Umwelt-Kampagne

20. Januar 2015 14:05; Akt: 20.01.2015 21:23 Print

«Nachtzug muss billiger, Fliegen teurer werden»

von J. Büchi - Der Verein Umverkehr will die Nachtzugverbindungen ins Ausland retten. Politische Gegner sprechen von einer «Schnapsidee» von Nostalgikern.

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Am Dienstagmorgen lancierten Mitglieder des Vereins umverkehR ihre Kampagne zur Rettung des Nachtzugs. Rechts im Bild: Co-Präsidentin Aline Trede. (Bild: umverkehR)

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Es sind zwei verschiedene Welten: Da sind die Nachtzüge mit ihren spartanischen Pritschen, auf denen sich die Passagiere mit Büchern und Kartenspielen oder im Dämmerschlaf die Zeit vertreiben. Wer auf diesem Weg nach Amsterdam fährt, ist über zwölf Stunden unterwegs. Stunden, in denen die Landschaften unter stetigem Ruckeln gemächlich am Fenster vorbeiziehen und die Nacht sich langsam lichtet.

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Und da sind die Direktflüge, die grosse Airlines mehrmals pro Tag anbieten. Kaum in der Luft, verwandelt sich die Schweiz in kleine Acker-, Wald- und Siedlungsvierecke, die sogleich auch wieder von einer dicken Wolkendecke verschluckt werden. Rund eineinhalb Stunden später zeichnen sich unter derselben die Grachten von Amsterdam ab. Das Reiseziel ist erreicht.

Nachtzüge ein Auslaufmodell?

Der grösste Unterschied neben der Reisezeit sind die Kosten: Variante 1 schlägt nicht selten mit einem Vielfachen von Variante 2 zu Buche. Die Nachfrage nach Nachtverbindungen sinkt stetig. In den letzten Jahren wurden deshalb unter anderem die Verbindungen Zürich–Barcelona, Basel–Moskau und Bern–Brüssel gestrichen – nur gerade noch sieben direkte Verbindungen sind übrig geblieben.

Für die Mitglieder des Vereins Umverkehr ist das ein Skandal: Sie fordern Verkehrsministerin Doris Leuthard und den SBB-Chef Andreas Meyer in einer Petition dazu auf, die bestehenden Nachtzuglinien zu erhalten und die bereits gestrichenen wieder in Betrieb zu nehmen. Am Dienstagmorgen wurde die Kampagne «Rettet den Nachtzug!» am Zürcher Hauptbahnhof lanciert. Die Co-Präsidentin von Umverkehr, Nationalrätin Aline Trede (Grüne), sagt: «Es darf nicht sein, dass umweltschädliche Billigflüge gefördert werden, während das Angebot an ökologischen Nachtzügen nach und nach ausgedünnt wird!»

Fliegen soll teurer werden

Zusätzlich zur Petition will Trede deshalb in der Frühlingssession zwei Vorstösse einreichen. Auf eine Nachtzug-Interpellation vor zwei Jahren hatte der Bundesrat geantwortet, die Kompetenz dafür liege bei der SBB. Dieses Argument will Trede aber nicht gelten lassen: «Der Bund muss als Eigner der SBB Druck machen, damit die Nachtzüge wieder an Bedeutung gewinnen.»

Dazu gehöre auch eine Wachstumsstrategie: «Man könnte die Nachtzüge quersubventionieren, damit die Tickets billiger werden – das macht man bei wenig frequentierten Inlandverbindungen auch.» Weiter müssten die Nachtverbindungen aktiver beworben und der Ticketverkauf kundenfreundlicher gestaltet werden. Im zweiten Vorstoss nimmt Trede die Luftfahrtindustrie ins Visier. «Fliegen ist heute viel zu billig – ich fordere endlich die Einführung einer Kerosinsteuer», so Trede.

Kein Geld für «Nostalgiker»

Für SVP-Nationalrat Walter Wobmann ist die ganze Kampagne eine «Schnapsidee»: «Ich sehe nicht ein, weshalb man etwas fördern sollte, wofür es keine Nachfrage gibt.» Eine Quersubventionierung von Nachtverbindungen kommt für ihn nicht infrage: «Dann müssen andere Passagiere für die Nostalgiker zahlen, die noch Nachtzug fahren wollen – das geht nicht!» Noch inakzeptabler sei es, den Flugverkehr mit Preiserhöhungen zu bestrafen. «Aline Trede und ihre Umverkehr-Leute sind offensichtlich vor zehn Jahren in der Entwicklung stehen geblieben», spottet Wobmann.

Auch bei der SBB sieht man keinen Handlungsbedarf. «Wir konzentrieren uns strategisch auf Reisezeiten von vier bis sechs Stunden», sagt Sprecher Reto Schärli. Bei längeren Reisezeiten könne der Zug schlicht nicht mit den Angeboten der Fluggesellschaften mithalten. Auf die zunehmende Konkurrenz durch Billigflüge und Fernbusse verweist auch das Verkehrsdepartement von Bundesrätin Leuthard auf Anfrage. Zudem gehörten internationale Nachtzüge nicht zum «bestellten Verkehr», für den die öffentliche Hand bezahlt. «Es ist somit ein unternehmerischer Entscheid eines Bahnunternehmens, ob und welche Nachtzüge angeboten werden», so Sprecherin Annetta Bundi.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • erdemli am 20.01.2015 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Steuergelder "verbraten"

    Eigentlich liebe ich das Zug fahren. Auch die Nachtzüge. Hätten eigentlich gerne den Nachtzug Zürich - Berlin gebucht. Dieser Nachtzug kostet aber fast dreimal soviel wie der Flug. So viel Geld könne wir als Rentner nicht so einfach rauswerfen. Warum muss eigentlich die Bahn mit Steuergelder immer subventioniert werden ?

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  • Doni am 20.01.2015 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Realitätsfremd wie immer

    Würden sich die Züge rentieren, hätte man das Angebot nicht stetig abgebaut. Zur Schnapsidee mit der Kerosinsteuer muss glaube ich nichts gesagt werden.

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  • Sina am 20.01.2015 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ich...

    kann Herr Walter Wobmann nur recht geben das ganze ist eine Schnapsidee.Wieso sollte man etwas Subventionieren wo es fast keine Nachfrage gibt ?! Und am Ende würden wieder die Ticketpreise stiegen weil ein paar wenige Nostalgiker diesen Nachtzug wollen.Glücklicherweise sind diese Nostalgiker in der Minderheit so wird diese schlechte Idee auch nicht weiter an Bedeutung bekommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tramper am 21.01.2015 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Verquere Logik

    @erdemli: Ich verstehe Ihren Gedankengang nicht. Denn die Flüge sind doch deswegen so billig, weil sie - im Gegensatz zum Nachtzug - subventioniert werden. Würde die Bahn subventioniert, dann könnten Sie als Rentner auch öfter preisgünstig mit der Bahn fahren (ab 39 Euro für Zürich-Berlin oder so).

  • Sven Glauser am 21.01.2015 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso wird Transport subventioniert?

    Wieso wird Transport überhaupt subventioniert? Heisst ja nichts anderes als, dass die, die viel reisen Geld von Steuerzahler erhalten. Derjenige, der wenig reist und somit die Umwelt schont wird finanziell dafür bestraft. Andere, die viel reisen und die Umwelt schädigen werden dafür belohnt. Wäre es nicht fairer, dass schädliche Transportmittel, weniger schädliche subventionieren würden? Wieso diese subvention? Weil die Umwelt sich nicht wehren kann. Sonst läuft alles auf kosten von ihr und wir haben Smokstädte + mehr Kranke wie in China/Indien Nur mal so ein Gedankenspiel... macht was draus.

  • Luger am 21.01.2015 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Markt

    Entweder wir ändern das System komplett - oder aber der Markt soll entscheiden welche Angebote sich rentieren angeboten zu werden. Warum soll der Bund irgendwelche Ferien finanzieren?

  • Marco am 21.01.2015 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Alte Kartoffeln..... kauft niemand.

    Niemand verkauft alte Kartoffeln die niemand haben will, und gleichzeitig die neuen Kartoffeln per Diktat so teuer anschreiben müssen, damit diese niemand kauft.

    • Der Zugbegleiter am 21.01.2015 10:26 Report Diesen Beitrag melden

      Nachtzüge sind voll

      Um mal eines klarzustellen: Die Züge sind gut gebucht und an vielen Tagen proppenvoll! Die DB hat gerade im Verkehrsausschuss des deutschen Bundestages zugegeben, dass ihre jahrelangen Behauptungen, die Reisendenzahlen seien gesunken, reine Propaganda waren. Tatsächlich sind die Zahlen gestiegen - Nachtzüge hatten doppelt so viele Fahrgäste wie von der DB behauptet! Also fallt nicht auf die Diffamierung herein, Nachtzüge seien nur was für Nostalgiker und hätten nur »spartanische Pritschen«. Sie haben vor allem Betten, Schlummertrunk und Frühstück inclusive, manche Kabinen mit eigenem Bad/WC.

    • Luger am 21.01.2015 10:39 Report Diesen Beitrag melden

      Alles OK!

      @Zugbegleiter: Dann ist ja alles prima - ausser dass sie der DB unterschellen die Unwahrheit zu sagen. Kann ich nicht beurteilen.

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  • Der Traveller am 21.01.2015 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschäftsreisender....

    Ich hatte im letzten Jahr 14 Geschäftsreisen quer durch Europa. Einmal konnte ich den Zug nehmen, Basel - Paris. Hamburg und Bremen wollte ich mit dem Nachtzug machen. Die Kosten waren jedoch so hoch das ich selbst mit einem Zwischenstopp nicht einmal die Hälfte an Kosten wie eine Strecke mit dem Zug hatte. Nebstdem hätte ich noch umsteigen müssen und die Reisezeit war mehr als doppelt so lang (inklusive früher am Flughafen zu sein, nebenbei innerhalb von Europa ist es eine Stunde vor Abflug). Da kann man sich nun überlegen in welcher Hinsicht der Nachtzug Sinn macht bzw. ein Bedürfnis ist.