G-20-Krawalle

29. Mai 2018 18:00; Akt: 30.05.2018 16:31 Print

«Bremgarten gilt als Hort von Linksextremen»

Beamte haben in Bremgarten eine Razzia in der linksautonomen Szene durchgeführt. Die Meinungen der Bevölkerung über Sinn und Unsinn der Aktion gehen auseinander.

Im Kulturzentrum und in einer Privatwohnung in Bremgarten wurden Razzien durchgeführt. (Video: D. K.)
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In einer koordinierten Aktion haben Polizeikräfte in Italien, Spanien, Frankreich und der Schweiz verschiedene Privatwohnungen und Treffpunkte der linken Szene durchsucht. Die Razzien standen im Zusammenhang mit den schweren Krawallen beim G-20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017.

In Bremgarten haben Beamte eine Privatwohnung in der Altstadt sowie das Kulturzentrum Bremgarten (KuZeB) durchsucht und einige Computer als Beweismittel beschlagnahmt. Festnahmen habe es keine gegeben.

Im Umfeld der Betreibenden des Kulturzentrums ist der Unmut über die Polizeiaktion gross. Trotzdem will sich vorerst noch niemand öffentlich äussern. Das tun schliesslich die Nachbarn des KuZeB. Dabei wird klar, dass die Meinungen stark auseinandergehen:

«Linke Chaoten»

«Die Polizei hat immer wieder Stress mit den Linken im KuZeB», sagt F. E.*, eine Anwohnerin, die gerade neben dem Kulturzentrum wohnt. Sie hat die Razzia hautnah miterlebt: «Mehrere Kastenwagen mit mindestens 30 Polizisten und zwei Polizeihunden standen vor dem Gebäude, einige Beamte waren sogar vermummt», sagt E. Für sie ist klar: «Die Chaoten müssen endlich Verantwortung für ihr Handeln übernehmen.»

Der Einsatz überrasche sie nicht, denn sie habe schon mehrmals miterlebt, wie ganze Busladungen von Hanfpflanzen ins Innere des Gebäudes gebracht wurden. «Es ist schade, dass unser schönes Bremgarten wegen diesen Chaoten als Hort der Linksextremen gilt.»

«Sohn einer Schweizer Persönlichkeit»

Anders tönt es in einem nahe gelegenen Café: «Ich habe bis jetzt nur sehr gute Erfahrungen gemacht», sagt C. S.* Die jungen Leute seien weder gewalttätig noch linksextrem – im Gegenteil. «Die kulturellen und sozialen Angebote wie Theater, Konzerte, Computerkurse sind im Kulturzentrum oft besser als diejenigen der Stadt.»

Auch im Umfeld des 27-jährigen K. X.*, der im Polizeieinsatz vernommen wurde, hört man nur Gutes: «X. ist der Sohn einer bekannten Schweizer Persönlichkeit», sagt seine Nachbarin R. R.* Seine Mitbewohner und er seien stets als freundliche und hilfsbereite Nachbarn wahrgenommen worden.

Für R. war der Polizeieinsatz deshalb komplett übertrieben und unverhältnismässig. «Die vermummten Polizisten und ihre Hunde haben mir einen gehörigen Schrecken eingejagt.»

KuZeB als «Farbtupfer»

Für den Stadtammann von Bremgarten, Raymond Tellenbach, verlief die Durchsuchung hingegen korrekt ab. Ob der Einsatz unverhältnismässig war, kann er aber nicht beurteilen: «Ich weiss schliesslich nicht, wie gefährlich die gesuchte Person tatsächlich war.»

Dass das Kulturzentrum einigen ein Dorn im Auge ist, bestätigt er: «Für sie ist das Haus ein Schandfleck, für andere ein dringend benötigter Farbtupfer.» Mit den Personen, die sich im Kulturzentrum aufhalten, habe man aber grundsätzlich sehr wenig Probleme.

*Namen geändert / der Redaktion bekannt.

(dk)