Leistungsdruck

26. Januar 2016 12:51; Akt: 27.01.2016 20:25 Print

«Mein Sohn bricht regelmässig zusammen»

von B. Zanni - Viele Schullektionen, Hausaufgaben ohne Ende und dauernder Prüfungsstress: Betroffene erzählen, wie sie die Schule ans Limit bringt.

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Der hohe Leistungsdruck in der Sekundarschule lässt Schulrechts-Experte Peter Hofmann ein düsteres Bild zeichnen. «Wir laufen Gefahr, dass eine Generation von Kindern unter dem Leistungsdruck und überzogenen Erwartungshaltungen zusammenbricht», warnte er kürzlich.

Hofmann legt den Finger damit auf einen wunden Punkt: Zahlreiche Leser-Feedbacks zeigen, dass die Oberstufe Schüler und Eltern ans Limit bringt. 20 Minuten hat mit Betroffenen geredet.

Keine Pause für den Kopf

«Ich habe oft Kopfschmerzen und muss Tabletten nehmen», sagt der 12-jährige Elias Halter*, der die erste Sek in Rümlang besucht. Auch schlafe er schlecht und sei müde. «Ich muss meinen Kopf dauernd anstrengen.» Elias berichtet, es stehe fast jeden Tag eine Prüfung an. Jeden Abend müsse er lernen. «Und die Lehrer geben jeden Tag Hausaufgaben auf viele andere Tage auf», klagt er. Viel Zeit kosteten ihn die Ufzgi in Deutsch und Geschichte. «Manchmal müssen wir ganze Texte von Hand abschreiben.»

Wegen der Schule bleibt die Freizeit auf der Strecke. «Ich gehe fast nie nach draussen. Das Fussballtraining musste ich aufgeben.» Selbst in den Ferien könne er kaum ausspannen. «In der zweiten Woche muss ich dann schon wieder für Prüfungen lernen.»

«Ich habe meinem Sohn schon die Aufgaben gemacht»

Seine Mutter leidet mit. «Mein Sohn hat regelmässige Zusammenbrüche. Dann weint er nur noch», sagt sie. Er schreibe pro Woche im Schnitt vier Prüfungen. «Ich sitze mit ihm zwei bis drei Stunden an den Ufzgi, manchmal bis zehn Uhr abends – obwohl er ein durchschnittlicher Schüler ist.»

Die Mutter sagt, sie habe für ihren Sohn auch schon die Aufgaben erledigt. «Es macht doch keinen Sinn, von Hand eine zwölfseitige Zusammenfassung über ein Buch zu schreiben.» Die Schule belastet das Familienleben. Skifahren am Wochenende sei nicht möglich. «Die Freizeitaktivitäten mit der Familie sind auf ein Minimum geschrumpft.»

«Ich schlafe in der Schule fast ein»

Auch Sekschüler in höheren Klassen haben zu kämpfen. Vor allem in der Zeit vor der Zeugnisabgabe sei es sehr hektisch, sagt der 15-jährige Pascal Grob* aus Appenzell-Innerrhoden. «Letzte Woche habe ich sicher etwa 15 bis 20 Stunden für Prüfungen gelernt.» Und zweimal pro Woche sitze er bestimmt bis zehn Uhr abends an den Hausaufgaben. «Am nächsten Tag bin ich dann oft so müde, dass ich im Unterricht fast einschlafe.»

Oft stehe am Montag eine Geschichtsprüfung an. «Denke ich am Freitag daran, dass ich am Sonntag wieder üben muss, liegt mir das auf dem Magen.» Der Zweitsekschüler räumt ein, schon mehr gelitten zu haben. «Kürzlich haben Schulkameraden beim Lehrer reklamiert. Seither haben wir etwas weniger Stress.»

«Die Schüler müssen sich zuhause mehr erarbeiten»

Lehrervertreter bestätigen den erhöhten Druck in der Sek. «Die Schüler müssen sich zuhause mehr erarbeiten, weil in der Schule die Zeit knapp ist», sagt Jürg Brühlmann, Geschäftsführer des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer. Dazu zählten selbständige Arbeiten wie Gruppenarbeiten, Vorträge, Projekte, schriftliche Arbeiten, Rollenspiele und Recherchen im Internet. «Im Unterricht sind andere Kompetenzen wie das Üben von Sozialkompetenz oder sinnliches Erarbeiten von Lernstoff gefragt.»

Weiter führt Brühlmann an, viele Eltern wollten ihr Kind ins Gymnasium schicken. «Jede Sek, die wenige Schüler ins Gymi bringt, gilt als schlecht.» Zudem erwarteten die Lehrmeister von den angehenden Lehrlingen immer mehr.

*Namen geändert

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Im Angesicht am 26.01.2016 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ehh ja klar 

    ja viel Spass mit dieser Generation. Die wenigsten werden davon die Schule als ein Positives Erlebnis in Erinnerung halten. Was haben wir bloss davon? Lauter kaputt Geschulte Demotivierte Menschen. Die von Leistung die Schnauze voll haben bevor das Leben begonnen hat.

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  • Arcus_71 am 26.01.2016 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte...?

    "Im Unterricht sind andere Kompetenzen wie das Üben von Sozialkompetenz gefragt." Hallo gehts noch? Das ist Aufgabe der Erziehung! Unterrichtet die Jugendlichen im Unterricht mit Schulstoff und erzieht die Jugendlichen zu Hause! Und nicht umgekehrt!

  • M.H. am 26.01.2016 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Erfahrung

    Ganz ehrlich, viele Schüler am Gymnasium sollten nicht dort sein. Mit Disziplin und Intelligenz ist auch das Gymnasium kein 24h Job. Ich kenne aucj viele die extrem viel lernen, aber meistens liegt es an Faulheit,zu späte Vorbereitung etc. Ich weiss es geht um die Sek aber ist damit vergleichbar. In der Sek müsste man Zeichen,Musik etc. freiwillig machen um die zu entlasten die keine Zeit haben sich auf "unnötige" Fächer zu konzentrieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zoey am 27.01.2016 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    am verzweifeln...

    Mit sowas ist gar nicht zu spassen! Ich leide selber darunter, habe ständig massive Schlafprobleme seit Jahren und chronische Migränenschübe... ich laufe nun schon so lange auf dem Zahnfleisch und habe immer das Gefühl nicht gut genug zu sein. Ich setze mich auch selbst unter Druck und gehe auch am Ehrgeiz kaputt (ist aber auch individuell). Man setzt so hohe Ansprüche an uns Jugendliche..wir kommen nicht damit klar! (Als Hintergrundinfos: Ich bi w/16 und gehe ins 1te Gymjahr) Kann mir jemand vielleicht hilfreiche Tipps geben wie ich dem Druck besser standhalte? (ohne dass man sagt: lern mehr!) wäre seehr dankbar!

  • Yannick85 am 26.01.2016 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ehrlich gesagt weis ich nicht was das Problem ist... Als ich in der Sek war hatte ich reichlich freizeit und wenn es hoch kam mal 2h Hausaufgaben pro woche. Wer jetzt denkt das war nur bei mir so der kann gerne alle meine Kollegen fragen bei denen war es genau gleich auch bei meinem Bruder der jetzt in der Sek ist, ist es nicht anderst

  • gymmaster am 26.01.2016 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leistungsdruck ist ein grosses problem

    16 Jahre alt und auch in der sek. Der leistungsdruck ist sehr gross 2 und 3 sek ist es am schlimmsten, habe regelmässig Kopfschmerzen und auch starker stress... wenn ich nachgebe habe ich noch schlechtere noten und mein Lehrmeister wird nicht zu frieden sein.

  • vampierli am 26.01.2016 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    war schon damals so

    in meoner gymizeit war das nicht anders, eigentlich schlimmer. es kam regelmässig vor, dass ich bis drei oder vier uhr morgens büffelte. hat man sich beschwert, so galt man als wuschi und nichtsnutz. für die viele arbeit bekam man nur rüffel, dass man nicht genug bei der sache ist und mehr leisten muss. habe seither chronische migräne. war es das wert?

  • Arcus_71 am 26.01.2016 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte...?

    "Im Unterricht sind andere Kompetenzen wie das Üben von Sozialkompetenz gefragt." Hallo gehts noch? Das ist Aufgabe der Erziehung! Unterrichtet die Jugendlichen im Unterricht mit Schulstoff und erzieht die Jugendlichen zu Hause! Und nicht umgekehrt!