Kritik an Preiserhöhungen

23. November 2015 13:16; Akt: 23.11.2015 13:16 Print

«Politiker bekommen das 1.-Klasse-GA geschenkt»

Die SBB werden Reisende wohl doch bald wieder stärker zur Kasse bitten. Das bringt manche Interessenverbände und Politiker auf die Palme.

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Bundesrätin Doris Leuthard (mit Alptransit-CEO Renzo Simoni SBB-CEO Andreas Meyer) im Dezember 2013 in der Lokomotive eines Testzugs in der Weströhre des Gotthard-Basistunnels: Bundesräte und Parlamentarier erhalten ein Gratis-GA der 1. Klasse. (Symbolbild). (Bild: Keystone/Karl Mathis)

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SBB-Chef Andreas Meyer ist sich bewusst, dass Pendler schon ziemlich tief in die Taschen greifen – noch vor wenigen Wochen sagte er zur «Sonntagszeitung», eine Preiserhöhung auf Ende nächsten Jahres sei «wenn immer möglich» zu vermeiden. Ständige Preiserhöhungen würden den öffentlichen Verkehr unattraktiv machen. Meyer sagte gar, er träume von tieferen Ticketpreisen.

Es wird wohl nichts aus Meyers Vorhaben. Und seinem Traum schon gar nicht. Im Gegenteil: «Aus heutiger Sicht werden die Preise um rund 3 Prozent steigen», sagt Ueli Stückelberger, Direktor des Verbandes öffentlicher Verkehr, zur «Sonntagszeitung». Stückelberger spricht dabei von einer «moderaten Preiserhöhung».

Massive Kritik

Unterstützung erhält Stückelberger von den Kantonen. Der Zuger Regierungsrat Matthias Michel (FDP), Präsident der kantonalen Verkehrsdirektoren, sagt, es könne grundsätzlich nicht sein, «dass mangels Tariferhöhungen einzig die Steuerzahlenden höhere ÖV-Kosten übernehmen». Michel: «Die Kantone halten daran fest, dass die Transportunternehmen, die öffentliche Hand, aber eben auch die Reisenden sich an den Mehrkosten des Angebotsausbaus solidarisch beteiligen müssen.»

Dieses Argument lässt Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn Schweiz, der Interessenvertretung der Kunden des öffentlichen Verkehrs, nicht länger gelten: «Sogar Bahnchef Andreas Meyer hat die Zeichen der Zeit erkannt und ausgeführt, dass der oberste Plafond erreicht sei», sagt Schreiber – doch der Bund «dreht munter weiter an der Preissschraube». Den Politikern fehle womöglich das Verständnis dafür, was ÖV-Kosten für die Bevölkerung bedeuteten: «Muss der Bundesrat auf Reisen, stehen ihm Limousinen oder Helikopter zur Verfügung. Ausserdem bekommen Bundesräte und Parlamentarier das 1.-Klasse-Generalabonnement geschenkt – somit muss sie die Preiserhöhung nicht weiter kümmern.»

«Ticket-Preise dürfen nicht erhöht werden»

Schreiber fordert, das Parlament müsse «endlich die nicht monetären Leistungen des öffentlichen Verkehrs» anerkennen. Damit meint er «den Umweltschutz und den Verzicht auf ein gewisses Mass an Unabhängigkeit und Bequemlichkeit – und ausserdem entlastet jeder ÖV-Nutzer die Strassen». Das Steuerzahler-Argument zählt laut Schreiber nur «bedingt»: «ÖV-Nutzer beteiligen sich auch an Strassen. In jedem Gemeinde- und Kantonsbudget ist der Strassenunterhalt mit drin.» Ausserdem verursache der motorisierte Individualverkehr viel mehr Unfälle mit Todesfolge und Schwerverletzten. Schreiber: «Diese Folgekosten bezahlt indirekt auch die Allgemeinheit.»

Auch SP-Nationalrätin Bea Heim spricht von einem «falschen Signal», das durch höhere Ticket-Preise ausgesendet werde: Es gehe darum, den CO2-Ausstoss zu verringern. Das könne nur mit vermehrter ÖV-Nutzung erreicht werden. Heim: «Weil die Preise für fossile Treibstoffe massiv gesunken sind, dürfen die Ticket-Preise für den ÖV erst recht nicht erhöht werden.»

«Moderate Erhöhungen müssen drinliegen»

Anders sehen dies viele bürgerliche Politiker. Dass ÖV-Nutzer nicht alle Kosten selber tragen können, sei klar, sagt SVP-Nationalrat Walter Wobmann: «Der ÖV deckt die Kosten aber bei weitem nicht selbst – somit müssen auch Reisende ihren Beitrag leisten. Moderate Erhöhungen müssen drinliegen.» Auch Wobmann sagt aber, die Preise seien schon sehr hoch. Er meint, man müsse «ÖV-Grossprojekte grundsätzlich besser prüfen» – sie seien mit ein Grund für die stete Verteuerung.

(gbr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Verena am 23.11.2015 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    Klar, diejenigen die es sich am ehesten leisten können, kriegen es noch geschenkt.

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  • G. Erecht am 23.11.2015 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die besseren Menschen.

    Gerade die können sich das 1KL GA leisten. Aber so kann die SBB die Politiker auf ihre Seite ziehen.

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  • Kurt am 23.11.2015 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    wo geht das ganze Geld hin?

    Krankenkasse 10% (versprochen 4%), ÖV 3% (versprochen 0%), Pensionskassen im freien Fall, weiterhin steigende Mieten, Teuerungsausgleich 0%.. und der normale Bürger blutet aus..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fred am 24.11.2015 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratis GA an Pensionisten

    Die schändliche AHV für eines der reichsten Länder der Schweiz ist schon eine Schande für sich. Schein Kranke im In- und Ausland liegen schwer auf den Töpfen der Sozialversicherung. Gebt den minderbemittelten ein Gratis GA das nur zu Zeiten schwachen Streckenbelastung gültig ist. Damit sind die leeren Wagons auch ausgelastet und die Wirtschaft freut sich an den zusätzlichen Einnahmen der Reisenden. Die Mehreinnahmen kommen auch den Steuerbehörden zu gute womit sich eine Erhöhung der Billette erübrigt.

  • Heinz am 24.11.2015 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Raub am Volks-Vermögen

    Die Teilzeit-Parlamentarier-Politiker leben auf grossem Fuss, auf Kosten der Steuerzahler. Es braucht entlich einen Volksaufstand gegen diese Misswirtschaft in Bern. Am besten das ganze Parlament wird aufgelöst.

  • Tesla am 24.11.2015 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbraubares Geschenk

    Die Doris geht nie mit den Zug zur Arbeit...

  • Grüne am 24.11.2015 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autobahnen überfüllt

    Weil bei der SBB die Preise hoch sind gehen viele lieber mit dem Auto zur Arbeit, dies verursacht diese riesen Staus!!

  • Martial Kohler am 24.11.2015 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele leere Kommentare...

    Diese einfaltige Jammerei wegen freie GA 1. Klasse: Das betrifft nur die BR, NR und ST und das ist richtig so... Wer nicht zufrieden ist soll doch Politiker werden !!

    • Willauch am 24.11.2015 14:37 Report Diesen Beitrag melden

      Warum nicht

      ich finds super von der SBB und mags den Politikern auch gönnen. Noch ein Mu besser fänd ichs, wenn mir die SBB auch ein GA gratis abgäbe

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