Infektiologe zu Beissattacke

27. Juni 2014 18:18; Akt: 27.06.2014 18:18 Print

«Menschenbiss ist schlimmer als Hundebiss»

Die ganze Welt lacht über den beissenden Luis Suárez. Doch die Zahn-Attacke hätte ernste Folgen haben können. Laut einem Experten sind Menschenbisse äussert gefährlich.

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Den Fans gefällt's, Adidas weniger. Der deutsche Sportartikelhersteller zieht diese Werbeanzeige mit Suárez zurück, die ihn mit aufgerissenem Mund und gefletschten Zähnen zeigt. Die Zusammenarbeit mit dem Stürmer bleibt aber bestehen. Ganz im Gegenteil zum Vertrag mit 888poker. Der Betreiber von virtuellen Poker Rooms in zahlreichen Ländern schmeisst Suárez mit sofortiger Wirkung raus. Ein anderer Sportstar, der Sponsoren verlor, ist Lance Armstrong. Fast alle Werbepartner, darunter Nike, Trek und RadioShack, beendeten ihr Engagement mit dem Amerikaner. Dadurch gingen dem Ex-Radprofi laut «Forbes Magazine» rund 50 Millionen Dollar durch die Lappen. Seine Sexgeschichten kosteten Tiger Woods Millionen an Werbegeldern. Laut «Fox Sports» kündigten AT&T, Accenture, Gatorade, and Gillett ihren Vertrag mit dem Golfer. Dadurch verlor Woods rund 30 Millionen Dollar in einem Jahr. Tipps, wie man mit verlorenen Werbedeals umgeht, kann sich Luis Suárez bei Uruguays Gruppengegner England holen. Nachdem Wayne Rooney's Abenteuer mit Prostituierten ans Licht kamen, verlor er seinen Deal mit Coca-Cola, der im rund eine Millionen Dollar pro Jahr einbrachte. Auch von Ronaldinho hat sich Coca-Cola getrennt. Der Grund: Der Brasilianer trank bei einer Pressekonferenz Pepsi. Der Deal mit Cola hätte Ronaldinho laut dem «Stern» rund 600'000 Euro gebracht. Ben Roethlisberger, Quarterback mit Schweizer Wurzeln, wurde wegen dem Verdacht auf sexuelle Belästigung von der NFL gesperrt. Big Ben's Beef Jerky löste darauf den Vetrag mit dem Footballspieler auf, der ihm 300'000 Dollar pro Jahr einbrachte. Auch US-Basketballstar Kobe Bryant verlor vor rund zehn Jahren seine Werbedeals mit Nutella und McDonald's, nachdem ihn eine 19-jährige des sexuellen Missbrauchs bezichtigte. Mercedes kündigte nach jahrelanger Zusammenarbeit den Werbevertrag mit Ex-Tennisprofi Boris Becker. Grund sollen laut Medienberichten die privaten Eskapaden von «Bobbele» gewesen sein. Rekodolympionike Michael Phelps wurde beim Kiffen auf einer Studentenparty erwischt. Daraufhin kündigte Kellogs die Zusammenarbeit mit dem Amerikaner. Ex-Footballer O.J. Simpson verlor seinen Sponsoringvertrag mit dem Autovermieter Hertz, nachdem er von der Polizei festgenommen wurde. Ein weiterer ehemaliger NFL-Spieler, der von seinen Werbepartnern verlassen wurde, ist Michael Irvin. Der Hall of Famer wurde mit Kokain erwischt. Und auch unter den Leitathleten finden sich prominente Beispiel. Der 100-Meter Olympiasieger ben Johnson wurde des Dopings überführt und verlor daraufhin unter anderem seinen 2,8 Millionen Deal mit Diadora. Das Sponsorengeld für den 5000-Meter Sieger Dieter Baumann wurde von der Bayer AG nach der «Zahnpastaaffäre» auf Eis gelegt. Der Deutsche hatte behauptet, das Doping sei in seiner Zahnpasta gewesen.

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Herr Battegay, Urugays beisswütiger Nationalspieler Luis Suárez ist mittlerweile zum Gespött auf sozialen Netzwerken geworden. Doch wie gefährlich sind Menschenbisse tatsächlich?
Manuel Battegay*: Menschenbisse sind nicht harmlos und können äusserst gefährlich sein. Im menschlichen Mund existieren weit über 100 verschiedene Keime, die eine wichtige Platzhalter- und damit Schutzfunktion haben. Sie gehören aber in den Mund und nicht an andere Orte, vor allem nicht unter die Haut oder in Weichteile.

Was können diese Keime denn anrichten?
Unter der Haut können sie schwere Infektionen verursachen, schlimmstenfalls auch Blutvergiftungen. Gefährlich können Menschenbisse insbesondere deshalb sein, weil Infektionen zunächst oft unbemerkt bleiben und erst nach Tagen in Erscheinung treten. Deshalb werden bei Menschenbissen oft auch vorbeugende Therapien mit Antibiotika durchgeführt.

Man liest immer wieder, Menschenbisse seien sogar gefährlicher als Hundebisse.
Es kommt auf die Tiefe des Bisses an. Je tiefer der Biss ist, desto gefährlicher. Tatsächlich können Menschenbisse schlimmer sein als Hundebisse. Wichtig ist aber auch, wo jemand gebissen wird. Bei Menschenbissen ist oft die Hand betroffen. Da die Haut dort extrem dünn ist, schützt sie daher kaum. Der Biss kann den Knochen verletzen und erhöht somit die Infektionsgefahr. Hundebisse betreffen meist die Waden, wo mehr Weichteile den Knochen schützen und der Biss auch besser gesäubert werden kann.

Wie oft werden denn Menschen von anderen Menschen gebissen?
Es kommt relativ selten vor. Am häufigsten noch bei Kindern beim Spielen und Raufen oder auch bei Polizisten, die beim Schlichten von Streitereien oder bei Verhaftungen gebissen werden, weil sich die vom polizeilichen Eingreifen betroffenen Personen zur Wehr setzen.

Muss man bei jedem Menschenbiss sofort zum Arzt?
Wenn der Biss nur ganz oberflächlich ist, muss nicht zwingend ein Arzt aufgesucht werden. Dann genügt es, die Stelle zu desinfizieren. Ist der Biss aber tiefer oder blutet die Wunde sogar, ist ein Arzt aufzusuchen. Er entscheidet dann über eine vorbeugende Therapie mit Antibiotika.

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