Andreas Thiel

16. August 2016 14:42; Akt: 16.08.2016 15:16 Print

«Meine Bühnenkarriere in der Schweiz ist vorbei»

Andreas Thiel hat in der «Weltwoche» eine Koran-Kritik verfasst – seither werde er in der Künstlerszene geächtet, sagt er. In einem Interview holt er zum Rundumschlag aus.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In einer Streitschrift in der «Weltwoche» bezeichnete Satiriker Andreas Thiel den Propheten Mohammed als «Kinderschänder» und machte den Koran für Gewalt und Unterdrückung verantwortlich. Der Artikel erschien 2014 – und hat noch immer Nachwirkungen auf Thiels Arbeit.

Umfrage
Bedauern Sie, dass Thiel nicht mehr auftritt?
53 %
41 %
6 %
Insgesamt 17918 Teilnehmer

Denn der anschliessende Auftritt bei Talkmaster Roger Schawinski sorgte für viel Wirbel. Schawinski warf dem Satiriker danach vor, ihn antisemitisch attackiert zu haben. Nun gab Thiel der NZZ ein Interview, in dem er beklagt, seither von allen geächtet zu werden. Mit Galgenhumor sagt er: «Ich scheine mehr Feinde zu haben, als der Karriere eines Künstlers bekömmlich ist.»

«Habe eine Bresche geschlagen»

Schawinski habe überall verbreitet, er sei ein Rassist und Antisemit, sagt Thiel: «Das haben tatsächlich viele geglaubt, darunter auch Zuschauer und Kollegen in der Theaterszene.» Man reagiere in der Szene dankbar, wenn jemand als Rassist beschimpft werde, denn dann habe man endlich wieder einen Feind. Thiel spricht von Rufmord.

Zudem sei er medial gelyncht worden. Man habe ihm von Fanatismus bis zu Fremdenfeindlichkeit alles unterstellt. Auf die Frage, ob er seine Bühnenkarriere beenden wolle, antwortet Thiel: «Na ja, wenn sich die Theater und die Zuschauer gegen einen wenden, ist es unmöglich, sich auf der Bühne zu halten. Ich kann weder die Theater zur Zusammenarbeit zwingen noch die Zuschauer in die Vorstellungen prügeln.»

«Ein paar letzte Verträge»

Gegenüber 20 Minuten präzisiert er: «Meine Bühnenkarriere in der Schweiz ist vorbei.» Wo keine Nachfrage sei, brauche es auch kein Angebot. «Es ist ja nicht nur so, dass die Theater meine Satireprogramme nicht mehr buchen, es wurden sogar bestehende Verträge aufgelöst. Das ist einmalig.»

Es seien bloss noch ein paar letzte Verträge geblieben, wo er natürlich noch auftreten werde. Auch in Deutschland werde er weiterhin spielen, werde sich aber vermehrt aufs Schreiben konzentrieren. «Aber lesen wird man umso mehr von mir.»

Tochter eines Theaterleiters bedroht

Es gebe Theater, die öffentlich verkündet hätten, Rechtsextreme und Rassisten keine Plattform bieten zu wollen – und die «meinen damit mich», sagt Thiel im Interview. Theaterleiter, die sein Bühnenprogramm gebucht hätten, seien auf der Strasse beschimpft worden. «Die Tochter eines Theaterleiters wurde in der Schule beschimpft, ihr Vater lasse im Theater einen Rassisten auftreten.»

Und Thiel bleibt, mit Verweis auf die islamistischen Anschläge in Europa, bei seiner Koran-Kritik: «Dass keiner bereit ist, das Kind beim Namen zu nennen, so viel Angst und so wenig Mut hätte ich meinen Künstlerkollegen nicht zugetraut. Das Kind heisst Mohammed und macht ziemlich viele Probleme.»

(num/loo)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Langenauer am 16.08.2016 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Das Kind

    Haha genialer letzter Satz :-D Und ja, die meisten haben Angst davor eben dieses Kind beim Namen zu nennen.... Bis das Kind erwachsen ist und uns sagt was wir zu tun haben

    einklappen einklappen
  • 666777 am 16.08.2016 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheiten ertragen!

    Andreas Thiel ist ein sehr intelligenter Satiriker, seine Auftritte und Kolumnen sind absolut Sehenswert und Lesenswert. Man braucht aber eine gewisse Intelligenz sie zu verstehen!! Schade das wir auf seine Auftritte im Moment verzichten müssen. Wie recht er hatte wird die Zukunft zeigen.

    einklappen einklappen
  • Rocco am 16.08.2016 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopf hoch Andreas Thil

    Ein altes Asiatisches Sprichwort sagt: Ein Mann ohne Feinde, ist ein Mann ohne Wert!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Muli am 17.08.2016 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch normal

    Tja so ist es nun einmal wer austeilen kann, muss auch einstecken können oder etwa nicht ?

  • frizz am 17.08.2016 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ignoranten

    Schade. Aber eben, spätestens seit z.b. in der musikszene ein dj bobo stolz der "nation" wurde, gefeiert als "weltstar" (...) sollte jedem, der nur ein bisschen kultiviert, gebildet ist aufgefallen sein, wie sehr wir durchschnitt leben, welche ansprüche gelten. Schenkelklopfer.... Müslüm fürs volk. Erbärmlich. Jedem land den star, den es verdient. Thiel kann von ignoranten nicht verstanden werden.

  • Mohrenkopf am 17.08.2016 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Schade, Humor ist weder links noch rechts. Humor zeigt in erster Linie die wunden Stellen auf. Wie wir damit umgehen ist doch entscheidend. Es ist die Freiheit der Satire in jede Richtung auszuteilen bzw. aufzuzeigen. Manchmal halt rudimentär, fadengrad manchmal auf die feine Art. Bei Thiel ist beides vorhanden. Auch wenn ich noch lange nicht seiner Meinung bin, seine Vorträge sind zumindest interessant und haben nicht den Zweck für Geld irgendwas gelabbert zu haben. Auf dem Rücken des Rassimusgesetzes werden zwar viele Empfindlichkeiten in Anspruch genommen ohne aber was zu bewirken.

  • spiegelbild am 17.08.2016 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Satiriker ohne Zuschauer ist

    wie eine Bombe ohne Lunte... Um es mal in seinen eigenen Worten auszudrücken...

  • giorgio m am 17.08.2016 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Schade, dass die linken Medien und Theaterleute alles was ihnen nicht genehm ist niederknüppeln. Thiel wird deswegen nicht untergehen. Die Mehrheit der Bevölkerung steht hinter ihm.