Digitalisierung

23. August 2017 12:03; Akt: 23.08.2017 12:03 Print

«Roboter für Hunde machen wenig Sinn»

von P. Michel - Roboter, die den Hund ausführen, und Virtual-Reality-Brillen fürs Kochen: Forscher Dirk Helbing über Chancen und Risiken der Digitalisierung.

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Herr Helbing*, Economiesuisse hat in einer Studie verschiedene Szenarien der digitalen Zukunft vorgestellt. Darunter etwa, dass ein intelligentes System Touristenströme leiten soll, indem es alternative Routen vorschlägt. Wie realistisch ist das?
An dieser Entwicklung führt nichts vorbei. Der Widerstand gegen den Massentourismus manifestiert sich ja derzeit an vielen Orten. Das zeigte sich jüngst in Barcelona, als Einheimische den Strand für Touristen blockierten. Werden nun die Touristen nach ihren Präferenzen und Interessen gelenkt, etwa in den Schweizer Bergen, indem die Bewegungsmuster analysiert werden, verteilen sich die Massen besser. Und für die Touristen ist das Erlebnis erst noch interessanter, da ihnen personalisierte Reisetipps vorgeschlagen werden.

Auch das Einkaufen wird sich laut der Studie stark verändern. Per Datenbrille werden den Kunden auf sie zugeschnittene Produkte angezeigt. Eine sinnvolle Entwicklung?
Durchaus. Heute sind viele Konsumenten durch das Kleingedruckte auf den Lebensmitteln überfordert und achten etwa nur noch auf den Preis. Kennt ein Programm meine Einkaufswünsche, kann es die passenden Produkte direkt in eine Virtual-Reality-Brille einspeisen. Wenn ich Bio-Essen mag, werden mir beispielsweise diese Produkte angezeigt. Das ist auch eine Chance für die Produzenten: Sie können hochwertige Produkte besser verkaufen.

Eine Datenbrille soll auch beim Kochen zum Einsatz kommen. Müssen wir bald nichts mehr selbst können?
Das sollte nicht das Ziel sein. Eine digitale Hilfe beim Kochen sollte uns nur so weit unterstützen, als dass sie uns einige handwerkliche Tipps gibt. Sie soll uns helfen, Arbeiten, die wir uns sonst nicht zutrauen, zu meistern – etwa ein aufwendiges Menü zuzubereiten. Sobald wir aber die Handlungsfreiheit verlieren, etwa nicht mehr wählen können, ob wir nun dieses oder jenes Gewürz verwenden wollen, wird es heikel. Ich finde solche Technologien sinnvoll, solange sie Kreativität, Wissen und Fähigkeiten fördern und der Mensch nicht zum willenlosen Werkzeug verkommt.

Auch Roboter sind in Zukunft ein Thema – etwa in der Landwirtschaft oder im Haushalt. Wo macht der Einsatz Sinn?
Bei der Ernte oder der Feldarbeit können Roboter gute Arbeit leisten. Problematischer ist es, wenn Tiere involviert sind: Sie benötigen menschliche Zuwendung, die nicht einfach durch Maschinen ersetzt werden kann. Bei den Haushaltsrobotern ist es ähnlich: Sie werden uns bald viel mühselige Putzarbeiten abnehmen. Ich glaube aber, dass es nicht ratsam ist, wenn die Roboter etwa den Hund ausführen: Ein Hund will etwas erleben und braucht den Kontakt mit dem Menschen.

Einige dieser Szenarien setzen voraus, dass wir sensible Daten preisgeben. Ist es das wert?
Tatsächlich könnte etwa beim Einkaufen mit der Datenbrille erfasst werden, wo wir hinschauen und wie wir uns bewegen. Das wäre natürlich nicht nur aus Marketing-Sicht interessant. Man könnte auch herauslesen: Findet ein Mann eher blonde oder brünette Frauen attraktiv? Es ist klar: Das Potenzial von Grundrechtsverletzungen ist gross. Deshalb muss die Datenhoheit zwingend beim Bürger liegen. Er allein soll entscheiden können, in welche digitalen Services er seine Daten einspeisen will und was damit geschieht.

Was passiert, wenn sich die Anbieter digitaler Technologien nicht daran halten?
Wenn es dazu käme, dass sensible Daten für Profit verkauft oder private Daten gesammelt und ausgewertet würden, wäre das Vertrauen in die Digitalisierung zerstört und damit das Ziel, dass sie Wohlstand für alle Menschen schafft, gefährdet. Das muss mit einem rigorosen Datenschutz verhindert werden. Ich bin überzeugt: Dann kann die Digitalisierung uns allen nützen.

* Dirk Helbing ist Professor für Computational Social Science an der ETH Zürich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eve am 23.08.2017 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Wie kommt jemand nur auf die Idee zu untersuchen, ob es Sinn macht, dass ein Roboter mit dem Hund Gassi geht? Das alleine ist schon ein absoluter Schwachsinn! Die Menschheit ist definitiv am verblöden!

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  • gstar am 23.08.2017 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Vor- und Nachteile

    Möglich ist noch viel, ob es dann wirklich so kommt steht auf einem anderen Blatt beschrieben. Ein Roboter für den Hund wäre aber das dümmste. Man schafft sich ja einen Hund an um mit ihm eine soziale Bindung aufzubauen und mit ihm Zeit zu verbringen. Wobei das merkt man ja schon bei Kindern, viele wollen Kinder, aber das ganze drum herum und mit ihnen Zeit verbingen ist dann doch zuviel. Bei Bereichen wie Putzarbeiten, Einkaufshilfen (Produkte werden immer wie komplexer) etc sehe ich aber nur Vorteile.

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  • A. am 23.08.2017 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein Schwachsinn

    Hunde sind Lebewesen und brauchen eine Bezugsperson. Sie wollen auf den Spaziergängen nicht nur laufen und schnüffeln, sondern auch vom Herrchen oder Frauchen beschäftigt werden. Spielen, erzieherische Aufgaben, neue Tricks lernen, Suchspiele...all dies gehört auch zu einem glücklichen Mensch-Hund-Team. Ein Roboter kann das niemals ersetzen. Wer keine Zeit hat seinen Hund artgerecht zu halten und zu beschäftigen, soll auch keinen halten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom am 23.08.2017 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es braucht weniger Hunde

    Hunde an sich machen wenig Sinn. So erübrigt sich der Roboter.

    • Mani Motz am 24.08.2017 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tom

      Wer das sagt, hat wirklich wenig Ahnung. .

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  • damisi am 23.08.2017 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    wenn der Roboter mit dem Hund...

    ...und dann kam eine Katze vorbei...., oder der Hund mit dem Roboter...Kopfkino, gröhl

  • Sith Cats am 23.08.2017 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    bei mir klappts

    Also meine Katzen lieben den Star Wars BB2 Roboter - inkl. Kopf abschlagen beim Vorbeirollen

  • baba am 23.08.2017 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    vernünftig sein

    wer keine Lust und Zeit hat mit dem Hund spazieren zu gehen der sollte sich auch keinen anschaffen. Punkt und schluss.

    • Eve am 23.08.2017 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @baba

      Richtig, sehr erstaunlich, dass offensichtlich jemand anderer Meinung ist!!

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  • Don Logan am 23.08.2017 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Ein Hund ist nicht dumm und bemerkt, wenn ein Roboter mit im Gassi geht. Er könnte ihn austricksen, denn Roboter wissen nicht alles. Mit solchem Schwachsinn schafft sich die Menschheit früher oder später selber ab.