Schwächelnde CVP

12. Januar 2018 09:20; Akt: 12.01.2018 09:20 Print

«Pfister steht vor einer Herkules-Aufgabe»

Laut der Tamedia-Wahlumfrage verliert die CVP weiterhin Wähler. CVP-Präsident Gerhard Pfister sagt, der Turnaround brauche Zeit.

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Wären am vergangenen Wochenende Wahlen gewesen, hätte CVP-Präsident Gerhard Pfister laut der gewichteten Tamedia-Wahlumfrage wenig Grund zum Jubeln gehabt: Seine Partei wäre weiter geschrumpft und noch auf einen Wähleranteil von gerade einmal 9,1 Prozent gekommen. Das wären 2,5 Prozentpunkte weniger als bei den letzten Nationalratswahlen 2015.

Die CVP leidet unter fast chronischer Schwindsucht: Im Jahr 1991 kam sie noch auf 18 Prozent. Seither zählte sie mit Ausnahme der Wahlen 2007, als sie minim stärker wurde, immer zu den Verlierern. Auch in einigen Kantonen haben die Christdemokraten seit 2015 Sitze verloren.

«Pfister steht vor einer Herkulesaufgabe»

Für den Politologen Nenad Stojanovic ist klar, dass Pfister vor einer «Herkules-Aufgabe» steht: «Die traditionelle Wählerschaft, religiöse Katholiken, stirbt aus. Die CVP hat in den letzten Jahrzehnten mit einer kleinen Ausnahme immer verloren.»

Wer heute eine konservative Partei wähle, entscheide sich gleich für die SVP, wie deren Durchmarsch in den CVP-Stammlanden zeige, so der Politologe. Und weil die CVP mit Pfister einen konservativen Präsidenten eingesetzt habe, riskiere die Partei den sozialliberalen Flügel in die Arme der Grünliberalen zu treiben. Darauf deute auch die Aufwärtstendenz der GLP hin.

Gleichzeitig sei die CVP aber in den kleinen Kantonen nach wie vor stark. Da es dort nur wenige Sitze zu vergeben gibt, schlage sich ein Verlust von Wähleranteil nicht zwingend in einem grossen Sitzverlust nieder.

«C» wird nicht gestrichen

Auch Pfister verweist darauf, dass die CVP im Ständerat noch immer die wichtigste Fraktion stellt. 2017 habe man auch in den Kantonen Solothurn und Neuenburg Wahlen gewonnen. «Die Umfrage ist eine Momentaufnahme. Ich habe immer gesagt, dass der Turnaround Zeit braucht.» Dass die Belästigungsaffäre um den zurückgetretenen Walliser CVP-Nationalrat Yannick Buttet einen direkten Einfluss auf die Umfrage hatte, bezweifelt Pfister.

Er betont, dass man der CVP rundherum attestiere, dass ihre Positionen in den letzten zwei Jahren klarer geworden seien. Eine Fusion mit den anderen Mitte-Parteien wie der viel kleineren BDP sei derzeit kein Thema. «Die Konkurrenz in der Mitte tut gut.» Auch die Diskussion um die christlichen Wurzeln, eine Streichung des «C» aus dem Parteinamen, sei keine Option: «Das haben wir in der Strategiedebatte ausführlich diskutiert. Eine überwältigende Mehrheit der Basis lehnt die Streichung ab. Das C gehört zu unserer Marke.»

Rettet die Prämien-Initiative den Wahlkampf?

Hoffnung macht Pfister, dass die CVP auf die richtigen Themen setzt: So plant die Partei eine Volksinitiative zur Eindämmung der Kostenexplosion im Gesundheitswesen. Tatsächlich sehen 69 Prozent der Stimmbürger in den Gesundheitskosten eines der drängendsten Probleme, wie die Umfrage zeigt. Erst auf den folgenden Plätzen kommen die Sorge um die Altersvorsorge (64 Prozent) und das Verhältnis zur EU (56 Prozent).

Weniger stark beschäftigt die Bevölkerung der islamistische Terror: Nur knapp jeder Dritte sieht darin eines der drängendsten Probleme. Eher kein Thema sind laut der Umfrage derzeit die Arbeitslosigkeit oder die Wirtschaftslage.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Livers am 12.01.2018 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn es Pfister geling....

    Wenn es Pfister gelingt die Ultra Linken aus der CVP zu verbannen und die Bürgerlichen zu fördern ist auch eine CVP wieder Wählbar.

  • Adi am 12.01.2018 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vernunft siegt.

    Das Volk kommt langsam zur Vernunft! Die SVP ist noch die einzige Partei wo für die Schweiz einsteht. Endlich mal ein Ende mit diesen EU-TURBOS;-)!

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  • Anna am 12.01.2018 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Vergesst die CVP

    Die CVP kann man vergessen. Sie ist deckungsgleich mit der SP.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Müller am 12.01.2018 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CVP Ade

    Das Problem der CVP ist, dass man nie weiss woran man ist. Die Partei ist eine Windfahne mit Linksdrall und braucht der Markt offenbar nicht.

  • Presi Hildisrieden am 12.01.2018 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Somit nicht wählbar

    Hat nicht die CVP sich der Stimme enthalten bei der Freizügigkeit Abstimmung.

  • Marcello 1152 am 12.01.2018 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    die cvp hatte ihre guten jahre. seit ihr das rückgrat fehlt wirkt die cvp sehr kümmerlich und im winde ausgesetzt. man kann es halt nicht allen recht tun wollen

  • -jfk.CH- am 12.01.2018 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Das C gehört zu unserer Marke.

    Hä? Was hat das C (Christlich) mit einer Marke zu tun? Das C sollte man streichen und meinetwegen mit L für Liberale VolksPartei ersetzten. Mit "Christlich" hat sie vom Ursprung her, schon lange nichts mehr zu tun.

  • CHrist am 12.01.2018 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, werdet halt noch unchristlicher...

    Da "christlich" eigentlich nächstenliebend und sich um Menschen und vorallem gerade die Schwachen kümmernd heisst, ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass die noch übrigen paar letzten wahren Christen der CVP davonlaufen. Aber vielleicht passt manchen auch die Heuchlerei nicht, dass man sich als "christlich" ausgibt, dann aber einen selten asozialen Kurs fährt. Tolle Arbeit, Herr Pfister.