Geschlechtskrankheiten

03. April 2018 06:05; Akt: 03.04.2018 08:56 Print

«Meine Partner müssen sich auf HIV testen»

Im Sommer soll ein HIV-Schnelltest auf den Markt kommen. Findet er bald bei jedem Tinder-Date Verwendung? Wir haben bei Lesern nachgefragt.

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Letztes Jahr steckten sich 542 Personen mit dem HI-Virus an. Die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit (EKSG) entschied jetzt, einen HIV-Test für den Heimgebrauch auch in der Schweiz zuzulassen, um die Neuansteckungen zu reduzieren. Das Dossier liegt jetzt beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Fakt ist: Solche Infektionen liessen sich durch die Einhaltung von Safer-Sex-Regeln relativ einfach verhindern. (siehe Box)

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Würden Sie einen solchen HIV-Schnelltest benützen?

Wie das BAG schreibt, infizieren sich vor allem Frauen bei einem bekannten Partner mit einer sexuell übertragbaren Krankheit. Die erste Reaktion war dann auch positiv: BAG-Sprecherin Katrin Holenstein liess durchblicken, dass die ersten Tests bereits im Sommer auf den Markt kommen könnten. Doch würde ein solcher HIV-Schnelltest überhaupt benutzt werden? Wird er bei einem One-Night-Stand vielleicht gar nicht mehr wegzudenken sein? Wir haben bei Lesern nachgefragt, wie sie es mit neuen Bekanntschaften halten:

C. T.* (w, 20): «Keine Frage des Vertrauens»

«Meine Partner müssen sich zwingend auf HIV testen lassen. Bei meinen beiden Beziehungen habe ich einen HIV-Test verlangt, bevor ich mit ihnen geschlafen habe. Das ist keine Frage des Vertrauens – es ist für meine Sicherheit, aber auch jene des Partners, wichtig. Vor allem in einer neuen Beziehung weiss man normalerweise nicht, mit wie vielen Personen der andere im Bett war. Auch ich lasse mich regelmässig testen – nicht nur auf HIV, sondern auch auf andere Geschlechtskrankheiten.

Ich habe meinen Partnern ausführlich erklärt, wieso ich auf einen solchen Test bestehe, und beide reagierten extrem gut, was mich auch ein wenig überraschte. Einen Schnelltest würde ich sicher befürworten – heutzutage ist es relativ mühsam, jedes Mal einen Termin beim Arzt machen zu müssen. Ausserdem würde es helfen, dass vor allem auch junge Leute darauf aufmerksam würden. Denn obwohl man heutzutage mit Tinder, Whatsapp und Facebook problemlos jemanden kennen lernen kann, werden Geschlechtskrankheiten bei vielen einfach totgeschwiegen.»

K. L.* (m, 28): «Hatte auch schon ungeschützten Sex»

«Ich habe mich auch schon beim Arzt testen lassen, als ich in einem Fall ungeschützten Sex hatte. Das ist aber schon länger her und war ziemlich umständlich, bis ich endlich Bescheid wusste. Nach dem ersten Termin muss man nämlich nach drei Monaten noch einmal zum Arzt, um eine Ansteckung komplett ausschliessen zu können. Einen solchen HIV-Schnelltest würde ich deshalb sicher benutzen, wäre ich in einer ähnlichen Situation. Das gibt mir die Sicherheit, um meine sexuellen Bedürfnisse erfüllen zu können. Vor allem Oralsex macht mit Verhütungsmitteln nur halb so viel Spass.

In einer Beziehung wäre ein solcher Test sicher keine Vorbedingung. Aber ich wäre schon froh, wenn meine Partnerin wissen würde, dass sie keine ansteckenden Krankheiten in sich trägt. Wenn sich solche Tests durchsetzen, würden die Ansteckungen sicher zurückgehen. Viele trauen sich nämlich nicht, für einen solchen Test eine Anlaufstelle aufzusuchen. Die Stigmatisierung ist halt immer noch gross.»

B. D.* (w, 25): «Geschlechtskrankheiten bei vielen noch ein Tabu»
«Ohne HIV-Test beiderseits gibt es für mich keinen ungeschützten Sex. Als ich mit 19 Jahren das erste Mal mit meinem Freund schlief, fragte ich ihn vorher, ob er einen solchen Test gemacht habe. Er bejahte dies, was sich später als Lüge herausstellte. Obwohl ein späterer Test dann zeigte, dass er negativ ist, war ich richtig sauer. Seither ist das Vertrauen weg und ich bestehe auf einen Test. Meine bisherigen Freunde hatten auch noch nie ein Problem damit, sich testen zu lassen. Wir gingen zusammen ins Unispital, wo man sehr unkompliziert für 50 Franken innerhalb von 24 Stunden erfährt, wie das Resultat ausgefallen ist.

Viele Geschlechtskrankheiten sind so gefährlich, weil sie keine Symptome zeigen. So haben extrem viele Frauen und Männer Chlamydien, ohne es zu wissen. Weil es unfruchtbar machen kann, merken es die meisten dann erst bei einem allfälligen Kinderwunsch. Mich überrascht, dass Geschlechtskrankheiten bei vielen noch ein Tabu ist. Man redet nicht darüber, und testen lassen will man sich schon gar nicht. Aber auch wenn man in einer festen Beziehung ist, lohnt sich ein solcher Test: Man weiss nie, ob der (Ex-)Partner einem immer treu war.»

*Name der Redaktion bekannt.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Women's Feet lover am 03.04.2018 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pariser

    Bei einem One-Night Stand finde ich ein Kondom sinnvoller als ein HIV Schnelltest.Wenn es wirklich was ernstes wird,dann zusammen beim Arzt einen Test machen.

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  • Entay Gebere am 03.04.2018 06:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Nacht

    Die Tests geben ja meistens nur einen Rückschluss über eine Ansteckung die 3 Monate und länger zurückliegt. (Siehe bspw. Checkpoint in ZH) Folglich wird mit der Einführung eines solchen Tests alles nur noch schlimmer. Die Leute glauben gesund zu sein, obwohl sie sich vielleicht bereits drei Wochen zuvor angesteckt haben und tragen die Krankheit so in die ganze Welt.

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  • Luz am 03.04.2018 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HIV

    Die Lösung ist nicht so ein Test zu kaufen sondern einfach mal das Hirn einschalten und nicht so egoistisch zu sein und als Mann zumindest mit dem Kondom zu verhüten... Ist das den so schwer... leider schon in dieser Konsumgesellschaft. Des weiteren ist dieser Test meiner Meinung nach kein 100 Prozentiger Verlass. Den wär 100 Prozent bestätigung haben möchte muss es profesionel machen lassen sprich im Spital Blut abnehmen lassen welches dann in ein Medizinisches Labor geht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ....... am 03.04.2018 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HPV

    Gut 60 % der Frauen und Männer in der Schweiz tragen das HPV Virus in sich , das bei Frauen für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist , wird übrigens auch über Geschlechtverkehr übetragen und vergessen !

  • Aufklärung am 03.04.2018 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    AIDS - ein Angstmacher

    Das schlimmste bei einem positiv ausgefallenen AIDS-Test ist wahrscheinlich der einsetzende psychische Druck. Das angebliche Todesurteil schon in der Tasche (HIV= AIDS= Tod), drehen sich die Gedanken des Mitbürgers nur noch um Krankheiten und das baldige Ableben. Der AIDS-Test wird übrigens 400fach verdünnt bevor man ihn auswertet. Ansonsten würde er stets ein positives Ergebnis zeigen! Auch ansonsten soll der Test mehr als ungenau sein. Positiv verläuft er Beispielsweise nach manchen Impfungen, um Wochen später wieder negativ auszufallen.

  • herr döpp fähl am 03.04.2018 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    problemlos?

    auf tinder und co. problemlos jemandem kennen lernen? erklärt mir mal jemand wie? alles sinnloser müll

  • Boris am 03.04.2018 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Partner ?

    Ein Partner oder eine Partnerin genügt doch, dann braucht es auch den Test nicht wirklich.

  • Tremor am 03.04.2018 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HIV Hysterie

    Warum immer diese HIV Hysterie, es ist so absurd, es ist wesentlich wahrscheinlicher sich in einer Partnerschaft mit HIV anzustecken (meistens betrifft es die Frau) als bei einem ONS, ausserdem sind Tripper und Syphilis wesentlich ansteckender, diese Krankheiten neben übrigens auch unter Heterosexuellen rasant zu und Antibiotika wird nicht ewig helfen, Bakterien mutieren meistens schneller und effektiver als Viren. Gerade mit Tripper kann man sich sehr schnell anstecken, eine HIV Infektion kann man wenigstens mit dem Gebrauch von Präservativen ausschliessen...