstand, geht es um Leben oder Tod. Macht man nichts, reduziert sich die Überlebenschance des Patienten massiv.» Darum sei es wichtig, unverzüglich mit der Herzdruckmassage zu beginnen. Laut Portmann ist die Verkäuferin im Bahnhofsshop aber nicht die Einzige, die trotz Anleitung keine lebensrettenden Massnahmen ergreift.

«In etwa einem Fünftel der Fälle machen die Personen nicht mit»

In der schweizweit grössten Notrufzentrale am Flughafen Zürich, die Schutz und Rettung betreibt, müssen die Mitarbeitenden mehrere hundert Mal im Jahr Personen telefonisch für Wiederbelebungsmassnahmen anleiten.

Portmann: «In etwa einem Fünftel der Fälle machen die Personen am Telefon nicht mit.» Die Gründe dafür seien vielfältig. Die einen stünden unter Schock oder hätten Angst, etwas falsch zu machen, andere würden sich ekeln oder hätten sonst Hemmungen. Portmann: «Unsere Mitarbeitenden bleiben in jedem Fall am Telefon und unterstützen den Hilfesuchenden, bis der Rettungsdienst eintrifft.»

Tessin besser als Deutschschweiz

Stephan Hoenner, Sprecher des Schweizer Samariterbunds, sagt: «Erste Hilfe kann jeder lernen.» Dazu könne in der Schweiz aber noch viel mehr getan werden. «Wenn man Erste Hilfe leistet, befindet man sich in einer Ausnahmesituation.» Darum sei es wichtig, Hemmungen, Unsicherheit oder Ängsten durch Übung zu begegnen.

Hoenner rät darum zu Auffrischungskursen in Erster Hilfe,wie sie der Samariterbund anbiete. «Eine Notsituation kann jederzeit eintreffen, auch im engeren Umfeld.» Für die meisten werde Erste Hilfe erst zum Thema, wenn sie selbst davon betroffen seien. «Es ist darum wichtig, möglichst früh für das Thema zu sensibilisieren.»

Tessin besser als Deutschschweiz

Die Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen: Rund 10'000 Menschen in der Schweiz haben jährlich einen plötzlichen Herzkreislaufstillstand. Nur fünf bis acht Prozent überleben diesen.

Im Tessin, wo Herzmassage schon in der Schule gelehrt wird, lag diese Zahl 2005 schon bei 9 Prozent. Seither ist die Rate auf 19 Prozent gestiegen. Dies dank dem sogenannten First-Responder-System Ticino Cuore, an das alle Personen mit einer entsprechenden Erste-Hilfe-Ausbildung angeschlossen sind.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lilly E. am 13.06.2017 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wo waren die anderen?

    war denn da keine weitere Person vor Ort? Eine Frau ganze 10 Minuten allein mit einem Bewusstlosen... komische Szene.

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  • Andreas am 13.06.2017 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Fragt sich wieso bei dieser Gesellschaft

    in der Schule wird man ab der 1. Klasse nur ausgebildet, um in unserem System mitzuspielen und zu arbeiten. Der Mensch, seine Psyche, Seele und andere wichtige Inhalte wie z.b. Steuererklärung, Umgang mit Menschen wir komplett vergessen!

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  • Fabian am 13.06.2017 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nothelfer

    Kaum ein ÖV-Fahrer hat den Nothelferkurs gemacht, daher erstaunt mich diese Statistik überhaupt nicht. Einmal musste ich am Zürcher HB Nothilfe leisten obwohl dort ein ganzer Zug voller Leute vorbei gelaufen ist. Aus meiner sicht sollte das Strafbar sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Didi Weidmann am 13.06.2017 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Besucht Nothelferkurse!!!

    Tragische Geschichte! - Da kann man wirklich nur an alle Menschen appellieren: Besucht wenigstens einmal im Leben einen Nothelferkurs und noch besser: Frischt das dort gelernte Wissen regelmässig auf! So könnt Ihr vielleicht irgendwann Leben retten oder Euer Leben wird gerettet, weil es andere auch so hielten!

  • Marc Kleiner am 13.06.2017 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Manor Bahnhofstrasse

    Meine Mutter stürzte im Manor Bahnhofstrasse in Zürich die Rolltreppe hinunter! Sofort wurde vom Personal die Treppe gestoppt und zwei Angestellte kümmerten sich hochprofessionell um meine Mutter. Als sie merkten das es nicht so schlimm war, begleiteten/brachten Sie meine Mutter in die gegenüberliegende Notfallpraxis. Bravo und nochmals vielen Dank.

  • Stirnrunzler am 13.06.2017 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klage?

    Traurig, aber wahr: Wer hilft und es geht schief, wird am Schluss noch verklagt...

    • Didi Weidmann am 13.06.2017 19:05 Report Diesen Beitrag melden

      Im Gegenteil: Unterlassung ist strafbar!

      Wir sind hier nicht in den USA! Bei uns ist es umgekehrt: Wer nicht hilft, riskiert eine Klage wegen unterlassener Hilfeleistung. Wer hilft und nach bestem Wissen und Gewissen handelt, dem kann hingegen nach Schweizer Recht niemand einen Vorwurf machen!

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  • Donna M. am 13.06.2017 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Sehr schlimm. Ich bin überzeugt da standen noch andere mit dem Handy herum, anstatt zu helfen. Da kann man nur hoffen, dass einem selber so etwas nie passiert.

  • Hugo am 13.06.2017 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Hätte, wäre und könnte

    .... die berüchtigsten Wörter.