Volksinitiative

15. Mai 2017 21:12; Akt: 15.05.2017 21:12 Print

«Nie mehr 1 Kilo Poulet-Flügeli für 7 Franken»

von D. Pomper - Die Stiftung Sentience Politics will mit einer Volksinitiative «die Massentierhaltung in der Schweiz» abschaffen. Der Bauernverband findet das unnötig.

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Wenn Meret Schneider in Schweizer Supermärkten durch die Fleischabteilung geht, läuft es ihr kalt den Rücken hinunter. «Es wird ein Kilogramm Chicken Wings für 7 Franken verkauft. », sagt die Projektleiterin der Stiftung Sentience Politics, die für eine bessere Haltung von Nutztieren kämpft. Die Stiftung Sentience Politics wird im Frühling 2018 die Volksinitiative «Für weniger Tierleid in der Landwirtschaft ()» lancieren. Das Ziel: in der Schweiz die Massentierhaltung abzuschaffen und den Import ausländischer Produkte aus Massentierhaltung zu beschränken. «Die Grundbedürfnisse der Tiere werden nicht berücksichtigt. Die meisten Tiere sehen in ihrem Leben weder Gras noch Sonnenlicht», sagt Schneider. «In der Schweiz werden jedes Jahr bis zu 50 Millionen Rinder, Schweine und Hühner aus ökonomischen Gründen in grossen Gruppen auf engem Raum gehalten», sagt Schneider. Der Präsident des Schweizer Bauernverbandes, Markus Ritter, steht der Initiative ablehnend gegenüber: Für wichtige Tierarten sei eine Höchstbestandesvorschrift einzuhalten. Das sei weltweit einzigartig. Die Behauptung, dass Nutztiere in der Schweiz die Sonne nie zu Gesicht bekämen, ist laut Ritter falsch. «83 Prozent der Kühe haben regelmässigen Auslauf.» Ausserdem sei in der Schweiz Käfighaltung seit 20 Jahren verboten – im Gegensatz zu Europa, wo sie noch immer erlaubt ist. Schneider kontert: «Hühner werden wegen der beengten Platzverhältnisse die Schnäbel coupiert, da sie sich sonst gegenseitig zerhacken würden.» Das Pouletprodukt ist laut Aldi ein Schweizer Poulet. Die Haltebedingungen entsprächen der BTS-Verordung (Besonders tierfreundliche Stallhaltung). Das heisst: Jedes Tier hat permanenten Zugang zu zwei räumlich getrennten Bereichen, etwa einem Fress- und einem Liegebereich. Der Liegebereich muss über «geeignetes Einstreumaterial» verfügen. Der Preis ist laut Aldi-Sprecher Philippe Vetterli damit zu erklären, dass es sich um einen «Samstag-Superdeal» gehandelt habe. Dieses Angebot sei nur an diesem einen Tag solange Vorrat gültig gewesen.

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Wenn Meret Schneider in Schweizer Supermärkten durch die Fleischabteilung geht, läuft es ihr kalt den Rücken hinunter. «Es wird ein Kilogramm Chicken Wings für 7 Franken verkauft. Überlegen Sie sich einmal, was diese Hühner für ein Leben geführt haben», sagt die Projektleiterin der Stiftung Sentience Politics, die für eine bessere Haltung von Nutztieren kämpft.

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Deshalb wird die Stiftung im Frühling 2018 Volksinitiative «Für weniger Tierleid in der Landwirtschaft (Massentierhaltungsinitiative)» lancieren. Das Ziel: in der Schweiz die Massentierhaltung abzuschaffen und den Import ausländischer Produkte aus Massentierhaltung zu beschränken. Der Bund soll laut dem Initiativtext «die Würde des Tieres in der landwirtschaftlichen Tierhaltung» schützen. Die Tierwürde umfasse das Recht, nicht in Massentierhaltung zu leben. «In der Schweiz werden jedes Jahr bis zu 50 Millionen Rinder, Schweine und Hühner aus ökonomischen Gründen in grossen Gruppen auf engem Raum gehalten», sagt Schneider. Die Grundbedürfnisse der Tiere würden nicht berücksichtigt. Die meisten Tiere würden in ihrem Leben weder Gras noch Sonnenlicht sehen.

Schweizer Tierschutzgesetz ist eines der «strengsten der Welt»

Der Präsident des Schweizer Bauernverbandes, Markus Ritter, steht der Initiative ablehnend gegenüber: «Wir haben eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt.» Für wichtige Tierarten sei eine Höchstbestandesvorschrift einzuhalten. Das sei weltweit einzigartig. «Es ist vermessen, hierzulande von Massentierhaltung zu sprechen», sagt der CVP-Nationalrat. Die Behauptung, dass Nutztiere in der Schweiz die Sonne nie zu Gesicht bekämen, ist laut Ritter falsch. «83 Prozent der Kühe haben regelmässigen Auslauf auf die Weide. Hühner tanken im Wintergarten Sonnenlicht.» Ausserdem sei in der Schweiz Käfighaltung seit 25 Jahren verboten – im Gegensatz zur EU, wo sie noch immer erlaubt ist. International aber seien die Verhältnisse in der Tierhaltung teilweise prekär. «In den USA etwa gibt es auch heute noch keine Tierschutzgesetzgebung für Nutztiere», sagt Ritter.

Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen ist eine zentrale Aufgabe aller Nutztierhaltenden, «die Gesundheit ihrer Tiere zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen». Ausserdem muss im Umgang mit allen Tieren gemäss Tierschutzgesetz die Würde des Tieres geschützt werden.

Schneider kontert: «Hühner werden wegen der beengten Platzverhältnisse die Schnäbel coupiert, da sie sich sonst gegenseitig zerhacken würden.» Und man vergesse, das Schweine einen Spiel- und Bewegungstrieb hätten wie Hunde. Dennoch müssten sie gesetzlich keinen Auslauf haben. Das gelte auch für Mastrinder: «Es reicht auch nicht, wenn sie sich auf einem Vorplatz einmal im Kreis drehen können.» Wenn es in der Schweiz tatsächlich keine Massentierhaltung gäbe, dann wäre auch nicht «so massiv viel Antibiotika» im Einsatz, sagt Schneider. Diese seien nötig, damit sich beim engen Zusammenleben der Tiere keine Krankheiten ausbreiteten.

Bundesrat sagt Nein zur Fair-Food-Initiative

Für Lebensmittel aus einer «umwelt- und tierfreundlichen Landwirtschaft» setzt sich bereits die Fair-Food-Initiative ein. Diese verlangt unter anderem das Importverbot von Fleisch aus Massentierhaltung. Der Bundesrat lehnt die Initiative allerdings ab. Das Begehren sei unvereinbar mit internationalen Verpflichtungen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • N.atur am 15.05.2017 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebewesen

    Guter Ansatz, der Mensch, mich eingeschlossen, isst sowieso mehr Fleisch als notwendig. Qualität vor Quantität, lieber weniger Fleisch essen dafür bisschen mehr zahlen und den Tieren ein schöneres Leben ermöglichen. Bei Lebewesen sollte man sich nicht zu Tode geizen!

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  • Hussein am 15.05.2017 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geist ist NICHT geil

    Lieber teuerer kaufen als billig auf Kosten der Umwelt, Tiere, Bauer und Personal

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  • Dragan Milenkovic am 15.05.2017 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dr. Animal

    Das kann ich nur unterstützen. Und an alle die sagen bio ist teuer - der geleaste chippi - BMW ist viel teurer

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sanda am 18.05.2017 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Tiergerecht?

    Nur weil wir das strengste Tierschutzgesetzt haben, heisst das nicht, dass es den Tieren besser geht. Die Frage ist: WAS ist tiergerechte Haltung? Das kann alles bedeuten.

  • basugger am 18.05.2017 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft

    Dann muss sich aber niemand wundern, wenn noch mehr im Ausland einkaufen gehen! Viele können sich das Fleisch schlicht nicht mehr leisten!

  • Lino am 17.05.2017 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit 2.99 ist man dabei.

    Schaut mal jenseits des Rheins. Da gibt es das ganze für 2.99 pro Kilo. Bei Lidl und Aldi stapeln Sich am Samstag die Schweizer die genau dieses Fleisch kaufen.

  • Samuel K. am 17.05.2017 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Und der Hund von Meret Schneider?

    Was isst er? Sicher nicht vegetarisch! Und was kosten seine Hundecrackers aus Fleisch?

  • 807687 am 17.05.2017 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kaufe schon heute konsequent...

    ...Bio- und Demeterfleisch. Dafür nur 1x die Woche, so kann man es sich bestens leisten. Auch mal weniger edle Stücke. Und dieses kostbare Fleisch enthält dann auch noch alle Nährstoffe, auch Vitamin K2, das aus dem industriell produzierten Fleisch ja gänzlich verschwunden ist. ich sehe übrigens auch Dauertiefpreise von weniger als 7.-- für Pouletflügeli, z.B. für unter 6.--. Das ist schlicht pervers.