Namensstreit

14. September 2017 17:12; Akt: 14.09.2017 17:20 Print

«Meine Mohrenköpfe sind ausverkauft»

von D. Krähenbühl - Nachdem die Mohrenköpfe der Firma Dubler unter Beschuss geraten waren, gab es heute einen Ansturm auf die Süssigkeiten. Support gibt es auch aus dem Ausland.

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«Mein Vater hat im Jahr 1946 mit diesen Mohrenköpfen angefangen, sie hiessen schon immer so», sagt Robert Dubler. Er produziert im aargauischen Waltenschwil jeden Tag über 50'000 Mohrenköpfe. Nachdem die Mohrenköpfe der Firma Dubler wegen ihres Namens unter Beschuss geraten waren, gab es heute einen Ansturm auf die Süssigkeiten. Das «Komitee gegen rassistische Süssigkeiten» hat eine Petition lanciert, die verlangt, die Firma Dubler aus dem aargauischen Waltenschwil solle ihre Mohrenköpfe umbenennen. Der Begriff sei eine «herabwürdigende Bezeichnung für den Kopf einer dunkelhäutigen Person». Die Forderung schlug hohe Wellen. Firmeninhaber Robert Dubler konnte sich heute vor Anfragen kaum retten. «Das Telefon klingelt ununterbrochen, dauernd kommen E-Mails rein». Die Reaktionen seien durchs Band positiv. «Die Leute bestärken mich darin, so weiterzumachen wie bisher und den Namen nicht zu ändern.» Support erhält Dubler sogar aus Österreich von der Mohrenbrauerei. Auf dem Logo des sogenannten Mohrenbräu prangt das Schattenbild eines stilisierten schwarzen Mannes. Das Logo stammt vom Familienwappen des Gründervaters Josef Mohr. «Auch uns wird immer wieder vorgeworfen, dass unser Logo rassistisch sei», sagt Geschäftsführer Reinhard Hämmerle. «Ich ermutige auch Herrn Dubler, standhaft zu bleiben», sagt Hämmerle. Unterstützung erhält Dubler auch von der jungen SVP des Kantons Luzern. Sie hat angekündigt, der Firma einen Besuch abzustatten. Dubler reagiert abwehrend: «Das ist zwar nett, aber – nein, danke, lieber nicht.» Sonst fange es wieder an mit links, rechts, Grün und Rot. «Das will ich gar nicht.»

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Das «Komitee gegen rassistische Süssigkeiten» hat eine Petition lanciert, die verlangt, die Firma Dubler aus dem aargauischen Waltenschwil solle ihre «Mohrenköpfe» umbenennen. Der Begriff sei eine «herabwürdigende Bezeichnung für den Kopf einer dunkelhäutigen Person».

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Die Forderung schlug hohe Wellen. Firmeninhaber Robert Dubler konnte sich heute vor Anfragen kaum retten. «Das Telefon klingelt ununterbrochen, dauernd kommen E-Mails rein.» Die Reaktionen seien durchs Band positiv. «Die Leute bestärken mich darin, so weiterzumachen wie bisher und den Namen nicht zu ändern.» Er sei jetzt bemüht, bei all dem Trubel am Boden zu bleiben.

Support von österreichischem Bierbrauer

Viele Leute schrieben ihm, dass sie heute Morgen einige Mohrenköpfe kaufen wollten. «Doch diese sind schon überall ausverkauft.» Dubler ist ob der grossen Anteilnahme gerührt: «Wenn man etwas so lange macht wie ich, dann ist das schon sehr bewegend.» Das positive Echo sei weit mehr wert als der finanzielle Zustupf durch den zusätzlichen Verkauf. «Wenn man sieht, dass die eigene Arbeit geschätzt wird, lässt sich das nicht in Zahlen messen.»

Support erhält Dubler aus Österreich von der Mohrenbrauerei. Auf dem Logo des sogenannten Mohrenbräu prangt das Schattenbild eines stilisierten schwarzen Mannes. Das Logo stammt vom Familienwappen des Gründervaters Josef Mohr. «Auch uns wird immer wieder vorgeworfen, dass unser Logo rassistisch sei», sagt der Geschäftsführer Reinhard Hämmerle. Eine Änderung des Logos oder des Namens stehe aber nicht zur Debatte. «Ich ermutige auch Herrn Dubler, standhaft zu bleiben», sagt Hämmerle.

Keine Lust auf SVP-Besuch

Unterstützung erhält Dubler auch von der jungen SVP des Kantons Luzern. Sie hat angekündigt, der Firma einen Besuch abzustatten. Dubler reagiert abwehrend: «Das ist zwar nett, aber – nein, danke, lieber nicht.» Sonst fange es wieder an mit links, rechts, Grün und Rot. «Das will ich gar nicht.»

Laut Gülcan Akkaya, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR, verstösst der Begriff Mohrenkopf als solcher nicht gegen die Rassismusstrafnorm. Die Verwendung des Begriffs ist laut Strafgesetzbuch nicht strafbar und aus rechtlicher Sicht entsprechend unproblematisch. «Dennoch kann das Wort unter Berücksichtigung der kolonialen Vergangenheit unangemessen und verletzend sein», sagt Akkaya.