Oberster Bauer

19. Juni 2017 18:00; Akt: 19.06.2017 20:02 Print

«Ohne Pestizide geht es leider nicht»

von Nikolai Thelitz - Zwei Initiativen wollen den Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln stoppen. Für Bauernpräsident Markus Ritter sind dies «radikale und teure» Forderungen.

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An jeder fünften Trinkwasser-Messstelle hat der Bund im Rahmen der nationalen Grundwasserbeobachtung Naqua eine Pestizid-Konzentration über dem Toleranzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter gemessen. «Diese Resultate überraschen mich gar nicht, das Schweizer Trinkwasser ist alles andere als ausgezeichnet. Immer wieder werden die Toleranzwerte für Giftstoffe überschritten», sagt Franziska Herren, Kopf der Ende März lancierten «Initiative für sauberes Trinkwasser». (Im Bild ein Helikopter der Air Glaciers, der einen Weinberg oberhalb von Siders VS gegen Ungeziefer und Pilzbefall besprüht.) Dass es auch ohne Pestizide geht, beweisen laut Initianten Bauernhöfe, die nach den Demeter-Richtlinien produzieren, die noch strenger als Bio-Vorgaben sind. «Es werden nur nicht-toxische Pflanzenschutzmittel eingesetzt, und die Tiere bekommen nur im Krankheitsfall Antibiotika», sagt Herren. Eine weitere Forderung der Initianten: Ein Bauernhof soll nur noch so viele Tiere halten dürfen wie er durch die eigene Nahrungsmittelproduktion ernähren kann. Ein ähnliches Anliegen vertritt auch die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» der Westschweizer Gruppe Future 3.0 – sie wollen synthetische Pflanzenschutzmittel in der Schweiz verbieten. Doch steht es wirklich so schlimm um das Schweizer Trinkwasser? Der Wasserverband gibt Entwarnung. «Wir haben nach wie vor sensationelles Trinkwasser, das man absolut gefahrlos trinken kann», sagt Sprecher Paul Sicher. Damit dies so bleibe, brauche es griffige Massnahmen. «Unsere Trinkwasserressourcen müssen besser geschützt werden, es braucht ein weitläufigeres Verbot von Pestiziden im Einflussbereich um die Wassergewinnungsstellen.»

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Herr Ritter, sind die Schweizer Landwirte Gift-Bauern?
Nein, sicher nicht. Wir wollen nur so viel Pflanzenschutzmittel einsetzen wie unbedingt nötig – und so wenig wie möglich. Ganz ohne Pflanzenschutzmittel geht es leider nicht. Wir brauchen sie, um die Pflanzen vor Schädlingen und Pilzen zu schützen und die Ernte zu sichern. Verbietet man die Pflanzenschutzmittel, so ist mit massiven Ernteausfällen von 20 bis 40 Prozent zu rechnen. Tiere würden bei Entzündungen ohne Antibiotika auch leiden, das wollen wir ebenfalls nicht.

Umfrage
Was halten Sie von den Initiativen gegen Pestizide?
72 %
16 %
11 %
1 %
Insgesamt 10650 Teilnehmer

Was halten Sie von den Initiativen, die Pestizide verbieten wollen?
Das sind radikale und sehr teure Forderungen. Landwirtschaftliche Produkte aus der Schweiz würden knapp werden. Wir müssten massiv mehr Nahrungsmittel importieren, und dies aus Ländern die bezüglich Tierwohl und Umweltschutz viel tiefere Anforderungen stellen. Für die meisten Produkte würden die Preise für die Konsumenten stark ansteigen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln soll gezielt erfolgen und auch weiter reduziert werden.

Also sind wir in der Schweiz auf einem guten Weg?
Ja, wir unterstützen auch den Aktionsplan Pflanzenschutz des Bundes. Sparsam mit Pflanzenschutzmitteln umzugehen, ist auch im Interesse der Bauern, denn diese sind teuer. Die Landwirte gehen nicht verschwenderisch damit um; sie wollen so wenig wie möglich verwenden und verzichten auch vermehrt darauf.

Was sind denn die Alternativen?
Der Bauernverband wird schon am Mittwoch darlegen, wie der Pflanzenschutzmittelverbauch weiter gesenkt werden kann. Im Zentrum stehen Massnahmen wie die mechanische Bekämpfung von Unkraut oder die Züchtung resistenterer Sorten gegen Pilzkrankheiten. Ausserdem wollen wir vermehrt auf Nützlinge setzen, wie etwa die Trichogramma-Schlupfwespe, die den schädlichen Maiszünsler angreift.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sarabi am 19.06.2017 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faule Ausreden

    Die Bio-Landwirtschaft zeigt, dass es durchaus ohne Pestizide geht! Das sind alles faule Ausreden! - Allerdings müssten wir Konsumenten auch bereit sein, höhere Preise zu bezahlen. Und das kannste bei vielen wohl leider vergessen...

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  • David Fischer am 19.06.2017 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ritter ist ein Heuchler

    Herr Ritter ist einer der schlimmsten Heuchler überhaupt! Ein Wahrheitsverdreher der seines Gleichen sucht. Wenn man schaut, wie er im Nationalrat seine Stimme abgibt, weiss man, wie seine Interessen sind.

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  • studi am 19.06.2017 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenzwerte

    Die Realität ist leider noch viel beängstigender und längstens bekannt: Hunderte von verschiedenen Giften können im Wasser nachgewiesen werden, wobei bei dem Gros der Grenzwert überschritten wird. Im Total ergibt das erschreckende Mengen. Viel Gegangen scheint politisch nicht zu sein.. Detailliert nachzulesen in den eawag Berichten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Iwa Serious am 26.06.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Massentierhaltung erfordert Antibiotika

    Tiere leiden ohne Antibiotika - wie bitte? Die Massentierhaltung ist es, die Tiere leiden lässt. Die Antibiotika sind nur ein Mittel, das Massentierhaltung überhaupt möglich macht (sprich: dass die Tiere ihr würdeloses Dasein bis zur Schlachtung überleben). Ob solch einer heuchlerischen Aussage von Herrn Ritter wird mir schlecht.

  • Peterson am 20.06.2017 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Pssst....

    Ohne Pestizide geht es leider nicht...denn ich stehe auf der Gehaltsliste der Pestizidlobby...Mein regulärer Gehalt reicht zum überleben nicht aus...

  • knasti am 20.06.2017 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    schlauer Bauer.

    Ja, Oberster Bauer. Wenn man sich nicht Informiert, ist das so. Ohne Gift gibt es mehr Ertrag.

  • Esstinkt am 20.06.2017 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ritter macht Wasser bitter

    Wenn der Bauer sein Feld überdüngt, ist dies das Eine. Was aber NICHT geht, dass all die Gifte in MEIN Trinkwasser (Allgemeingut) abgeleitet werden. Das muss gestopt werden! Sofort!

  • Glorius am 20.06.2017 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Chemie rettet die Evolution

    Stimmt, ohne Pestizide geht es nicht in der Aktienwelt