Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

17. Mai 2018 13:27; Akt: 17.05.2018 14:11 Print

«Verbot wäre schädlich für die Landwirtschaft»

Die Agrarexpertin Anna Bozzi spricht über die Gefahren synthetischer Pestizide für Mensch und Umwelt und die Folgen eines allfälligen Verbots in der Landwirtschaft.

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«Ein Verbot wäre unsachlich und schädlich für die Landwirtschaft»: Anna Bozzi von Scienceindustries lehnt die Initiative Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide entschieden ab. (Bild: iStock)

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Frau Bozzi, wie viel synthetisches Pestizid wird in der Schweiz verwendet?
Das lässt sich so nicht beziffern, denn es ist nahezu unmöglich, Pflanzenschutzmittel in «synthetisch» und «nicht-synthetisch» oder «natürlich» einzuteilen. Nur sehr wenige Wirkstoffe werden heutzutage noch aus der Natur gewonnen. Auch die im biologischen Anbau zugelassenen Pflanzenschutzmittel (sogenannte FiBL-Liste) sind zum Teil chemische Verbindungen und werden mit modernen industriellen Prozessen hergestellt.
Zudem sagt die Tatsache, dass ein Stoff in der Natur vorkommt, nichts über seine toxikologischen Eigenschaften aus.

Inwiefern?
Zum Beispiel ist ein Grossteil der Kupferprodukte, die im biologischen Anbau als Fungizide oder Bakterizide zugelassen sind, als gesundheitsschädlich und umweltgefährdend eingestuft. Weiter sind auch in der biologischen Produktion Insektizide bewilligt, die als bienengefährdend eingestuft sind und ähnliche Auflagen erfüllen müssen wie die in der konventionellen Landwirtschaft zugelassenen Produkte. Rund ein Drittel der von ihr im Schweizer Markt verkauften Produkte sind im biologischen Landbau zugelassene Pflanzenschutzmittel.

Welche Pestizide erachten Sie als besonders gefährlich?
Die Kategorisierung der potenziell negativen Effekte eines Pflanzenschutzmittels ist extrem schwierig zu definieren, weil jedes Produkt seine spezifischen Eigenschaften hat. Im Aktionsplan des Bundesrates zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist eine Liste mit Wirkstoffen mit hohem Risikopotenzial veröffentlicht worden. Die wissenschaftlichen Grundlagen dieser Liste sind allerdings umstritten. Kupfer ist auch auf dieser Liste, wovon mehr als 50 Tonnen pro Jahr in der Schweiz verwendet werden – ein gängiges Antipilzmittel im Biolandbau.

Die Initiative Future 3 will den Einsatz synthetischer Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion der Schweiz verbieten. Was halten Sie davon?
Scienceindustries lehnt die Initiative entschieden ab. Ein solches Verbot wäre unsachlich und schädlich für die Landwirtschaft. Nationale Alleingänge in der Rechtssetzung aufgrund ungenügender wissenschaftlicher Abstützung führen zu einem Wettbewerbsnachteil für die betroffenen, in der Schweiz ansässigen Unternehmen.

Wie schätzen Sie das Risiko von Pestiziden für Mensch und Umwelt hierzulande grundsätzlich ein?
Pflanzenschutzmittel gehören zu den am besten erforschten und geprüften Chemikalien. Sie benötigen in der Schweiz eine Zulassung, bevor sie auf den Markt gebracht werden können. Sie müssen unbedenklich für Mensch und Tier und ohne unvertretbare Belastungen für die Umwelt angewendet werden können. Spätestens nach zehn Jahren wird erneut überprüft, ob ein Produkt und sein Wirkstoff noch den Anforderungen entsprechen, die man nach neuestem Stand der Wissenschaft an ein sicheres Pflanzenschutzmittel stellt.

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Dom am 17.05.2018 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sinnvolles interview

    ich nehme nicht an, dass die hersteller der produkte, welche die initiative verbieten will, für die initiative sind?! dementsprechend werden sie wohl auch nicht die allfällige schädlichkeit der produkte in einem interview preisgeben...

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  • Mensch am 17.05.2018 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Na sowas.

    Mhm... Besterforscht. Darum hat man erst jetzt gemerkt, dass zum Beispiel Glyphosat höchstwahrscheinlich krebserregend ist. Wenn das also die besterforschtesten Stoffe sein sollen, dann gute Nacht. ;)

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  • marko 33 am 17.05.2018 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pestizide

    Mit Pestiziden ist nicht zu scherzen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bosshard am 17.05.2018 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hungersnot

    Ich weiss ja nicht wie ihr euch das vorstellt, aber wenn die synthetischen Mittel verboten würden, hätten wir ein gravierendes Problem und zwar können wir schon zur heutigen Zeit nicht mal mehr unsere Schweizer Bevölkerung ernähren. Wie Bitte soll das mit weniger Ertrag und ohne ausländische Lebensmittel Einfuhr funktionieren?

  • Tim T. am 17.05.2018 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinung geãndert

    Viel Dank für das gute Interview. Jetzt bin ich überzeugt, dass wir uns keine Sorgen wegen diesen xxxziden machen müssen. Trinke von nun an meinen Kaffee nicht mit Rahm sondern mit einem Spritzer Glyphosat.

  • Frank A. am 17.05.2018 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbot ja bitte

    Wenn die Bauern nicht freiwillig auf Biodünger und biologischen Pflanzenschutz umsteigen wollen, brauchen wir eben Gesetze und Verbote, sowie deren regelmässige Überprüfung.

  • valduina am 17.05.2018 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Endverbraucher soll entscheiden

    Man sollte den Konsomenten/innen die Wahl überlassen : billige Produkte (ohne Strafzölle) aus dem Ausland und teurere aus der Schweiz

  • Farmer am 17.05.2018 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schädlich für die Landwirtschaft?

    Stimmt. Aber gut für Mensch und Umwelt.

    • Didi Weidmann am 18.05.2018 20:38 Report Diesen Beitrag melden

      Gut für die Landwirtschaft

      Letztlich auch gut für die heimische Landwirtschaft, denn die ausländische Konkurrenz wird die strengen Auflagen kaum erfüllen können. Das ist wirksamer als alle Strafzölle und verletzt eben gerade kein WTO-Recht, wie da gewisse Leute in bewusster Desinformation Glauben machen möchten!

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